
Jetzt ist klar: Die Favoritin für die Nachfolge von Isaac Reber tritt nicht an. Wie die bz berichtet, bleibt Florence Brenzikofer, was sie ist: Nationalrätin.
Damit ist wieder offen, wer für die Grünen ins Rennen steigt.
Derzeit liegt einzig die Kandidatur von Philipp Schoch auf dem Tisch – Gemeinderat in Pratteln, Alt-Landrat, parteiintern verankert, aber ohne bundespolitische Strahlkraft.
Der Verzicht Brenzikofers ist ein Schlag für das links-grüne Lager.
Mit ihrer Bekanntheit, ihrem bundespolitischen Profil, ihrer regionalen Verkehrskompetenz und ihrer Mobilisierungskraft wäre die Ausgangslage zumindest ausgeglichen gewesen.
Nun wird die Verteidigung des Sitzes fragiler.
Brenzikofers Entscheid ist mehr als persönlich. Er ist eine Priorisierung: Bern vor Liestal.
Und – spekulativ – er hat strategische Nebenfolgen. Er reduziert den Druck auf Maya Graf, im kommenden Jahr zugunsten von Samira Marti Platz zu machen – etwa im Zuge eines Wahlabkommens mit der SP..
Wer im Nationalrat bleibt, hält sich Optionen offen – auch jene Richtung Ständerat.
Reber geht. Die prominenteste Nachfolgerin verzichtet. Man setzt möglicherweise auf Schoch. Das wirkt nicht wie eine Offensive. Es wirkt wie Risikominimierung.
Zumal die Grünen jetzt versuchen dürften, keinen Lager-, sondern einen Amtsträgerwahlkampf zu führen: Kompetenz statt Polarisierung.
Strategisch gelesen heisst das: Man sichert die Position in Bern und vermeidet ein kantonales Scheitern einer prominenten Figur. Der Kanton erscheint – nüchtern betrachtet – weniger existenziell als die Bundesbühne.
Man kann es auch so lesen: als grüne Machtverlagerung. Wer die Bundesbühne wählt, entscheidet sich für jene Ebene, auf der die grossen Linien gezogen werden – bei Verkehr, Energie, Europa. Liestal verwaltet, Bern gestaltet.
Härter formuliert: Wer auf die stärkste Kandidatin verzichten muss, signalisiert, dass er sich seiner Mehrheitsfähigkeit im Baselbiet nicht sicher ist.
Ohne Brenzikofer muss die SP stärker mobilisieren. Die GLP wird entscheidender.
Die in der SP spürbare Irritation über Rebers Timing und die geplatzte Wunschkandidatur Brenzikofer dürfte politisch nachhallen. Ohne geschlossene Mobilisierung verschieben sich die Chancen zugunsten der SVP.
Florence Brenzikofer hat sich für ein kalkuliertes Risiko entschieden – nicht für den mutigen Wurf.
PS: Am 14. Juni wird auch über die hochemotionale 10-Millionen-Initiative der SVP abgestimmt. Die Ersatzwahl findet nicht im luftleeren Raum statt.
PS II: Ein aufmerksamer Leser weist mich darauf hin, dass es bei den Grünen seit Samstag einen zweiten Kandidaten gibt: Stephan Ackermann, Fraktionschef der Grünen.
Daniel Flury meint
Der Kandidat muss eine Mehrheit in der Partei haben.
Das heisst, er durfte den Parteiflügeln in der Vergangenheit nie weh getan haben.
So kommt es, dass nicht «der Bessere unter den Guten» auf den Schild kommt, sondern der Durchschnittlichste unter den Durchschnittlichen.
Das war zwar schon immer so, aber die Anforderung an Politiker hat sich nach unten nivelliert.
Wiederholt netter Kerl in der Gruppe am Apero Riche reicht meistens.
Man bekommt als Wähler das, was man bestellt (und was man aus dem eigenen Umfeld kennt, und vielleicht fällt ja auch noch ein Brotkrumen für einem selbst vom Tisch).
KellerP meint
Nüchtern betrachtet ist es nach all den Jahren des Kommens und Vergehens – und der inzwischen unisono längst vergessenen Amtsinhaber:innen – letztlich völlig wurscht. Ob Hans, Heiri oder Bertha. Oder Liechti, Schoch oder Weissgottwer. Klar, nicht gut, dass es so ist, aber es ist nun mal so. Warum es so Ist? Keine Ahnung. Vielleicht, weil wir uns alle so wohlig einmitten. Wie der Frosch im Lauwarmen.
Anonymus meint
Warum das so ist? Ganz einfach: weil es uns zu gut geht und wir das nicht schnallen!