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Diese Wahl war kein Entscheid – sie war ein Befund

30. November 2025 By Manfred Messmer

Mit diesem Sonntagsresultat ist nicht nur ein Wahlgang beendet, sondern vielmehr eine politische Verschiebung sichtbar geworden, die weit über Eigenmann/Bucher hinausreicht.

1. Eigenmanns Sieg: solide, aber nicht triumphal
29’789 Stimmen sind klar, aber nicht glänzend. Für einen FDP-Kandidaten mit:

• amtierendem Bonus als Gemeindepräsident,
• massiv höherem Kampagnenbudget,
• SVP-Endorsement,
• Und die historische Stellung der FDP im Kanton

ist der Vorsprung von gut 2700 Stimmen ein funktionaler Sieg, aber kein struktureller Durchbruch.

Eigenmann gewinnt die Wahl – nicht die Erzählung.

⸻

2. Bucher: Die Verliererin, die politisch gewinnt
27’044 Stimmen bei einer GLP, die:

• im Kanton nie Regierungsratsstärke hatte,
• mit deutlich weniger Budget kämpfte,
• sich in einem konservativen Wahlgang gegen zwei bürgerliche Lager stellte,
• und nur eine diffuse Mitte-Mobilisierung hinter sich hatte,

ist bemerkenswert.

Dieser zweite Wahlgang war ein Kursgewinn – nicht ein Mandatsgewinn.

Bucher hat den Beweis geliefert, dass die GLP regierungsratsfähig sein kann. Das verändert das Machtgefüge langfristig.

⸻

3. Die wahren Verlierer: SVP und FDP-Milieusystem
SVP: Im ersten Wahlgang holte Mall 13’297 Stimmen.
Eigenmann kommt im zweiten Wahlgang insgesamt auf 29’789 – also +11’358.

Das ist kein SVP-Shift nach Lehrbuch. In einem Kanton wie BL müsste die SVP locker 12–15k Stimmen in einem Endorsement mobilisieren können.

Dass das nicht gelang, zeigt:

• Die SVP war nicht motiviert, nicht geschlossen und nicht diszipliniert.
• Das «Mall-Lager» wanderte nur teilweise zu Eigenmann.

FDP: Die FDP gewinnt den Sitz, aber bleibt strukturell angeschlagen:

• Zwischen Resultat 1. Wahlgang (18431) → 2. Wahlgang (29789) liegt kein Machtbeweis, sondern arithmetische Pflicht.
• Sie gewinnt keine neuen Milieus, sie schöpft nur ab, was noch in Reichweite war.
• Die SP-Unterstützung für Bucher entzieht der FDP den Zugriff auf die Mitte.

Kurz:
Die FDP hat die Wahl gewonnen, aber nicht die Zukunft.

⸻

4. Die GLP etabliert sich als Option – nicht als Episode
Dass Bucher 27k Stimmen holt, heisst zweierlei:

1. Die GLP ist nicht mehr «Nice-to-have», sondern wahlfähig auf Exekutivhöhe.
2. Die GLP hat im Baselbiet jetzt einen harten Kern von rund 20k Stimmen, der abrufbar ist.

Für eine Partei, die lange als Mischzone zwischen Grün, FDP und Mitte galt, ist das ein struktureller Schritt.

⸻

5. Die SP ist der heimliche taktische Sieger
Die SP war der Kingmaker – und bleibt es:

• Sie testete erfolgreich, dass eine GLP-Kandidatin mobilisierbar ist.
• Sie zwang die FDP in eine defensive Gesamthaltung.
• Sie positioniert sich für 2028 als zentrale Achse des Kantons, nicht als linke Nebenfigur.

⸻

6. Der Kanton im Spiegel der Zahlen
33.3 Prozent Stimmbeteiligung sind die eigentliche Signatur dieser Wahl:

• Es gibt keine grosse kantonale Leidenschaft mehr.
• Die Mobilisierung erfolgt nur noch über Milieus, nicht über Themen.
• Ein Drittel des Kantons bestimmt, wer den Bildungsdirektor stellt – und das reicht.

Das bestätigt unseren bisherigen Grundbefund: Der politische Puls liegt im Baselbiet nicht im Streit, sondern in der strukturellen Erosion.

⸻

7. Endpunkt und Pointe
Die Wahl bestätigt den Satz, den wir bereits vorweg formuliert haben: Die GLP gewinnt selbst im Verlust. Die FDP verliert selbst im Sieg.

• Die GLP hat jetzt eine feste Position in der kantonalen Exekutiv-Arithmetik.
• Die FDP muss um jeden weiteren Sitz härter kämpfen als je zuvor.
• Die SP bleibt der Architekt der politischen Mehrheiten.
• Die SVP zeigt erneut, dass ihre Mobilisation ausserhalb nationaler Themen begrenzt ist.

Diese Wahl war kein Entscheid – sie war ein Befund. Der Kanton hat gezeigt, wo die Kraftfelder liegen:

• Eine FDP, die nur noch verwaltet.
• Eine GLP, die im Verlust wächst.
• Eine SP, die das Spielbrett hält.
• Eine SVP, die ausserhalb der Erregung nicht zündet.

Kategorie: Politik Stichworte: Baselland, Wahlen

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Rampass meint

    1. Dezember 2025 um 10:11

    Die 8%-Partei GLP wahlfähig auf Exekutivhöhe? Natürlich nur als Handpuppe von Linksgrün. Viel „bürgerlich“ ist da sowieso nicht mehr drin.
    Ob das gut kommt, wenn Parteien mit weniger als 10% Wähleranteil ein Exekutivmandat beim 5-köpfigen Regierungsrat erhalten, sei mal dahingestellt.

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