
Jahrelang stand der Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ für französische Grandeur-Nostalgie. Zu klein, zu oft in der Werft, zu teuer für ein Land, das keine Weltmacht mehr ist. Als europäische Seemacht galt England — Rule, Britannia, rule the waves.
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Jetzt hat Frankreich ein knappes Dutzend Kriegsschiffe ins Mittelmeer verlegt. Der Verband schützt den britischen Stützpunkt auf Zypern, der kürzlich von iranischen Drohnen getroffen worden war. Und er eskortiert den einzigen einsatzfähigen britischen Flugzeugträger — weil London keinen eigenen Begleitschutz mehr aufbieten kann.
Ironie der Geschichte — 1066: Die Normannen landen, schlagen die Engländer in der Schlacht von Hastings. Der Beginn einer jahrhundertealten Rivalität, eine Wunde, die nie ganz verheilt ist und noch den Brexit unterfütterte. 2026: Frankreich eskortiert den britischen Träger. Auf Einladung.
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„Wenn Zypern angegriffen wird, wird Europa angegriffen“, erklärt Macron. Was er meint: Mare nostrum.
Was er will, ist kein Geheimnis: eine europäische Armee — unter französischem Kommando. Mare Nostrum hatte immer einen Preis. Innen wie aussen.
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Was der Iran-Konflikt sichtbar macht, ist kein Aufstieg Frankreichs.
Frankreich ist nicht grösser geworden. Die anderen sind kleiner geworden — oder haben sich davon gemacht. Washington schaut nach Osten. London hat sich selbst amputiert. Deutschland hat nie eine Seemacht sein wollen — die Ostsee ist kein Ozean. Italien schaut zu.
Die Lücke im Mittelmeer war längst da. Der Konflikt hat nur den Scheinwerfer justiert.
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Frankreich hat investiert, während andere kürzten, streckten, auslagerten. Nicht laut. Nicht mit Ankündigungen. Einfach weitergebaut.
Der Spott war eine Wahrnehmungsverzerrung — gespeist aus angloamerikanischer Deutungshoheit darüber, was Macht ist und was Folklore sein soll.
Frankreich demonstriert Militärmacht im Mittelmeer. Und eskortiert nebenbei den britischen Träger.