
Basel hat Beiersdorf verloren. Den Schweizer Sitz. Die Teams von Nivea, Labello, Hansaplast und Eucerin ziehen ins Zürcher Seefeld um, ins Trendquartier am See, wo Expats wohnen und Marketing-Leute sich wohlfühlen.
Das Unternehmen erzählt den Basler Gründermythos der reich gewordenen Pharmastadt. Richard Doetsch und Oscar Grether gründeten 1899 in Basel eine Apotheke — daraus wurde ein Unternehmen, das mit Beiersdorf ein Joint Venture einging.
Die Erbin war Esther Grether: Als Sekretärin eingestiegen, Gattin des Firmenpatrons, nach dessen frühem Tod 1975 Chefin auf Jahrzehnte.
Ihre Privatsammlung — Picasso, Cézanne, Bacon, über 600 Werke — zählte zu den bedeutendsten in Europa. Sie starb im August 2025, 89-jährig, in Basel. Ein halbes Jahr später verkündete Beiersdorf den Wegzug. Nicht die Steuerbelastung hat entschieden. Der Lebensstil.
Das ist die eine Meldung.
Die andere: Ab 2028 soll Basel ein Welteliten-Forum beherbergen. «Project Basel», initiiert von James Murdochs Umfeld und der MCH Group, angelehnt an die Art Basel, gedacht als WEF-Konkurrenz.
Superreiche, CEOs, Meinungsmacher — diesmal nicht in Davos, sondern am Rheinknie. Ein Kleinkanton mit der Finanzausstattung eines Industriestaates empfängt die Gulfstream-Society. 200’000 Einwohner, 5,4 Milliarden Franken Staatsertrag — pro Kopf fast fünfmal mehr als Zürich.
Möglich dank der Pharmaindustrie, die hier zufällig ihren Sitz hat. Regiert wird stramm links-grün.
Der Widerspruch ist nicht zufällig. Er ist strukturell.
Basel ist attraktiv für Superreiche, weil es kultiviert ist, überschaubar, museal von Weltrang — Beyeler, Kunstmuseum — und einen Kunstmessen-Brand trägt, der global vermarktet wird.
Esther Grether hat ihren Teil dazu beigetragen.
Die Lebensqualität am Rhein, die die urbane Intelligenzia ja aufgebaut hat — das Öffentliche, das Gepflegte, das Weltoffene — ist genau das, was die Klasse anzieht, die sie eigentlich nicht will: Die Lastenvelo-Stadt wird zur Kulisse für Milliardäre.
Basel verliert die Traditionsfirma aus dem Gründermythos und gewinnt ein Adabei-Forum.
Roche, Geigy, Doetsch Grether — alle drei haben ihre Wurzeln in Basler Apotheken. Es verliert die produktive Mittelklasse an Zürich — attraktiveres Quartier, tiefere Steuern für Angestellte — und zieht dafür die Superreichen für Events an, die der Murdoch-Zirkel mobilisiert.
Das Eigenbild — soziale, durchmischte, progressive Stadtgesellschaft — kollidiert mit der Wirklichkeit: Pharma-finanzierte Wohlstandsoase als Eventinsel für Glamour.
Basel ist zu reich geworden für das, was es zu sein vorgibt.