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Antwort an Isaac Reber: Es geht nicht um Geld, sondern um die spezielle Art, wie im Baselbiet entschieden wird

10. Januar 2026 By Manfred Messmer

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Geschätzter manfred messmer, betreffend des verwaltungsneubaus in liestal würde ich gerne empfehlen, anstelle der baz den bericht der bau- & planungskommission zu lesen (online bl.ch), da beantworten sich die allermeisten der an sich berechtigten fragen. und falls nicht, stehe ich gerne zur verfügung, bei den gesamtkosten (auch dank mehr planung) und der wirtschaftlichkeit des vorhabens sind wir nämlich viel besser auf kurs.
Isaac Reber, Regierungsrat, Vorsteher Bau- und Umwweltschutzdirektion

Sehr geehrter Herr Regierungsrat, geschätzter Isaac Reber

Ihr Leserkommentar heute liefert ein ideales Beispiel dafür, wie Konfliktvermeidung politische Diskussionen verdrängt. Er verschiebt die Kritik von der Sachebene zur Quelle (BaZ), verlagert die Diskussion auf ein offizielles Dokument (Bericht der Bau- und Planungskommission) und schliesst mit einer unbelegten Erfolgsbehauptung

Gerade deshalb lohnt sich der Blick in den Bericht selbst, den ich inzwischen gelesen habe.

Formal wird der Bericht der Bau- und Planungskommission als Kostenanpassung präsentiert. Tatsächlich dokumentiert er ein Steuerungsversagen in der Frühphase staatlichen Handelns. Die zentrale Aussage lautet sinngemäss: Die Projektierungskosten wurden unterschätzt, weil wesentliche Anforderungen nicht berücksichtigt waren.

Das ist politisch brisant.

Denn damit ist klar: Nicht externe Schocks sind der Haupttreiber, sondern interne Blindstellen. Nachhaltigkeit, Holzbau, moderne Arbeitswelten, Arealbezug, BIM – all das sind keine neuen Themen. Sie sind seit Jahren politisch gewollt und strategisch deklariert.

Der Kanton wurde hier nicht von der Realität überrascht, sondern von den eigenen Zielen.

Im Kanton Basel-Landschaft ist das kein Zufall, sondern ein Muster. Der Bericht legt denn auch den zentralen Fehler offen: Ziele werden deklariert, ohne sie zu operationalisieren.

Daraus lässt sich ein immer gleiches Muster ablesen:

1. Politische Ambition
2. Formale Bewilligung mit scheinbarer Kostensicherheit
3. Nachträgliche Präzisierung dessen, was man eigentlich wollte
4. Kostenkorrektur mit Verweis auf Komplexität

Die Ambition („Leuchtturm“) ist nicht das Problem; problematisch ist, dass sie erst nach dem Entscheid ernst genommen wurde. Hinzu kommt eine rhetorische Verschiebung: Aus Fehlern werden „Ohnehin‑Kosten“. Das entlastet politisch, indem Verantwortung von konkreten Entscheidungen auf abstrakte Komplexität verlagert wird.

Das politische Signal lautet: Wer ambitioniert ist, darf ungenau planen – korrigiert wird später. Damit werden zwei Grundprinzipien demokratischer Haushaltsführung unterlaufen: Transparenz zum Zeitpunkt der Entscheidung und Vergleichbarkeit von Alternativen.

Wenn sich Projektierungskosten mehr als verdoppeln, ist das kein Detail, sondern ein klarer Hinweis auf ein strukturelles Problem. Im Baselbiet bleibt das folgenlos: Die Bewilligungslogik bleibt unverändert, eine erneute politische Legitimation ist nicht vorgesehen.

Das erinnert nicht nur an frühere Fälle – es ist das bekannte Herzstück-Muster.

Damit bin ich bei meiner Kernthese: Gerade im Baselbiet wird die traditionell enge Verflechtung von Politik, Verwaltung und Fachstellen zu einem strukturellen Risiko. Man kennt sich, man meint es gut, man will das Richtige. Doch genau diese Nähe führt dazu, dass Warnsignale übersehen, Kosten relativiert und einmal getroffene Entscheide einfach fortgeschrieben werden, statt sie neu vorzulegen.

Fazit: Wenn dieses Vorgehen als normal akzeptiert wird, entsteht ein Präzedenzfall: Projekte werden mit unvollständigen Parametern bewilligt, später korrigiert, und die Korrektur wird zur Qualität erklärt

Das ist keine Polemik, sondern die Frage nach der politischen Verantwortung. Es geht nicht um Geld, sondern um die spezielle Art, wie im Baselbiet entschieden wird.

PS: : Privat sind wir per Du; dem Amt gebührt das Sie.

Kategorie: baselland-politik Stichworte: Isaac Reber

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. isaac reber meint

    13. Januar 2026 um 15:38

    geschätzter Manfred Messmer, obenstehenden Ball nehme ich gerne auf, stehe zu und hinter unseren Projekten und bin gerne zu einem Austausch bereit, melde mich. Nur noch so viel: am Anfang steht eine Schätzung, mit grosser Streubreite, und Teuerung gibt es in diesem Jahrzehnt auch wieder. Gesamtkosten des Projekts bleiben (im Unterschied zu den Planungskosten) so gesehen durchaus im Rahmen, und dass wir laufende Entwicklungen aufnehmen, wenn sie relevant sind (Arbeiten vor/nach 2020, PP & Spital, Masterplan Liestal/Rheinstrasse), ist ebenfalls richtig. Und dann möchte ich auch noch darauf verweisen, dass wir in den vergangenen Jahren diverse Hochbauprojekte im Kanton Baselland abgerechnet haben, auch grosse (FHNW) – und dies im angesagten Rahmen.

  2. P.Kell. meint

    10. Januar 2026 um 19:27

    Ein bemerkenswerter Austausch zwischen zwei klugen Köpfen bahnt sich da an. Muss ja nicht länger öffentlich sein. Herrn Rebers Offenheit verdient Anerkennung. Setzen Sie sich doch mal zusammen – aber bitte nicht im Arlesheimer Ochsen (Sie wissen, warum). Auf dieser Ebene erreichen Sie mehr, als wenn Sie die Weltgeschichte aus Ihrer belesenen Distanz referieren (mitunter ist er übrigens auch etwas arg überklug, Ihr neuer digitaler Mistreiter). So schön das jeweils auch klingt, so folgenlos bleibt es.

    • Manfred Messmer meint

      10. Januar 2026 um 21:28

      Ich gehöre nicht dazu. Ich bin kein Mitbewohner mehr im Biotop.

      • R'bass meint

        11. Januar 2026 um 9:51

        Verständlich, dennoch schade. Entrichten Sie Ihre Steuern inzwischen in Ihrem Bergbiotop, Herr Walden? Herrn Reber ist übrigens zugutezuhalten, dass er im Unterschied zu seinem neuen Setzwerk-Kollegen über städtebaulichen Geschmack verfügt.

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