Die Ersatzwahl für den Baselbieter Regierungsrat vom 14. Juni wird keine klassische Ersatzwahl. Sie findet im Schatten einer hochemotionalen SVP-Initiative statt – der Nachhaltigkeitsinitiative, über die am gleichen Sonntag abgestimmt wird.
Steigt die SVP – wovon auszugehen ist – mit Matthias Liechti ins Rennen, wäre das unter normalen Umständen ein klarer Vorteil. Die FDP stünde ohne grosse Diskussionen an seiner Seite. Und die Annahme der BaZ, die Siegchance für eine SVP-Kandidatur sei selten so gross gewesen wie jetzt, liesse sich unterschreiben.
Ein Einthemen-Wahlgang wie im vergangenen Oktober hätte der Kandidatur beste Voraussetzungen geboten – nach dem bewährten «Amtsträger»-Modell. Eigenmann gewann nicht wegen der FDP, sondern weil sich die Wähler unter den drei Kandidaturen am ehesten ihn als künftigen Regierungsrat vorstellen konnten.
Mit Matthias Liechti hätte das bürgerliche Lager erneut einen solchen Typus anzubieten.
Doch diesmal ist die Ausgangslage eine andere.
Kandidat und Partei werden gleichzeitig für die Nachhaltigkeitsinitiative kämpfen müssen – ein Spagat, der kaum gelingen dürfte.
Die «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Vorlage verändert das Baselbieter Spiel grundlegend.
Die FDP-Anhängerschaft steht vor einem kaum auflösbaren Dilemma.
Am selben Tag sind zwei unterschiedliche Fragen zu beantworten: Stimme ich der SVP-Initiative zu – oder lehne ich sie ab? Und unterstütze ich dennoch den SVP-Regierungskandidaten?
Je stärker die Initiative polarisiert, desto schwieriger wird diese Trennung.
Für Grün-Links hingegen ist die Vorlage ein Geschenk. Sie verfügt über ein klares Feindbild, kann ein breites Nein-Lager bis weit in bürgerliche Kreise hinein mobilisieren und den Wahlkampf moralisch aufladen.
Damit verschiebt sich der Charakter der Wahl.
Es geht nicht mehr nur um eine Person, sondern um eine grundlegende Richtungsfrage – auch für die Wirtschaftsregion Basel.
Ein erster Stimmungstest erfolgt bereits im März mit der Halbierungsinitiative der SVP. Während in Basel-Stadt eine deutliche Ablehnung erwartet wird, wird das Resultat im Baselbiet aufschlussreich sein: Wie hoch ist die Zustimmung? Wie gross ist der Abstand zu Basel-Stadt? Wie stark war die Mobilisierung?
Bleibt die Zustimmung klar unter 40 Prozent, ist das ein Warnsignal für die SVP. Nähert sie sich 45 Prozent, deutet dies auf eine stabile strukturelle Basis hin.
Kurzum: Die Formel für diesen Wahlkampf lautet nicht mehr «Amtsträger gegen Amtsträger», sondern:
Hohe Emotionalisierung plus Lager-Mobilisierung ergibt ein offenes Rennen.
Und vielleicht wusste der alte Politfuchs Isaac Reber genau das.
Wer fünfzehn Jahre in einer Exekutive sitzt, kennt nicht nur die Dossiers, sondern auch die Dynamik des Systems. Der Juni-Termin fällt nicht zufällig mit einer hoch emotionalen SVP-Abstimmung zusammen. Ein erfahrener Stratege weiss, was das bedeutet: Die Wahl wird nicht zur reinen Verwaltungsfrage, sondern zur politischen Standortbestimmung.
Der alte Politfuchs Isi Reber weiss, wie man Züge vorbereitet. Sein Rücktritt wirkt wie ein präzise gesetzter Zug auf dem Schachbrett – nicht impulsiv, sondern berechnet.
PS: Ob die Grünen mit Schoch oder mit Brenzikofer antreten, ist unter dieser Logik zweitrangig. Eine Kandidatur der Nationalrätin – Frau, Oberbaselbieterin, hoher Bekanntheitsgrad – würde jedoch deutlich stärkere Mobilisierungskraft entfalten als jene des Pratteler Gemeinderats Schoch.
Paule meint
Interessante These, allerdings: Das Baselbiet ist manchmal weniger emotional, als man glaubt. Insofern wird es wohl wieder ein Personenwahlkamopf werdern, also langweilig.
ladina meint
Und auch das: Reber habe bewusst auf diesen emotionalisierten Termin gesetzt. Das tönt gut, lässt sich aber wohl kaum belegen.
Daniel Flury meint
«Letzten Samstag wurde ich nach der Hauptübung der Feuerwehr aus der Dienstpflicht entlassen» (24.11.2025, mathias-liechti.ch).
Ist das der?
Ui, staatstragend.
Alfred Brander meint
Besser als hämische Kommentare aus dem Nichts.