
US-Helikopter im Tiefflug über Caracas. Bomben fallen. In den Strassen wird geschossen.
Live auf X.
Die Bilder erinnern an die ersten Tage des Ukraine-Kriegs. Nur diesmal nicht Russland, sondern die USA.
Der Sozialist Maduro soll gestürzt werden. Man muss diesen Mann nicht relativieren. Sein Regime ist autoritär, korrupt, brutal.
Aber so offen haben die USA seit Jahrzehnten kein Regime mehr gestürzt. Keine Stellvertreter, keine «grünen Männer», keine diplomatische Maskerade.
Militärische Macht, sichtbar, direkt, demonstrativ.
Wegen Öl – der politische Running Gag des letzten Jahrhunderts.
Bleibt die unbequeme Frage: War das abgesprochen mit Putin?
In einer Welt der Transaktionen, nicht der Werte – Nichts ist unmöglich (Toyota).
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In New York hat ein Sozialist das Bürgermeisteramt übernommen. Er bezeichnet sich so, weil er der sozialistischen Partei angehört, die sich aus Wahlkampfgründen den Demokraten angeschlossen hat.
Ein Sozialist also.
Erste Amtshandlung: Statt mit der Bürgermeister-Limousine fährt er mit der U-Bahn zur Arbeit.
Zweite Amtshandlung: Er besucht Mieter und lässt sich heruntergewirtschaftete Wohnungen zeigen.
Symbolpolitik? Vielleicht. Populismus? Möglich.
Aber gemessen an der Logik, mit der Washington Regime definiert und bekämpft, stellt sich eine ernst gemeinte Frage:
Wann schickt Trump – der Maduro-Logik folgend – Truppen nach New York?
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Im Iran herrscht Aufruhr. Das Regime soll gestürzt werden. Der Sohn des Schahs steht ante portas.
Wer die jüngere Geschichte Irans kennt – Pahlavi, russisch-britische Okkupation, Mossadegh, CIA, SAVAK, Chomeini –, wünscht sich diesmal einen besseren Ausgang.
Wir sind 2015 fast vier Wochen durch den Iran gereist. Ein faszinierendes Land, mit jahrtausendealter Geschichte. Und mit Menschen, die Besseres verdient hätten.
Dass das Mullah-Regime tatsächlich gestürzt werden kann, erscheint derzeit zweifelhaft. Die paramilitärische Revolutionsgarde der Pasdaran kontrolliert weite Teile der iranischen Wirtschaft.
Zu viele Menschen hätten zu viel zu verlieren.
Wahrscheinlicher ist deshalb ein Machtwechsel innerhalb des Systems: Die Pasdaran ersetzen die Mullahs – nicht durch Freiheit, sondern durch eine Militärdiktatur.
Dass der Ruf «Schah-in-Schah» eine Renaissance erlebt, ist weniger Ausdruck monarchistischer Sehnsucht als ein Symptom tiefer Verzweiflung.
Daniel Flury meint
Sieht man die neuesten Fotos von Nicolás Maduro, dann muss der arme Kerl in seinen Over-Ear-Kopfhörern ununterbrochen Mahalia-Jackson-Gospel erdulden.
Das ist Folter.
Aber immer noch besser, als tagelang mit Ozzy-Osbourne beschallt zu werden, wie der bedauernswerte Manuel Noriega.
Die USA hat kein Erbarmen mit ihren Feinden.