
Es gehört zu den ältesten Fragen des Menschen: „Wie hat das eigentlich angefangen?“ Auch bei der KI stellt man sie – meist mit dem Verweis auf die fünfziger Jahre, als der Begriff „Artificial Intelligence“ erstmals wissenschaftlich auftauchte.
Meine Timeline hat mir eben einen Bericht der BBC zugespielt: Ein Pariser Gericht stoppt den Export einer unscheinbaren Rechenmaschine aus dem Jahr 1642 – die Pascaline. Es handelt sich um die erste mechanisch Rechenmaschine überhaupt.
Man könnte das in die Rubrik „wertvolle Antiquität“ einordnen. Christies hatte das Gerät für mehrere Millionen zur Versteigerung ausgeschrieben. Doch beim Lesen kam mir etwas ganz anderes in den Sinn.
Pascal baute die Maschine, um seinem Vater das Rechnen abzunehmen. Die Maschine rechnet, damit der Mensch es nicht mehr tun muss.
Was banal praktisch scheint, hat jedoch eine Art Urknalleffekt: Zum ersten Mal verschiebt sich die Grenze zwischen geistiger Fähigkeit und mechanischer Funktion. Der Mensch entdeckt, dass sein Denken nicht etwas besonderes ist, sondern zerlegbar in Operationen, die ein Mechanismus präzise und fehlerlos ausführen kann.
Ohne zu ermüden.
Vor dem Hintergrund der Ausgangsfrage, markiert die Pascaline, scheint mir, einen epochalen Wendepunkt: Sie ist die erste technische Verlagerung geistiger Arbeit in eine Maschine.
Von diesem Augenblick an ist der Weg vorgezeichnet: von der Kurbel zur Hollerith-Lochkarte, vom Transistor zum neuronalen Netz, vom neuronalen Netz zur KI, welche die Menschheit zu überfordern scheint.
Wir leben heute in der logischen Fortsetzung des Pascalschen Erfindung. Wer die Drohne über Kiew entdeckt oder den Algorithmus im Newsfeed hinterfragt, sieht die Gegenwart eines Prozesses, der vor 400 Jahren begann.
Frankreich will die Pascaline unter Schutz stellen, Christies hat die Auktion abgesagt.
Daniel Flury meint
Man kann das aber auch als Frucht des damaligen Zeitgeistes betrachten, der die Mechanisierung zunehmend vorantrieb.
Als Beispiel wurde zwischen 1602 und 1608 an der nahegelegenen Seine ein Pumpwerk errichtet, um die einiges höhergelegenen Tuilerien bewässern zu können.
Dazu wurde ein grosses Schöpfwerk gebaut, das angetrieben von mehreren Mühlrädern Wasser schöpfte, über mit Leder ausgekleideten Holzkanäle nach oben trieb, in verschiedenen Zwischenstufen (betrieben mit Manpower und Pferden) das Wasser weiter nach oben pumpte, bis es oben in den Gärten zur Bewässerung verteilt werden konnte.
Machte einen Höllenlärm (übrigens) und war unglaublich wartungsintensiv.
Aber was macht man nicht alles für seinen König (oder den eigenen Vater).
unterbaselbieter meint
….und ich meinte, diese Holzkiste sei eine Cigarrendose….