
Es gibt da einen Satz im Baselbiet, der die Medien aller Gattungen zu faszinieren scheint:
Im Landkanton heisst es nämlich, dass die bisherige Ständerätin Maya Graf (Grüne) nach über zwanzig Jahren in Bundesbern zurücktritt.
(Benjamin Wirth, BaZ)
Weil dieser Satz so vielen gefällt, wird nun munter darüber spekuliert, wer denn die Nachfolge der Grünen-Ständerätin antreten könnte. Für die linke Seite scheinen die Meinungen bereits gemacht: SP-Nationalrätin Samira Marti.
Bei den Bürgerlichen drängt sich der Mitte-Politiker Pascal Ryf nach vorne – Anton Lauber sagte dazu kürzlich in einem Interview sinngemäss, man werde dies zunächst parteiintern diskutieren und dann weitersehen. Und dann ist da auch wieder Balz Stückelberger, der FDP-Politiker, dessen politische Karriere sich aus verfassungsrechtlichen Gründen ihrem Ende zuneigt.
Dabei wird ein ganz offensichtliches Faktum ausgeblendet: Maya Graf hat ihren Rücktritt bis heute weder angekündigt noch auch nur angedeutet.
Mit anderen Worten: Die gesamten Spekulationen über mögliche bürgerliche Ständeratskandidaten und die Fantasien von einer „Rückeroberung“ des Sitzes beruhen auf nichts anderem als auf einem Gerücht.
Nüchtern betrachtet gibt es keinen Grund, weshalb Maya Graf zurücktreten sollte.
Erstens: Man gibt sichere Machtpositionen nicht freiwillig auf.
Die Grünen sehen sich im Wahljahr 2027 einem asymmetrischen Risiko ausgesetzt:
- Nationalrat: Der Sitz von Florence Brenzikofer ist nicht sicher.
- Regierung: Der Sitz von Regierungsrat Isaac Reber ist für eine grüne Nachfolge alles andere als garantiert.
- Ständerat: Der Sitz von Maya Graf ist der mit Abstand sicherste grüne Machtposten im Kanton.
Weshalb also sollte Graf zurücktreten und das Risiko heraufbeschwören, dass die Grünen – ohnehin unter Druck – an politischer Bedeutung verlieren?
Zweitens – Ihr Alter (natürlich nur hinter vorgehaltener Hand). Meine Güte. 65 ist im Ständerat kein Abschiedsalter, sondern Standard. Viele Ständeräte beginnen ihre stärkste Phase erst jenseits der 60.
Wenn also die Grünen 2027 irgendwo ihre Position im Landkanton absichern müssen, dann im Ständerat. Genau deshalb ist ein Rücktritt von Maya Graf unwahrscheinlich.
Weshalb also diese frühen Spekulationen?
Weil im politischen Ökosystem des Baselbiets alle davon profitieren: bürgerliche Möchtegernkandidaten, Journalisten auf Narrativsuche, Parteien bei der Vorbereitung ihrer 27er-Strategien.
Die Pointe: Ryfs Kandidatur ist so gesehen tatsächlich die beste bürgerliche Option – nicht, weil sie realistische Siegchancen hätte, sondern weil sie politisch Sinn ergibt.
Anders als Stückelberger steht Ryf im Aufstieg. Auf dem Gipfel wartet – nach einer ehrenhaften Niederlage gegen Graf – ein anderer Posten: jener in der Regierung.
Wahrscheinliches Szenario: Anton Lauber tritt nochmals an, weil die Mitte diese Machtposition halten muss; der Nationalratssitz wackelt ohne die GLP beträchtlich. Tritt Lauber später zurück, rückt Ryf in einer Zwischenwahl nach.
Auf bürgerlicher Seite dürfte ihm dann kaum jemand den Sitz streitig machen.
Rampass meint
Den HR Gysin hat sie bereits überholt. Den Seiler könnte sie auch noch überholen. Den historischen Rekord dürfte sie nicht knacken.
Offen ist: was bringt’s für den Kanton?
GROK:
Der National- oder Ständerat aus Basel-Landschaft mit der längsten Amtszeit ist Gustav Adolf Seiler (FDP, früher DVV) mit 29 Jahren als Nationalrat (1914–1943).
Gemini:
Der historische Rekord.
Der Basler Nationalrat Karl Burckhardt-Iselin hielt lange Zeit einen der beeindruckendsten Rekorde: Er war von 1875 bis 1889 und erneut von 1890 bis 1917 im Parlament – insgesamt über 41 Jahre.
Roggenbass meint
Ganz nebenbei, habe mir eben den Internetauftritt dieses Ryf angeschaut. Wieder so ein mustergültiges Streberchen – brav geschniegelt, ganz wie ein kürzlich Gewählter. Die Fotos passen ins Bild: ICH und die Polit-Prominenz. Forstarbeiter? Streetworker? Fehlanzeige. Nicht einmal ein gezielt arrangiertes Alibi-Foto mit dem Volch. Nur der Jenzer fehlt beim Ryf.
Daniel Flury meint
Tschuldigung für die Korrektur: Aber es heisst nicht mehr Streetworker (da wüsste man ja, was man hat), sondern «Aufsuchende Sozialarbeit».
Das ist so weichgespült, wie die Auftritte unserer «Politiker», die es Wahlkampf nennen, wenn ein paar unterbezahlte Stundenlöhner (in Zukunft macht das wohl UBER) ihre auf Plastik aufgezogenen Porträts an jeder Strassenlaterne aufhängen (was für ein Bild).