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Leben im Abo

14. Januar 2026 By Manfred Messmer

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Eigentlich sind die Folgen der Black-Mirror-Serie (Netflix) oft hart an der Grenze des Erträglichen. Gezeigt wird jeweils eine Zukunft, die – anders als in vielen anderen Science-Fiction- oder Dystopie-Formaten – nicht fern oder spekulativ wirkt, sondern beunruhigend nah an der Wirklichkeit kratzt.

Und genau deshalb erschrecken diese Geschichten.

So etwa vor Jahren, als eine Folge ein umfassendes Sozialpunkte-System zeigte – Likes als Währung des sozialen Status, mit denen Menschen aufsteigen oder sozial vernichtet werden konnten. Damals hatte das reale Sozialkreditsystem in China bei uns noch kaum Aufmerksamkeit erlangt. Heute wirkt die Episode fast dokumentarisch.

„Common People“ ist wieder eine solche Folge. Ihr Plot ist derart plausibel angelegt, dass man unwillkürlich denkt: Das ist nicht Science-Fiction, das ist eine Produkte-Roadmap.

Im Zentrum stehen Gehirnimplantate für Menschen mit schweren Behinderungen – nach Unfällen oder, wie in der Serie, infolge eines Hirntumors. Dem Ehemann wird ein neuartiger Service angeboten, der seine Frau „zurück ins Leben“ holen soll.

Er schliesst eine Daten-Lizenz im Abo ab.

Der Dienst speichert neuronale Muster, simuliert Bewusstsein und verspricht fortgesetzte Interaktion. Doch der Konzern kontrolliert, wann und wie die Frau „ansprechbar“ ist – und spielt regelmässig Updates ein.

Diese Updates haben ihren Preis. Im wörtlichen Sinn.

Als die ursprüngliche Gratisversion nur noch mit Werbung funktioniert, beginnt Amanda, unvermittelt Werbebotschaften zu verbreiten. Sie ist noch da – aber sie spricht nicht mehr ganz aus sich selbst.

Abhilfe schafft das Bezahlmodell. Doch der Abopreis steigt so stark, dass es schliesslich unerschwinglich wird, Amanda weiter „am Leben“ zu halten.

Die Pointe ist brutal einfach: Nicht die Technik tötet den Menschen, sondern das Geschäftsmodell. Gestorben wird nicht am Hirntumor, sondern am Monatsabo.

In dieser Zukunft, die längst Gegenwart ist, ist Leben keine medizinische, sondern eine ökonomische Frage.

Kategorie: Einsichten Stichworte: Einsichten, Netflix

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Daniel Flury meint

    14. Januar 2026 um 22:38

    Noch besser: Wenn der Anbieter pleite geht, dann hilft auch das teuerste Abo nichts mehr.

    Aber wer für Sitzheizungen im Auto Abo-Gebühren abdrückt, der ist auch zu Abos für Abo-Gebühren zu haben.

    Natürlich nur, wenn vor der Sitzheizung die Werbung auf dem zentralen Display durchgelaufen ist, und man nachher die Eckdaten der Werbung auf dem Display bestätigt hat.

    Das Spiesser-Leben ist kompliziert geworden.

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