Keine Frage, der Rücktritt von Isaac Reber hat die SVP auf dem falschen Fuss erwischt. Doch die Mitte hat er in ein Dilemma gestürzt, das in der Partei für nervöse Anspannung sorgt: Den weiteren Verbleib der Partei in der Regierung.
Denn der ist keineswegs gesichert.
Weil bei den Regierungsratswahlen 2027 alle Parteien antreten werden.
Sie werden sich dann um genau einen Sitz duellieren – den von Anton Lauber. Alle anderen sind Bisherige.
Dass ein Bisheriger nicht mehr gewählt wird, ist im Kanton Baselland praktisch ausgeschlossen.
Sollte aus der Not heraus, Anton Lauber nochmals antreten, um der Mitte den Sitz zu retten, wird das Problem lediglich um zwei, drei Jahre hinausgeschoben. In einer Einervakanz hat die 10.9%-Partei geringe Chancen, den Sitz behaupten zu können.

Genau das hat Isaac Reber einkalkuliert. Sein Rücktritt ist ein präzis gesetzter Zug auf dem Schachbrett – Lauber wird zur Figur auf dessen Brett.
Bleibt es bei einer Einervakanz, ist Schoch der klare Favorit – nicht Liechti. Und damit wären für die Grünen auch die 27er-Regierungsratswahlen gelaufen.
Deshalb ist für jeden strategisch denkenden Beobachter klar: Anton Lauber muss jetzt zurücktreten, um in einer Vakanz im Juni 2026 den Mitte-Sitz für die nächsten Jahre abzusichern.
Bei einer Zweier-Vakanz verändert sich die ganze Geometrie.
Statt eines Alleingangs von Schoch entsteht ein Viererfeld: Grüne, SP, Mitte, SVP.
Der Kandidat der SP steht in den Startlöchern: Adil Koller.
Im ersten Wahlgang erreicht niemand das absolute Mehr. Im zweiten zählt das relative Mehr. Dort haben SP und Mitte die besseren Karten: breitere Wählerbasis, höhere gegenseitige Toleranz, bessere Kandidaten. Die Grünen und die SVP gingen leer aus.
Doch da gibt es ein kleines Problem: Wer soll Lauber ersetzen?

Die Mitte wird von einem Duo gesteuert, dass sich schon länger für Spitzenpositionen empfiehlt.
Ryfs Ambitionen sind bekannt: Ständerat, und parallel dazu der Nationalrat als gesicherter zweiter Platz – strategisch positioniert als Nachfolger von Elisabeth Schneider-Schneiter, die in der nächsten Legislatur zurücktreten wird.
Ein klassischer Karriereplan, gut aufgebaut, logisch.
Und auf der anderen Seite steht Kantonalpräsident Simon Oberbeck, der seinerseits Regierungsambitionen hegt. Auch das ist kein Geheimnis.
Doch mit einer Zweier-Vakanz im Juni verändert sich die Ausgangslage grundlegend und damit müssten sich auch die Ambitionen ändern.
Tatsache ist, dass parteiintern und darüber hinaus Ryf für dieses Amt als der stärkere Mann gehandelt wird. Ein Switch wäre für beide strategisch klug – Ryf in den Regierungsrat, Oberbeck in den Nationalrat.
Aber er setzt voraus, dass beide ihn wollen, dass sie sich einigen.
Hier liegt das strukturelle Problem der Baselbieter Mitte: Ausser diesen beiden drängt sich niemand ernsthaft auf. Zwei Ambitionen, die sich gegenseitig blockieren – und dahinter niemand.
Kein Reservoir, kein Plan B.
Solange sie sich nicht einigen, ist genau das Laubers Hebel. Er kann das Dilemma der Partei aussitzen. Und 2027 den Retter mimen. Denn Männer mit Spitzenresultaten und Genuss an der Macht gehen selten freiwillig.
Dieses Kalkül geht für Lauber nur dann auf, wenn ihm bis dahin die PUK zur Kantonalbank und die Finma zu Radicant einen Persilschein ausstellen. Derzeit sieht es nicht danach aus.
Alle reden über die SVP.
Die richtige Frage lautet: Haben Ryf und Oberbeck den Mut zum Deal – oder lassen sie Lauber auf Zeit spielen?
Reber hat das Brett aufgestellt. Die Mitte muss jetzt ziehen.
PS: Die Uhr tickt. Am Montag, 13. April, Punkt 12 Uhr, schliesst die Landeskanzlei die Meldefrist für die Juniwahl.