
Wenn derzeit viel vom Lagerfeuer die Rede ist und dabei gern die SRG gemeint wird, dann gibt es in Wahrheit nur noch ein einziges Lagerfeuer, das die ganze Schweiz versammelt: die Abstimmungen, die viermal im Jahr über grosse und kleine Themen stattfinden.
In einer Zeit, in der Wirklichkeit zunehmend gefiltert, personalisiert und privat organisiert wird, bleiben Abstimmungen einer der wenigen Momente, in denen alle vom selben Thema ausgehen – unabhängig davon, auf welchem Bildschirm sie sonst leben.
Man einigt sich nicht auf eine Meinung. Aber man einigt sich darauf, worüber gestritten wird.
Das ist nicht romantisch. Das ist staatstragend.
Abstimmungen beweisen, dass wir uns noch auf Verfahren einigen können – selbst wenn wir uns über Inhalte nicht einigen können.
Solange die Regeln respektiert werden – auch die Gewissheit, dass es am Abstimmungssonntag einen Verlierer geben wird –, bestehen wir viermal im Jahr den Stresstest der schweizerischen Realität.
Direkte Demokratie ist keine Folklore. Sie schafft Zusammenhalt, wenn unterschiedliche Positionen aufeinanderprallen.
Gregor Stotz meint
Auf alten Fotos sehen alte Männer jung aus! 😉
unterbaselbieter meint
Richtig.
Denn das Lagerfeuer des Fernsehen ist vorbei. Es glimmt zwar noch, aber keiner schaut mehr zu. Den Spruch: Wetten dass mit Thomas Gottschalk ist das Lagerfeuer von Deutschland am Samstagabend. Oder Kulenkampff. Oder Hans Rosental….
Deshalb ist auch der Spruch „Wir halten die Schweiz zusammen“ der SRG so unverschämt. Die SRG gibt es ein paar Jahre – aber auch zuvor hatte die Schweiz einen Zusammenhalt (und wie) und war eine Demokratie. Ich kenne kein Westschweizer der Deutschschweizer TV schaut, sie richten sich nach France aus. Ich kenne auch keinen Deutschschweizer der Romandie-TV schaut (die Deutschschweiz richtet sich nach Deutschland und Österreich aus). Dieser Pathos ist schlicht falsch.
Lagerfeuer sind vorbei.
R'bass meint
a propos: Ob an dem Liestaler Gerücht was dran ist, wonach Sie das PR-Mandat für Stückelbergers Seilbahnutopie übernommen haben? Mann, muss der verzweifelt sein vor seinem (gefühlt 10.) nationalen Anlauf.
Manfred Messmer meint
Ertappt! Habe sofort zugesagt, bei dem Budget, über das man verfügen kann. Wird spannend. (Ironie off)
U. Haller meint
Das ist doch keine Utopie, lieber R´bass, denn „Die FDP kämpft für optimale Rahmenbedingungen für alle Unternehmen“ (O-Ton). Zuerst kommt das Gewerbe, das sich am meisten über die Staus ärgert, an die Reihe. Das wird ein Gaudi, wenn in Aesch bigott Presslufthämmer, Kompressoren, Farbkübel, Bananenschachteln, Paletten und dgl. in die Seilbahn verladen werden und die betagten Ausflügler, die sich auf der Fluh ein Schöppli genehmigen möchten, warten müssen.