
Im Baselbiet gibt es ein besonders hartnäckiges Prinzip der Finanzpolitik: Wer die Lage düster darstellt, darf sich später als Retter feiern.
Anton Lauber lebt diese Tradition mit bemerkenswerter Zähigkeit.
Statt Lösungen zu präsentieren, malt er lieber schwarz, um mittelgraue Zahlen im Landrat als Triumph zu verkaufen. Das ist weniger Cleverness als reines Politik‑Theater – und hat wenig mit echter Führung zu tun.
Heute ist im Landrat wieder Laubers Dezember-Showtime. Er gibt den souveränen Säckelmeister, der alles im Griff hat.
Die Realität spricht eine andere Sprache. Seine Bilanz nach all seinen Jahren:
- ein dreistelliger Millionenverlust bei der Kantonalbank,
- 300 Millionen «vergessene» Grundstücksgewinnsteuern,
- eine Investitionspolitik, die kommenden Generationen nicht Vermögen, sondern Löcher hinterlässt.
Das ist kein unvermeidliches Schicksal, sondern Ausdruck struktureller Verantwortungslosigkeit – professionell kaschiert, fachlich jedoch nicht haltbar. Kommt hinzu, dass seine Direktion heute personell und inhaltlich schwächer dasteht als zu Beginn seiner Amtszeit.
Die Fehlerliste der Finanzdirektion ist lang, und sie trägt seinen Namen.
Kommunikativ hingegen spielt Lauber in der obersten politischen Liga. Er versteht es, Mangel als Tugend und Stillstand als Stabilität zu verkaufen. In einem Kanton, dessen politisches Personal seit Jahren bedenklich bescheiden performt, reicht das für Applaus.
Abgesehen von Riebli und Koller scheint niemand zu merken, wie durchsichtig die Inszenierung ist.
Und die Finanzen?
Für 2025 wird voraussichtlich ein besseres Ergebnis erzielt als ursprünglich budgetiert – weil die Berechnungen erneut zu konservativ waren. Die einzige wirkliche Unbekannte bleibt die Ausschüttung der BLKB: Fällt sie, fällt die schöne Baselbieter Fassade gleich mit.
Das Interview gestern in der bz zeigt exemplarisch, wie weit Lauber seine Kunst inzwischen perfektioniert hat. Prognosefehler? «Basiseffekte». Pendenzen? «In Arbeit». Bundesmassnahmen? «Belastung». Radicant? «Wusste ich nicht». BLKB? «Noch zu früh». Initiativen? «Mal sehen». Steuereinnahmen? «Wachsen prächtig».
Der Rest wird weggelächelt.
Das sind keine Erklärungen, das ist rhetorischer Nebel im Sumpfgebiet – ein Finanzdirektor, der versucht, die Deutung zu steuern, weil ihm die Systeme entgleiten.
Deshalb geht es heute im Landrat weniger um Zahlen, als um Glaubwürdigkeit – Laubers knappstes Gut.
Denn sein eigentliches Problem ist nicht das Schwarzmalen, sondern das Nichtwissen.
Während er das Triple-A wie eine Monstranz vor sich herträgt, stammelt er zur Radicant-Pleite ein hilfloses «Ich kann dazu wirklich nicht mehr sagen». Genau in dem Moment, in dem SP, Grüne und sogar Bürgerliche wissen wollen, wer für das Debakel politisch Verantwortung trägt.
Die Kantonalbank versinkt im Untersuchungschaos. Der Bankrat wankt. Rücktritte häufen sich. Vorstösse verlangen «unverzügliche» Erneuerungen. Und der Finanzdirektor – oberster politischer Verantwortlicher – erklärt, warum jetzt bloss keine «Hauruckübung» stattfinden darf.
Eine Lame Duck in eigener Sache.
So bleibt es denn auch nach dieser Budgetsitzung bei der Baselbieter Routine. Bis 2027.
Dann endet hoffentlich nicht nur die Ära Lauber–Reber, sondern auch die grosse Baselbieter Selbsttäuschung: die Kunst, Schwarz zu malen, um Grau zu feiern.
Herrmann Elig meint
Man könnte noch anmerken dass RR Lauber auch der Informatik vorsteht und daher nebst Finanz- auch Digitaldirektor ist. Also: wäre.
Daniel Flury meint
Aber ein gewisses Verständnis muss man schon haben.
Wer sich durch die vielen Wahl- und Wiederwahlzyklen quälen muss um die volle Pension zu erreichen, der kommt seinem Ziel nur im Schneckentempo näher.
Und so kommuniziert man (durchaus aus dem Lebensgefühl heraus) dann selbstverständlich auch.
Würde man den Wegmacher, der seit Jahren im Winter Splitt schaufeln muss, zu seinen Pendenzen befragen, dann wäre die Antwort «in Arbeit».
Keller meint
Damit wird gezeigt, dass RR im Gegensatz zum Gemeindepräsidium ein völlig sicherer Hort ist. Wobei dort schon alles verziehen wird. Oder A:L hat sich einfach einen hervorragenden 1:1 gesichert, in Polen oder so.