
Marc Oliver Bürgi, ehemaliger Landrat (2011–2015) und früherer Präsident der BDP Baselland, hat vor zwei Tagen einen Kommentar zum Veröffentlichen gepostet.
Wir kommen dem nach – jedoch nicht unkommentiert.
Ich veröffentliche ihn nicht, um zu denunzieren, sondern um zu zeigen, wie subtil Antisemitismus heute wirken kann – selbst dort, wo er nicht als solcher gemeint ist.
Sein Kommentar zeigt, wie alte Muster in neuer Sprache weiterleben: höflich, skeptisch, technokratisch – und doch mit der alten Geste des Ressentiments.
Marc Oliver Bürgi:
Ich bin mir nicht ganz sicher… Kaum gewählt, posiert Mamdani mit dem Milliardärssprössling Alexander Soros auf X, der laut KI einige Millionen in den Wahlkampf für Mamdani setzte. Ich halte Mamdani für ein Kuckucksei. Mir tun die hoffnungsvollen Sozialisten leid, die Mamdani aufgrund seiner Phrasen wählten. Das kommt nicht gut…
Was will uns der Kommentator damit sagen?
1. Die Verpackung des Zweifels
Der Einstieg „Ich bin mir nicht ganz sicher…“ ist eine rhetorische Tarnung. Diese Schein-Skepsis ist ein typisches Stilmittel, um Gerüchte in die Welt zu setzen – sie wirkt zivilisiert, gibt aber die Richtung vor.
2. Der „Soros“-Code
Die Nennung von Alexander Soros ist nicht zufällig, sondern Teil eines seit Jahren wirksamen antisemitischen Narrativs – das Bild des reichen jüdischen Geldgebers, der im Hintergrund linke Politik steuert.
Dass Bürgi den Zusatz „laut KI“ verwendet, ist nichts als ein moderner Ersatz für das alte „man sagt“ – eine technologische Beglaubigung eines unbelegten Gerüchts.
Die Formel „Milliardärssprössling“ aktiviert das Ressentiment gegen Geld, Macht und Abstammung – ein sozialer wie kultureller Feindbegriff.
3. Das „Kuckucksei“
Mit dem Begriff „Kuckucksei“ konstruiert Bürgi eine Intrige: ein vermeintlicher Sozialist, in Wahrheit vom Kapital unterwandert. In New York wurde ein „innerer Zersetzer“ gewählt, ein ideologischer Reflex aus dem 20. Jahrhundert.
4. Die Pseudo-Empathie
Und dann der Seufzer „Mir tun die hoffnungsvollen Sozialisten leid…“ – geschenkt.
5. Die Rhetorik der Prognose
Die Schlusspointe:„Das kommt nicht gut“ – da wird Mutmassung als Erfahrung verkauft.

Marc Oliver Bürgi agiert nicht im luftleeren Raum.
Der Satz über Soros und Mamdani stammt aus einem Beitrag des US-Portals Infowars, gepostet auf X – einer Plattform, die für verschwörungstheoretische und antisemitisch codierte Inhalte bekannt ist.
Bürgi übernimmt dessen Grundstruktur: den Mythos der verdeckten jüdischen Einflussnahme – nur in bürgerlich-schweizerischem Tonfall.
Das Beispiel zeigt, wie kurz die ideologischen Wege über den Atlantik inzwischen geworden sind.
Schlussbemerkung und Grundsatz: Auf arlesheimreloaded ist Kritik kein Freipass für Ressentiments. Deshalb wird, wenn nötig, völlig toleranzfrei widersprochen.