
“I believe one should take the American president seriously when he says that he wants Greenland. But I will also make it clear that if the US chooses to attack another NATO country militarily, then everything stops, including NATO and thus the security that has been established since the end of the Second World War.”
Mette Frederiksen, Premierministerin Dänemarks
Das ist keine Wortmeldung. Es ist eine Grenzziehung.
Die dänische Premierministerin nimmt Donald Trump beim Wort – und zieht die Konsequenz. Nicht rhetorisch, nicht moralisch, sondern vertraglich: Ein militärischer Angriff der USA auf einen NATO-Staat würde das Bündnis beenden.
Das ist neu.
Europa hat lange auf Ironie, Ablenkung oder Hoffnung gesetzt. Diese Phase ist vorbei. Es wird nicht mehr beschwichtigt, bezweifelt oder appeased. Die Aussage ist eine klare Ansage: Falls die USA einen NATO-Staat militärisch angreifen, ist die NATO Geschichte.
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After several years of testing, 2026 is shaping up to be the year in which AI evolves from a mere tool to a true partner, fundamentally changing the way we work, create, and solve problems. Microsoft
Zwischen den beiden Aussagen von Frederiksen und Microsoft liegt der gegenwärtige Zustand der Weltlage.
Politische Ordnung wird brüchig, strategische Gewissheiten lösen sich auf, Allianzen werden neu vermessen. Gleichzeitig verschiebt sich die Art, wie Wirklichkeit wahrgenommen und beurteilt wird.
Entscheidungen fallen unter Zeitdruck, Orientierung entsteht nicht mehr aus Erklärung, sondern aus Abgleich.
Was wir derzeit erleben, ist mehr als eine Häufung von Krisen. Es sind zwei Umbrüche in einem Zeitfenster. Als Boomer, der bereits mehrere historische Phasen erlebt und teilweise mitgestaltet hat, erscheint mir dies als die fundamentalste Veränderung.
Gleichzeitig vollziehen sich
- der Rückbau der geopolitischen Nachkriegsordnung,
- und der Umbau der kognitiven Infrastruktur durch KI.
Beides wirkt nicht nebeneinander, sondern verstärkt sich gegenseitig. Geopolitik wird roh, sichtbar, entmoralisiert. Gleichzeitig wird Denken schneller, vergleichender und folgt nicht mehr festen Ursache-Wirkungs-Ketten.
Ein solcher Umbruch ist ein seltener historischer Moment.
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Am ehesten lässt sich die Gegenwart mit der Epoche des Dreissigjährigen Kriegs und der Erfindung des Buchdrucks vergleichen: Einerseits der Zerfall der mittelalterlich-religiösen Ordnung, andererseits eine Explosion von Texten – Pamphleten, Bibeln, Flugschriften – einhergehend mit Autoritätsverlust, Meinungspluralisierung und Radikalisierung.
Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied.
Während der Buchdruck Generationen brauchte, um Gesellschaften zu verändern, geschieht dies bei der KI im Wochenrhythmus.
Die Beschleunigung ist das historisch Neue; die Anpassungszeit schrumpft.
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These: Die geopolitische Erosion der bekannten Ordnung und die Denkrevolution durch KI sind kein Zufall, sondern funktional gekoppelt.
Die Zeit, in der Ordnung durch langsames Denken stabilisiert oder gar definiert werden konnte, ist vorbei. Eine brüchige Ordnung erzwingt neue Denkweisen – und umgekehrt führen neue Denkweisen zur Disruption bestehender Ordnung.
Das Medium verändert nicht die Meinung, sondern die Wahrnehmung.
Marshall McLuhan
Wer sich angesichts dieses Tempos überfordert fühlt, sollte nicht in Resignation verfallen. Was hilft, ist nüchterne Erkenntnis: Wir erleben einen doppelten Umbruch – geopolitisch und kognitiv. Das fällt nicht zufällig zusammen.
Macht wird wieder sichtbar.
Denken wird wieder beweglich.
Europa tastet.
Amerika testet.
Ordnung wird zur offenen Frage.
Doch der Einzelne hat die Möglichkeit, diese Prozesse nicht nur zu erdulden, sondern zu verstehen. Diese Möglichkeit entsteht, weil sich der Zugang zum Denken selbst verändert hat.
Entscheidend ist die Fähigkeit, Komplexität auszuhalten.
Keller P. meint
Sie werden immer weiser, Herr Messmer. Dabei hat der Freisinn soeben Ihren Rat beherzigt, und Stückelberger macht dem anderen den Sitz frei. Natürlich könnte es auch sein, dass der als Landrat nicht unter einem Regierungsrat Eigenmann dienen wollte, der ganz ohne eitles Getue politkarrieremässig clever an ihm vorbeigezogen ist.
Daniel Flury meint
Man hat ja heute in Crans gesehen, welche Schläfer wir hier in Europa zu Honoratioren hochgezogen haben.
Das Denken wird nicht präziser, sondern es kehrt endlich wieder zurück.
Roggenbass meint
Es wird langsam Zeit, sich auf dieser Plattform zwischendurch mit der wirklich weltbewegenden Politik zu befassen: Nun schicken die hiesigen Gewerbler eine Kryptofreisinnige als Nachfolgerin von Frau Blingbling ins Rennen, die verspricht, ‚Intuition und Spiritualität‘ zu integrieren und sich selbst als ‚Suchende‘ auf allen Ebenen bezeichnet. Nun wird es also auch in Ihrem Arlese immer härter. Absurdes Theater allenthalben.
Manfred Messmer meint
Warum sollte ich das tun?
„Den Freisinn in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“ Frei nach Walter Ulbricht.