Die CH-Mediengruppe veröffentlicht heute zwei Umfrageresultate zur sogenannten Halbierungsinitiative, die im März zur Abstimmung gelangt: eine angeblich geheime und eine öffentlich zugängliche.
Sowohl die Sotomo-Umfrage (im Auftrag von SRF, angeblich geheim) wie auch die öffentliche von Tamedia zeigen: Eine Mehrheit der Befragten – 52% rsp. 53 % – unterstützt derzeit die Halbierung der Gebühren auf 200 Franken.
Eine kürzlich von mir durchgeführte, streng repräsentative Befragung (Stichprobe: ich) ergab das gleiche Resultat. Die Halbierungsinitiative dürfte derzeit bei mir eine gute Chancen haben.
Das Problem liegt nicht beim Geld.
Ob 100 Franken mehr oder weniger im Jahr – das dürfte für die allermeisten keine Rolle spielen.
Das ausschlaggebende Beurteilungskriterium ist das Programm. Die Menschen, die noch SRF schauen, sind überwiegend 60+. Doch ich habe seit Jahren nicht mehr das Gefühl, überhaupt zu einer Zielgruppe dieses Senders zu gehören.
Bei keiner einzigen Sendung.
Landfrauen, Hüttengeschichten, Mona unterwegs, die Montagsspielshow, Einstein, und so weiter – alles in derselben wir-sind-doch-so-lieb-Tonlage.
Kultursendungen? Sekundarschulfernsehen. Sternstunde Philosophie? Intellektuell hochkompetente Irrelevanz.
10vor10 – lassen wir das.
SRF ist für mich, für uns, seit Jahren ein Durchzäpp-Kanal.
(Falls jetzt jemand vermutet, ich sei doch ein heimlicher Allesgucker: Durchzäppen heisst, man schaut drei, vier Minuten hinein, hat den Inhalt erfasst und weiss: Das hatten wir schon. Da kommt nicht mehr.)
SRF, Kanal 11 auf der Fernbedienung, ist ein Durchzäpp-Kanal nicht wegen der über 60 Kabelsender, die ich empfangen kann. Nicht, weil sich in den Mediatheken von ZDF, ARD und Arte immer wieder Perlen finden lassen.
Nicht einmal, weil Nuhr im Ersten das liefert, was Büsser am Sonntag gar nicht erst versucht – und ich Letzteren ohnehin nur über die Montagskritiken in den CH-Medien am Rand mitbekomme.
Lineares Fernsehen ist überholt, weil ich mit Pay-TV genau das auswähle, was ich sehen will – vor allem Serien. Natürlich gibt es auch dort viel Schrott, und vieles richtet sich nicht an mich.
Und man muss dafür bezahlen.
Aber in der Summe ergibt das die Unterhaltung, die ich nach einem Tag mit Lesen, Schreiben, Kochen und so weiter sehen möchte.
Ein Sender, der für alle senden will, ist am Ende für niemanden mehr relevant.
War da noch etwas?
Ah ja, die Radioprogramme. Bei uns läuft den ganzen Tag Musik im Hintergrund – eigene Playlists, algorithmische Sender, Apple Music.
Erst recht im Auto.
SRF Radio hat uns vor Jahren als Hörer verloren. Ich kann dazu schlicht nichts mehr sagen. Wenn jemand meint: Die haben aber viele interessante Sendungen – meine Antwort lautet: Ah ja?
Bleiben noch die Mantras von Unabhängigkeit, Fakenews-Bekämpfung und nationalem Zusammenhalt. Als könnte man mit Glaubenssätzen verdecken, was jeder sieht: Das Problem liegt nicht beim Publikum.
Würden Sie - Stand heute - der Halbierungsinitiative zustimmen?
- Ja (57%, 24 Votes)
- Nein (43%, 18 Votes)
Total Voters: 42
Daniel Flury meint
Aber nach der Annahme der Halbierungsinitiative ändert sich doch nicht viel:
Dreieinhalb Landfrauen kochen Schweinsragout mit Kohl, Fünfzig statt hundert Kandidat“Innen raten Banales (und scheitern), und in den Altersheimen kommt das Bäuerchen nicht zu Besuch, sondern neu fünf (statt zehn) Minuten nach dem Essen.
Und übrigens: Niemand spricht von der SERAFE, die danach fünfzig Prozent ihrer Belegschaft eine neue Perspektive in einem staatsnahen Betrieb vermitteln muss. Das sind Herausforderungen.
unterbaselbieter meint
Ich mag die SRG nicht. Aus uferlos vielen Gründen.
Schön zu sehen, das bei der MM-Abstimmung das JA für die Initiative „200 Fr. SRG-SRF-Medien-Zwangs-Gebühr sind (mehr) als genug“ dominiert.
Das sagt viel. Wenn auch in solchen Kreisen ein JA dominiert. Danke für diese aufstellende Umfrage (viel öfters machen, nicht nur Einweg-Kommunikation, sondern das „Publikum“ einbeziehen ist eh „in“ überall….)
Keller P. meint
Das können Sie besser, Herr Messmer. Differenzierter, klüger, überraschender. Das war eben zu sehr Stammtisch. Ebnat-Kappel Toni-Level. Gehen Sie ruhig doch nochmals über die Bücher. Vorher lohnt es sich nicht, dass wir hier unseren Senf dazugeben. Das heisst aber nicht, dass ich dieses Gschpürschmi-Zeugs und den aufgeblähten Apparat gutheisse.
M.M. meint
Man muss nicht jeden Tag den Hochofen anschmeissen.
Keller meint
geht in Ordnung, man(n) darf auch mal volksdümmlich sein: Sie fordern uns sonst ja eh schon genug.
Arlesheimreloadedfan meint
Wenn der Toni Brunner so wie M. M. argumentieren könnte,sähe die Schweiz anders aus.
Es ist definitiv zu einfach M. Ms. Darlegungen als Ebnat-Kappeleien abzutun.
Vielleicht wird diese Initiative noch abgelehnt, aber irgendwann fällt diese Herdsteuer aus römischen Zeiten.
Ernst Laur und Benito Mussolini sind nämlich Tod.
P.Keller meint
Nun sehen Sie, lieber Herr Messmer, welche unbedarften Geister aus jener billigen Flasche strömen, die Sie uns gestern auf den Tisch gestellt haben. Für diese Klientel sind sogar die privaten Sender noch zu anspruchsvoll – obwohl uns dort nur Schrott begegnet. Nebenbei: Wer füllt eigentlich die Mediatheken mit jenen Beiträgen, die selbst für Sie akzeptabel sind? Etwa die Privatsender?
M.M. meint
Ich sehe das Heil gewiss nicht bei den Privaten. SRF hat ein viel tiefersitzenderes Problem als meine geänderten Sehgewohnheiten, über das bislang noch gar nicht geredet wurde.
Noch heute auf diesem Sender.