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Die grösste Angst der Schweizer: nicht mehr dazuzugehören

22. Januar 2026 By Manfred Messmer

IMGDonald Trump beleidigt Karin Keller-Sutter – und dazu noch das Land vor aller Welt. Und was sagt der Bundespräsident? „Ich werde die Rede nicht kommentieren.“

Einfach, um festzuhalten, was Trump sagte:

1. „She begged.“
→ Die Schweiz erscheint als Bittstellerin, nicht als Verhandlungspartner.
2. „Switzerland is nothing without the US.“
→ Die Schweiz wird auf Abhängigkeit reduziert, nicht auf Eigenwert.
3. „She is tough – but you are weak.“
→ Respekt für die Person, Verachtung für das System.

Das ist ungeheuerlich. Wer so etwas mit Schweigen hinnimmt, lädt zur nächsten Demütigung ein.

Nächste Szene: Karin Keller-Sutter im Migros-Restaurant, begleitet von Blick-Reportern. „Ich habe Pommes frites einfach gern.“

Pommes im Migros-Restaurant, eine Inszenierung, als Antwort auf eine öffentliche Demütigung durch den mächtigsten Mann der Welt?

Selbstverständlich findet die Nation das gut. Ach, wie bodenständig sie doch ist, unsere Bundesrätin – halt eine von uns.

Und sie liegt damit völlig richtig. Schweizer können vieles, aber Widerspruch und Kontroverse liegen nicht in ihrer politischen DNA.

Die Schweiz hat keine Streitkultur.

Doch Trump – und die neue Weltordnung – suchen nicht den Konsens. Sie verlangen Resonanz.

Staaten, die nicht fähig sind zu widersprechen, werden nicht geschont – sie werden getestet. Das eigentliche Problem ist nicht Trump, sondern dass in der Schweiz niemand die Kunst des Widerspruchs beherrscht, wenn tatsächlich etwas auf dem Spiel steht.

Denn die Schweiz widerspricht nur dort, wo es nichts kostet.

Deshalb ist es bezeichnend, dass sich der schweizerische Widerspruch fast ausschliesslich gegen die EU richtet – also gegen den einzigen Akteur, bei dem Widerspruch folgenlos bleibt.

Woraus folgt: Die Schweiz hat nicht geschwiegen, weil sie klug war. Sie hat geschwiegen, weil sie den Preis des Widerspruchs fürchtet.

Denn wer widerspricht, wird ausgegrenzt, bestraft, gehört nicht mehr dazu. Und das ist die grösste Angst der Schweizer: nicht mehr dazuzugehören.

Kategorie: schweiz-politik, usa-politik Stichworte: Keller-Sutter, Trump, WEF

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Daniel Flury meint

    22. Januar 2026 um 18:58

    «Duck & Cover».

    Das wurde den Amerikanern seinerzeit für einen sowjetischen Atomschlag empfohlen.

    Die Schweiz hätte sich den Slogan damals als Markenzeichen eintragen lassen sollen. Denn, wer hats erfunden?

    Wir.

  2. Walter Basler meint

    22. Januar 2026 um 17:01

    Sich auf die Trump’sche Logorrhoe einzulassen, würde ich jetzt nicht unbedingt als Ausdruck von Streitkultur bezeichnen.

  3. P.K. meint

    22. Januar 2026 um 16:12

    Guter Kommentar, Herr Messmer. Wer in Davos Zivilcourage erkennen will, wird beim Chef von Kanada oder soeben bei Selensky fündig – sicher nicht hierzulande. Dennoch frage ich mich, ob man sich vom kranken Mann vom Potomac überhaupt beleidigen lassen kann. Denn bei erheblich eingeschränkter Zurechnungsfähigkeit kann der Vorsatz zum Beleidigen fehlen.

  4. unterbaselbieter meint

    22. Januar 2026 um 15:28

    Wie sehe die Welt heute aus wäre Harris am Ruder?
    Besser oder schlechter. Eine Antwort kann ich nicht finden.
    Aber durchaus: Es müsste nicht unbedingt „b e s s e r“ sein….

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