
Der oberste Gerichtshof der USA hat die Zollpolitik Trumps für nichtig erklärt. Verfolgt man die Kommentare in der Schweiz, bleibt der Eindruck: Man weiss so viel wie zuvor – nämlich wenig.
Vor allem verkennt man eines: Der Supreme Court hat Trump nicht – wie viele in Europa es gerne sähen – geschwächt. Er hat lediglich die Spielregeln sichtbar gemacht.
Ab Dienstag stoppt die US-Zollbehörde die Erhebung der Abgaben, sämtliche bisherigen Zollcodes werden deaktiviert. Das mag wie eine Entwarnung klingen. Tatsächlich bestätigt es nur, wie rasch sich die Parameter verschieben.
Für die Schweiz bedeutet das: Mit oder ohne Zollvereinbarung mit den USA bleibt die Lage unberechenbar.
Dabei war man lange überzeugt, bilateral schneller ans Ziel zu kommen als die EU. Dahinter stand die implizite Konkurrenzlogik: Beweglichkeit statt Block, Direktzugang statt Verhandlungsmaschinerie.
Man vertraute auf Flexibilität als Vorteil – und unterschätzte, dass in einer personalisierten Machtordnung Sichtbarkeit selbst zum Risiko wird.
Spätestens das Telefonat mit Karin Keller-Sutter zerstörte diesen Verhandlungsmythos. Trump zog die Bundespräsidentin mit hämischen Kommentaren ins Scheinwerferlicht – der Kleinstaat Schweiz wurde mit 39-Prozent-Zöllen vor aller Welt vorgeführt.
Die unbequeme Wahrheit lautet: Selbst ein regelbasiertes Abkommen mit den USA stünde unter politischem Vorbehalt. Verträge gelten, solange sie opportun erscheinen – nicht länger.
Deshalb gehört das eigentliche Thema ins Zentrum: die tektonische Verschiebung der Weltpolitik – weg vom bilateralen Feilschen, hin zur Blockbildung. In einer solchen Ordnung zählt nicht der gute Draht, sondern die Einbettung. Nicht die Höflichkeit, sondern die Zugehörigkeit.
Der nüchterne Befund lautet: Die Schweiz steht strukturell allein da. Nicht isoliert, aber ohne Blockschutz.
Noch vor wenigen Monaten glaubte man, mit Abkommen mit den USA und China gestärkt gegenüber der EU auftreten zu können. Diese Illusion hat Trump zerstört. Auch China erweist sich zunehmend als Handelspartner mit primär machtpolitischen Ambitionen.
Vor dieser veränderten Kulisse gewinnen die Bilateralen III eine neue Bedeutung.
Es geht nicht mehr nur um Marktzugang, sondern um die Einbettung in ein stabiles Vertragswerk innerhalb eines Blocks mit klaren Regeln.
Mit der Einsicht allerdings, dass die EU kein erratisches System ist, sondern der Schweiz in manchem ähnlicher, als man hierzulande wahrhaben will: Auch dort wird ununterbrochen um unterschiedliche, teils gegensätzliche Positionen gerungen.
Stabilität entsteht nicht durch Harmonie, sondern durch institutionalisierte Verfahren.
Die Schweiz wird auch das aushalten.