„Gefährlicher Design-Trend bei Autos.“
„Die Olympiaabfahrt findet auf einer der gefährlichsten Pisten der Welt statt.“
„Trumps moralisches Fehlverhalten ist gefährlich.“
„Gefährliche Geschwindigkeit: die Risiken der europäischen Schnellzüge.“
„Die gefährliche Wette mit der Schweizer Sicherheit.“
Und überhaupt: „Die Sicherheitslage ist gefährlicher als im Kalten Krieg.“
Und so weiter und so fort. Die Medien erinnern uns täglich: Wir leben in einer gefährlichen Welt.
Ja, sie war noch nie so gefährlich wie heute.
Zumindest wenn man den inflationären Gebrauch des Adjektivs zur Richtschnur nimmt.
„Gefährlich“ ist zum Universalwort geworden, das sich auf jeden und alles anwenden lässt, ohne dass man noch lange nachdenken muss.
Doch Sprache, die nicht mehr unterscheidet, wird sinnentleert. Am Ende weiss niemand mehr, wovor er sich tatsächlich fürchten soll.
Früher, als wir noch im Paradies lebten, also vor dreissig, vierzig Jahren, unterschied man noch zwischen riskant, destabilisierend, bedrohlich, irreversibel, systemisch, toxisch, volatil.
Heute reicht „gefährlich“. Und alles ist gesagt.
PS: Ich habe meinem Sprachmodell mittels Marker untersagt, das Wort „gefährlich“ in irgendeinem Zusammenhang zu verwenden. Wir wollen hier eine gefährlichfreie Zone.
Daniel Flury meint
Heute reicht auch «Hass».
In den goldenen Zeiten (damals) war es Widerrede, Spott, Verleumden, Verächtlichmachen oder simpel: Stimmt nicht.
Heute ist das der Begriff «Hass».
Ein pathologischer Zustand, kaum zu kurieren.
«Doch Sprache, die nicht mehr unterscheidet, wird sinnentleert. Am Ende weiss niemand mehr …», was Hass überhaupt ist.
Und das ist gefährlich, denn das erzeugt ihn.
unterbaselbieter meint
„Gefährlich“ erhöht die Klickzahlen. Und im Bistro wird bei „gefährlich“ doppelt so viel zum „Blick“ gegriffen.
Schön, das wenigstens einer „gefährlich“ künftig auslässt. Das braucht Mut. Und trotzdem so viel Klicks. Das will was heissen. Über den Autor und über die Leserschaft.