
Wir haben in der Nachfolge-Diskussion für den Reber-Sitz bis anhin vor allem in eine Richtung geblickt: nach links.
Doch es gibt auch die andere Seite – die rechte.
Und dort sieht es, gemessen an der demonstrativen Wahlkampfbereitschaft der Grünen, keineswegs rosig aus.
Während die Grünen mit Philipp Schoch mit hoher Wahrscheinlichkeit einen klaren Favoriten ins Rennen schicken, ist bei der SVP bislang keine Kandidatur erkennbar, die eine vergleichbare Zugkraft entfaltet.
Wenn Parteipräsident Riebli scherzhaft den Namen „Mall“ in die Runde wirft, ist das mehr als ein Bonmot. Es ist ein Indiz für eine gewisse Ratlosigkeit.
Das strukturelle Problem der SVP: Wer tatsächlich kampfbereit ist, zögert nicht. Man hätte erwarten dürfen, dass umgehend ein Kandidat präsentiert und ein Parteitag zur Nomination angesetzt wird.
Bis jetzt fehlt jedes erkennbare Zeichen eines entschlossenen Aufbruchs.
Die Zurückhaltung der SVP kann mehrere Gründe haben: Entweder fehlt eine überzeugende Wunschkandidatur, man scheut das Risiko einer Niederlage, man unterschätzt die symbolische Wirkung von Tempo und Entschlossenheit – oder die parteiinternen Differenzen sind noch immer nicht bereinigt.
Entscheidend ist weniger die Frist als das Signal: Während die Grünen Geschlossenheit demonstrieren, wirkt die SVP noch im Suchmodus.
Auch im übrigen bürgerlichen Lager herrscht wenig Aufbruchstimmung.
Die FDP wirkt wahlkampfmüde, die Mitte reserviert. Gerade sie steht vor einem strategischen Dilemma: Bei den ordentlichen Regierungsratswahlen dürfte sie – nicht zuletzt, weil Toni Lauber unter den aktuellen Umständen wohl nochmals antreten wird – mit den Bürgerlichen marschieren.
Mit Blick auf den Herbst 2027 jedoch, wenn es um den Schneider-Schneiter-Sitz im Nationalrat geht, ist sie auf ein Elektorat angewiesen, das links der Mitte verortet ist.
Zu viel bürgerlicher Schulterschluss heute könnte morgen Stimmen kosten.
Deshalb bleibt meine These: Der alte Politfuchs Isaac Reber weiss, wie man Züge vorbereitet. Sein Rücktritt wirkt nicht spontan, sondern wie ein präzise gesetzter Schachzug.
Er kam zu einem Zeitpunkt, an dem das bürgerliche Lager organisatorisch und strategisch nicht bereit war – und genau das könnte am Ende den Ausschlag geben.
paule meint
Schön ist doch, dass sich die SVP genau so wenig für diese Wahl zu interessieren scheint, wie der Rest des Volkes.
Walter Basler meint
Der interne Zwist zwischen Hardlinern und Gemässigten in der SVP liegt noch nicht lange zurück. Bekanntlich haben sich die Hardliner durchgesetzt. Gemässigtere Kräfte werden nur noch toleriert.
Das rächt sich jetzt. Für die Regierungsratskandidatur wären gemässigte Interessenten gefragt, die der FDP und Mitte genehm wären. Aber die sanfteren Kräfte in der SVP haben wohl wenig Lust, sich angesichts der aktuellen Parteileitung zu exponieren. Sie riskieren eine halbherzige Unterstützung durch ihre Partei und damit ein Scheitern.
Kein Wunder, prescht niemand vor.
unterbaselbieter meint
Niemand will so recht. Weil Regierungsrat in BL mit wenig Prestige (anders als z.B. in Städten) verbunden ist und mit „richtig“ viel Arbeit. Lange Tage, Personalstress, Führen, Departement-Probleme, Kreuzfeuer, Kritik und viel Verwaltung, wenig Gestaltung….
Als Belohnung gibt es mal ein Ausflug in den Forst von Langenbruck oder eine Besichtigung der Salinen. Wow.
Ist viel lukrativer und spannender und besser – auf den Nationalrat zu schielen, wie viele wollen (Politiker in Bern werden, Stückelberger) und wie viele bleiben wollen (Brenzikhofer, Schneider-Schneiter usw….). Weil wenig Präsenz, viel FirstClass, Image, Netzwerk und Geld, jedoch Null Verantwortung und viel Schnatter-Schnatter usw…
Regierungsrat in BL – so trocken wie Katzenfutter.
So öde und dröge sitzend hinter dicken Ordnern (die Digitalisierungsstrategie in BL greift nicht) und Verwaltungsbaumauern. Das liegt dieser neuen Politik-Generation welche das Showlicht sucht nicht wirklich….
Roggenbass meint
treffend beschrieben, Herr Unterbaselbieter! Bern ist etwas für alternde Wellness-Influencer und Seilbahn-Auguste wie unseren Mann aus Arlesheim. Liestal ist Knochenarbeit, wenn mann/frau das Amt ernst nimmt.