
Benjamin Wirth legt in der BaZ offen, was hinter der vollmundigen Ansage von SVP-Präsident Riebli – «Wir treten an!» – wochenlang im Verborgenen brodelte: interne Querelen, Ausschlussverfahren gegen den eigenen Fraktionschef, ein aussichtsreicher Bewerber, der öffentlich erklärt, er spüre keine verlässliche Rückendeckung in der Partei.
Doch der Artikel gibt auch einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Nicht Liechti wird zum eigentlichen Thema des Wahlkampfs werden – sondern Regez.
Die politische Leiche in seinem Keller.
Liechti kandidiert – und als direkte Konsequenz rückt die Frau nach, die mit der rechtsextremen Jungen Tat in Verbindung gebracht wird.
Das gibt Schochs Lager ein Narrativ geschenkt: Ein Ja zu Liechti ist ein Ja zu Regez im Landrat. FDP- und Mitte-Wähler werden das beim Ausfüllen des Wahlzettels nicht ignorieren können.
Nikolaos Schär liefert in der bzbasel das Kontrastprogramm: ein Sympathieporträt Liechtis, das den Kandidaten grösser macht als die Partei, die ihn aufstellt.
Genau das ist das Problem.
Wenn der beste verfügbare Mann erst im zweiten Anlauf antritt und die Partei intern über Ausschlussverfahren gegen den eigenen Fraktionschef diskutiert, hat die SVP kein Kandidatenproblem.
Sie hat ein Substanzproblem.
Was zur Konklusion führt: Das Problem von Mitte und FDP ist nicht die SVP. Es ist die Tatsache, dass ein Grüner einen Regierungssitz besetzt, den die bürgerlichen Mitteparteien haben könnten – wenn sie es denn wollten.
Solange sie es nicht wollen, fährt Schoch weiter im Schlafwagen.
gotte meint
wer bundesräte als papierli-schweizer beschimpft, im nationalrat von „steinzeitkulturen“ spricht, selber nur noch mit hellebarden rumfuchtelt und aus exponenten besteht, die in der grossen masse den unterschied zwischen egmr und eugh nicht kennen, wer herausforderungen der gegenwart mit dem rückspiegel nach marignano lösen will, wer den tech-giganten weiterhin milliarden in den rachen werfen möchte und gegen rechts offen mit hakenkreuzverehrern und impfschwurbeln flirtet, wer die lokalblättli mit vorfabrizierten einheitsleserbriefen flutet- der hat es halt schwer, als „bürgerlicher“ partner vom wahlvolch ernst genommen zu werden.
unterbaselbieter meint
HOFFE die SVP liest arlesheimreloaded (was ich nicht bezweifle, den ALLE lesen das).
Es wäre zu ihren Gunsten.
Darum an die SVP:
Lesen (!), Überlegen, Nachbessern, Handeln und dann (hoffentlich) Gewinnen !
Oberbaselbieter meint
Eure Überlegungen in Ehren – aber sie sind vergebens. Riebli ist für die ungefähr so offen wie Donald Trump für Fakten. Die SVP ist und bleibt personell ein unterdotiertes und – begabtes Mischmasch, das unwählbar bleibt. Dazu trägt auch der vom Militär vermeintlich gemobbte mennonitische Beinahe-Kampfpilot bei (was für eine peinliche Rührstory!).
Hans Rudolf Rohr meint
Dieser Blogeintrag trifft die Ausgangslage wunderbar – und ist leider traurige Realität.
Da die bürgerlichen Parteien sich alle lieber selber bespassen und für eine gemeinsame bürgerliche Politik keinen Konsens finden, wird das Spielfeld praktisch kampflos der SP/Grünen überlassen.
Bedauerlich ist, dass dies auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene der Fall ist und somit die bürgerliche Blockade konsequent auf allen Ebenen gelebt wird.
Sollte Regez in den Landrat nachrücken, dürften die nächste Pressemitteilung der Grossmutter gewiss sein.
angrymonk meint
Die SVP als „bürgerliche” Partei? Die New York Times stuft sie weiter rechts ein als die AfD. Wohl bekomm’s, liebe FDP und Mitte.