
Manchmal sind es Kleinigkeiten, die mehr verraten, als auf den ersten Blick zu vermuten ist. Ein Lehrlingswettbewerb, ein Sponsoringinserat — und ein Absender: Stückelberger Connect, Arlesheim.
Die Fakten vom 8.04.2025 gemäss Moneyhouse:
Stückelberger Connect, Büntenweg 8, 4144 Arlesheim. Einzelfirma, gegründet 2025, Kanton Basel-Landschaft. Inhaber: Dr. Balthasar Gaudenz Stückelberger, Einzelunterschrift. Zweck laut Handelsregister: Beratung in Recht, Public Affairs, Kommunikation und Sozialpartnerschaft, dazu Mandate in strategischen Führungsorganen.
Klartext: eine Lobbying-Beratungsfirma, einem Geschäftsmodell, das unter zunehmendem Druck steht.
Die Logik der Gründung liegt auf der Hand. Stückelberger wusste bereits 2025, dass er vor dem nächsten Wahltermin aus dem Landrat zurücktreten würde.
Die Firma ist die Infrastruktur für das, was danach kommen soll — ein kommerzielles Public-Affairs-Angebot, aufgebaut auf den Ressourcen von fünfzehn Jahren Kantonsparlament und einschlägige Erfahrung im Privat- und Verbandssektor.
Dass er diese Gründung mit seiner Arbeitgeberin, den Arbeitgeber Banken, abgesprochen hat, versteht sich von selbst. Ohne deren Zustimmung wäre die Nebentätigkeit arbeitsrechtlich heikel gewesen — Art. 321a OR.
Ergo wissen die Banken, was kommt.
Und was kommt, weiss inzwischen alle Welt: Balz Stückelberger will Ständerat werden. Connect ist die Vorbereitungshandlung. Die Bankenstelle gibt er auf, sobald — falls — er ins Bundeshaus kommt.
Der Deal ist abgesprochen: Den Banken ein Netzwerker in Bern, ihm die wirtschaftliche Basis für das Mandat. Sauber konstruiert. Professionell aufgestellt.
Und gebaut auf einem Fundament, das schon zweimal weggebrochen ist.
2011 belegte er auf der FDP-Nationalratsliste den dritten Platz hinter Daniela Schneeberger und Franz Saladin — bei einem einzigen zu vergebenden Sitz bedeutet das: ziemlich leer ausgegangen. 2019 musste er sich von Saskia Schenker auf Platz drei verdrängen lassen.
Dass Stückelberger 2027 tatsächlich zum Ständeratskandidaten der Bürgerlichen erhoben und — zweite Hürde — gewählt wird, daran glauben im Kanton höchstens zwei, drei wohlmeinende Journalistinnen.
Eine davon erklärte mir kürzlich, Stückelberger trete ohnehin nur an, wenn Maya Graf zurücktrete. Was den Mut zur Kandidatur auf elegante Art davon abhängig macht, dass eine andere Person für ihn eine Entscheidung trifft.
Das Muster ist bekannt.
Im Februar 2015 schrieb ich in der Basler Zeitung:
Herr Stückelberger nimmt das politische Geschäft locker. Er kann grosszügig erklären, dass er für die Nationalratsliste seiner FDP nicht zur Verfügung stehe, nachdem er an seinen zehn Fingern abgezählt hat, dass er auf dem Wahlplakat zwar eine nette Falle machen würde, aber niemals das begehrte Ticket nach Bern einheimsen kann. Doch siehe da, kaum sind zwei Wochen ins Land gegangen, gilt Stückelberger plötzlich als heisser Kandidat für den Ständerat.
Und ich fügte hinzu: „Balz Stückelberger ist 43, im besten Alter für einen nächsten politischen Schritt.“
Doch dann scheiterte er schon an der Partei: An der Nominationsversammlung in Oberwil unterlag er Christoph Buser für die Ständeratskandidatur — mit zwei Stimmen Differenz.
Jetzt ist er 53.
Und er steht noch immer am selben Ort wie 2011. Das ist kein Beharrungsvermögen mehr. Es ist das Unvermögen, den nächsten Schritt nicht nur vorzustellen, sondern tatsächlich zu tun.
Nun könnte man einwenden, das sei alles falsch gelesen. Dass Stückelberger schlicht geduldig ist — ein Taktiker, der die Mechanik der Baselbieter FDP besser versteht als seine Kritiker, und der 2027 tatsächlich seinen Moment haben wird. Connect als echte Vorbereitung also, nicht als Kompensation.
Möglich.
Aber nach drei Anläufen in fünfzehn Jahren — einem verlorenen, einem vermiedenen, einem erneut verlorenen — hat die Geduldsthese ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Hans Rudolf Rohr meint
Nach dem FDP-Bashing ist vor dem FDP-Bashing. Mit der Zeit wird das irgendwie langweilig. Und eigentlich gehen im Moment nicht die Themen aus, so dass man sich bereits jetzt darauf einschiessen müsste.
Wenige haben für Kanton und Gemeinde so viel Engagement gezeigt wie Balz Stückelberger – das verdient Respekt. Ob man die politischen Inhalte mitträgt oder nicht.
Zumindest lag der Blog-Betreiber mit seinen Wahleinschätzungen in den letzten paar Jahren oft so falsch, dass eine Wahl Stückelbergers nicht ausgeschlossen ist.
Auch ein Freisinniger meint
besonders amüsant in Ihrem Einspruch ist, werter Herr Rohr, die Gleichsetzung von (unserer gemeinsamen?) Partei und Dauerkandidat.
Manfred Messmer meint
Die Fakten sind unbestritten. Den Rest entscheidet 2027.
unterbaselbieter meint
Sehr gute und kritische Analyse. Das passt mir.
Jetzt weiss ich – solche „ich-will-die-ganze-welt-kreist-um-mich“ Personen mag ich nicht wählen. Denn hier stelle ich mir die Frage geht es wirklich ums Wohl Aller oder ums eigene (ausgeprägte) Ego.
Es ist wichtig, WEN wir wählen.
Jörg Wildbach meint
Leider ist es so. Die Stückelberger Connect beglückt diese Handvoll Schurnis im Wochentakt mit Balthasars Utopien – Selfies, klar, inklusive. Und seine freisinnige Umgebung? Schweigt. Berät den Eitlen nicht. Verständlich, da zwecklos: unbeirrbare Ambition schlägt gereifte Einsicht. Oder, noch wahrscheinlicher, lässt ihn einmal mehr ins Leere preschen.