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Anders als Europa hat Trump keine Optionen

15. Januar 2026 By Manfred Messmer

IMGOkay, die Lage ist eindeutig: Donald Trump will Grönland übernehmen. Seit gestern bestehen daran keine ernsthaften Zweifel mehr.

In diesem Sinne war das Treffen zwischen der hochrangigen dänisch-grönländischen Delegation und der amerikanischen Seite erfolgreich.

Es markiert das Ende europäischer Illusionen.

Ab jetzt gilt: Interessen müssen durchgesetzt werden. Stillschweigend akzeptierte Prämissen haben keine bindende Kraft mehr.

Folgt man der gängigen Erzählung – die USA stark, Europa schwach –, scheint klar, wer den Kampf um Grönland gewinnt.

Doch so einfach ist die Lage nicht.

Denn auf der einen Seite stehen nicht „die USA“, sondern Donald Trump. Auf der anderen Seite stehen nicht Dänemark oder Grönland allein, sondern Europa als Ordnungssystem, das sich einem offen imperialen Zugriff widersetzt – auch durch militärische Präsenz.

Hinzu kommt ein struktureller Unterschied, den viele unterschätzen: Europa verfügt mit seinem regelbasierten Ordnungsprimat über mehr Handlungsoptionen als Trump – nicht weil es schneller oder geschlossener wäre, sondern weil seine Macht nicht auf sofortige Eskalation angewiesen ist.

Trump hat im Kern nur zwei Optionen: durchziehen oder verlieren. Und das sofort. Mit Grönland hat er sich selbst in eine strategische Sackgasse manövriert, in der Zeit kein Verbündeter ist.

Beide Varianten haben absehbar verheerende Folgen für die USA als führende Militärmacht der Welt – politisch, strategisch und normativ.

Eine dritte Option – Gesichtsverlust ohne Glaubwürdigkeitsverlust – existiert in der Trump’schen Machtlogik nicht.

Es geht deshalb nicht um eine Insel. Es geht um Werte. Um europäische Werte.

Europa befindet sich ab heute in einem Zweifrontenkrieg mit identischer Zielsetzung auf beiden Seiten: Sowohl Donald Trump als auch Wladimir Putin zielen auf die Zerstörung der europäischen Ordnung – einschliesslich der Schweiz –, nicht zwingend militärisch, aber systemisch.

Dazu passt die jüngste Aussage des amerikanischen Präsidenten. Auf die Frage, wer schuld daran sei, dass es in der Ukraine noch kein Übereinkommen gebe, antwortete Trump: „Selenskyj“.

Das ist kein Versprecher. Es ist eine Standortbestimmung.

Kategorie: internationale-politik, usa-politik Stichworte: EU, Grönland, Trump

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Daniel Flury meint

    15. Januar 2026 um 23:37

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dr._Seltsam_oder:_Wie_ich_lernte,_die_Bombe_zu_lieben

    Nichts neues unter der Sonne. War alles schon mal da.

    Wobei: Der Dr. Trump sich nachträglich wohl zum Drehbuchautor eintragen lässt.

  2. Christian Dreyer meint

    15. Januar 2026 um 19:31

    Ein nicht zu unterschätzendes Problem für das Regime dürfte auch das US Militär sein, das sich explizit illegalen Befehlen widersetzen muss. Im Fall von Maduro war die Entführung “nur” völkerrechtlich illegal, während ein Angriff auf das Territorium eines Nato-Mitgliedes durch ein Nato-Mitglied offensichtlich gegen den für die USA bindenden Vertrag verstösst.

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