
Das Problem der Europäer mit Grönland: Sie haben keine Vorstellung davon, was Grönland sein soll.
Die USA hingegen sehr wohl.
Für die Vereinigten Staaten – und nicht nur für Trump, der hier lediglich als Lautsprecher fungiert – ist Grönland im Zeitalter des Klimawandels ein klar definierter Zukunftsraum: militärische Drehscheibe, Rohstoffreserve, arktischer Korridor, geopolitischer Vorposten.
Daraus folgt eine ebenso klare Logik: investieren, kontrollieren, absichern.
Wer keine Vision hat, kann keine Prioritäten setzen. Wer keine Prioritäten setzt, verliert Gestaltungsmacht. Und wer keine Gestaltungsmacht hat, wird zum Objekt fremder Begehren.
So einfach ist die neue Weltordnung gestrickt.
Nuuk -2 C; Arosa: -11 C
Daniel Flury meint
Gerade die Europäer (mit ihren Riesen-Rucksack an Kolonialgeschichte) sollten diese Art Machtpolitik antizipieren können müssen.
Aber man schläft lieber den Schlaf der Gerechten und fühlt sich moralisch überlegen.
Was Achtzig Jahre Friedensdividende auf Kosten anderer anrichten können? Wir sind gerade Zeugen davon.
Manfred Messmer meint
„Gerade die Europäer (mit ihren Riesen-Rucksack an Kolonialgeschichte) sollten diese Art Machtpolitik antizipieren können müssen.“
Genau das ist der Punkt!
Europa verwaltet, wo es gestalten müsste. Doch Gestaltung, die mit Besitzanspruch einhergeht, gilt als verdächtig, weil sie historisch mit Schuld, Kolonialismus und Machtmissbrauch verknüpft ist. Das Ergebnis ist nicht moralische Überlegenheit, sondern strategische Lähmung.
Meine Hoffnung: Eine steile Lernkurve.
gotte meint
fast einverstanden. es sollte aber heissen: „Besitzanspruch, der mit Gestaltung einhergeht…“ – zuerst geht es ums haben, dann ums gestalten. und mit ein bisschen distanz, und ehrlich unter uns: warum sollte man jetzt das, was historisch eben mit „Schuld, Kolonialismus und Machtmissbrauch verknüpft ist“, wieder erneut wollen? (man könnte die triade noch ergänzen mit „genozid, mord, ausbeutung“). es ist verlockend, jetzt dem narrativ aufzusitzen, dass wir in europa halt „woke“ wurden, weil wir verlernt hätten, das feuer am herd auszuhalten. man könnte sich auch fragen, ob es nicht den einen oder andern grund dafür gegeben hat, dass sich europa für etwas anderes als die blutte machtpolitik eingesetzt hat (und nein, diese frage ist nicht nur naiv: es gab nicht nur schmit, es gab auch kelsen).
Manfred Messmer meint
Wenn deine beiden Nachbarn aus einer Laune heraus plötzlich aggressiv übergriffig werden und sie nicht verstehen, wenn man auch noch die linke Backe hinhält, dann muss man sich wehren.
Und ja, das geht einher mit der schmerzhaften Zerstörung der Illusion vom ewigen Frieden.
Unsere Periode des Augustus ist vorbei. Die Vandalen haben sich aufgemacht, Europa in die Knie zu zwingen.
Das können wir nicht hinnehmen. Ich sage bewusst „wir“, weil die Schweiz mittendrin ist.