
Vor ein paar Wochen hatten wir scherzhaft gefragt, ob es den dreien gelingen würde, einen neuen Rekord aufzustellen – nämlich die tiefste Wahlbeteiligung aller Zeiten.
Sie haben es geschafft: Mit 28 % unterboten sie unser Worst-Case-Szenario von 29.5 % sogar noch um eineinhalb Punkte.
Und damit wären wir bei unserem Modell.
Wie unschwer zu erkennen ist, liegen wir bei den beiden Kandidatinnen daneben:
Das Modell war korrekt konstruiert, aber zu kühl kalibriert.
Bei Sabine Bucher wurde der späte Resonanzeffekt unterschätzt – Bildung, Geschlecht (nur noch eine Frau im Regierungsrat) und ein Moment persönlicher Glaubwürdigkeit lösten in der letzten Woche einen Schub von rund +7 Prozentpunkten aus.
Bei Caroline Mall wurde die SVP-Sockelstärke überschätzt: Ihre Basis von 28.5 % schrumpfte auf 24.7 %, ein Verlust von 3.8 Punkten bzw. 13 % ihrer Stammwähler. (Als Referenzpunkt hatten wir das Sollberger-Ergebnis von 28.5 % gesetzt – das, so unsere Annahme, sollte Mall erreichen.)
Tatsächlich konnte die SVP nur rund 87 % ihrer früheren Stammwähler halten – ein klarer Hinweis auf Vertrauensverlust und Mobilisierungsschwäche.
Das heisst: Die Partei hat – auch vor der neuen gesamtschweizerischen Benchmark von 30 % – im Baselbiet ein Mobilisierungsproblem, das weit über die Kandidatur Mall hinausreicht.
Markus Eigenmann liegt exakt im Flugsand-Korridor des Modells (28.5–33.5 %), was auch bedeutet, dass es ihm und seinem Wahlkampfteam nicht gelang, in breiterem Masse Wähler zu mobilisieren.
Er ist nun einmal kein Mann der Herzen.
Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang – Bucher liegt lediglich 3.5 Punkte vor Eigenmann – ist für den FDP-Mann dennoch etwas komfortabler.
Denn Bucher hat ihr linksliberales Lager nahezu vollständig mobilisiert. Die Frage, die sich ihr stellt: Wo sollen neue Stimmen herkommen?
Eigenmann dagegen kann auf mindestens 18 % der SVP-Wählerschaft hoffen. Bei einer gleichbleibenden Beteiligung reicht ihm das theoretisch zu ≈ 49–50 %, und er wäre gewählt.
Buchers Potenzial schätzen wir auf ≈ 45–46 %.
Allerdings: Sollte ihr eine zusätzliche Mobilisierung im unteren Baselbiet, in den urbanen Milieus über Allschwil, Münchenstein oder Birsfelden hinaus gelingen, könnte es ein sehr knappes Rennen mit offenem Ausgang werden.
Erste Stellungnahmen deuten bereits darauf hin, dass die Zeit der Übereinstimmung vorbei ist.
Wie Markus Eigenmann gegenüber der BaZ erklärte, will er im zweiten Wahlgang stärker auf Themen wie Raumplanung und Wirtschaft setzen – und gesteht damit indirekt ein, was alle wissen:
Er wird in der Erziehungsdirektion ein Mann auf Zeit sein.
Das könnte die thematische Chance für Sabine Bucher werden – wenn sie sich einerseits klar zu einem längerfristigen Engagement in der Erziehungsdirektion bekennt.
Und dann, das grosse b): wenn sich die Starke Schule beider Basel erneut in den Wahlkampf einschaltet – nicht nur mit Worten, sondern mit sichtbarer Unterstützung.
Und schliesslich c), auch wenn es nicht mehr der letzte Schrei ist: auf die Frauenkarte setzen – den deutlichsten Unterschied.
Denn nur noch eine Frau in der Regierung, ersetzt durch einen FDP-Mann der alten Schule, kann tief ins Mitte-Lager auf Resonanz stossen – selbst bei FDP-Frauen.
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PS: Eine Wahlbeteiligung über 30 % – möglich wegen der Anstimmungsthemen am 30. November – wäre Buchers einzige realistische Chance, das Rennen noch zu drehen. Sie bringt die spontanen, themengetriebenen Stimmen an die Urne, während Eigenmanns Potenzial weitgehend ausgeschöpft bleibt.
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PSII: In eigener Sache: Wir verabschieden uns damit vom Baselbieter Wahlzirkus. Das Endresultat am 30. November werden wir gelassen zur Kenntnis nehmen – der Erkenntnisgewinn bis hierher war grösser als der Nervenkitzel. Mehr ist da auch nicht mehr zu erwarten.
Baresi meint
Für einmal gilt hier nicht nur im Beitrag, sondern auch in den Kommentaren: Popcorn.
M.M. meint
high five! 🙂
P. Keller meint
Die Frage ist doch, ob es hier wirklich um eine Wahl ging. Wenn Sie in der Altersheimküche zwischen drei Beilagen wählen dürfen, spielt es doch keine Rolle, was Sie nehmen – schmeckt eh nach nichts und bis zum Kaffee ist alles ohnehin schon wieder vergessen. Ich gehöre zwar zu den Wählenden, hatte aber keinen Dunst, wen ich da überhaupt aufschreiben soll. Nach Eigenmanns dünner Arlesheimer Performance blieb mir am Ende nur noch Frau Bucher. Wird beim nächsten Mal genauso sein – auch wenn Eigenmann sich irgendwie zum Sitz durchmurksen wird, seine Jahre absitzt und danach zu den Namen gehört, die keiner mehr nennt. Wie bald in Arlesheim.
Mathias Treyer meint
Markus Eigenmann hatte in Arlesheim einen Stimmenanteil von 58.5%, Frau Bucher in Sissach 50.8 %, Frau Mall wurde in Reinach gedemütigt. Ich denke, dass dies eine gute objektive Einschätzung abgibt, wie die Beliebtheit der Kandidaten in der eigenen Gemeinde ist und wie der Leistungsnachweis honoriert wird.
Die Dummschwätzer vom Seitenrand wird es immer geben, die es immer besser wissen, aber nicht die Courage haben, selbst aktiv zu werden und in der Kommunal- oder Kantonalpolitik mitzuwirken.
Aber es ist leider halt zu einfach, versteckt hinter Pseudonymen hier Kommentare abzugeben, die gelegentlich doch sehr an die Grenzen des Anstandes gehen.
M.M. meint
Sie verstehen offensichtlich a) die Funktion eines Blogs nicht, b) nein, man muss nicht aktiv in der Politik sein und c) das Synonym von „Dummschwätzer“ ist „Bumerang“.
PS: tritt Ihre Frau als Eigenmann-Nachfolgerin an?
Mathias Treyer meint
Lieber Manfred
a) selbst in einem Blog ist ein grundlegender Anstand notwendig.
b) wenn man es partout besser weiss und nur Bestehendes kritisiert, ohne den Gegenbeweis anzutreten, macht man es sich extrem einfach.
c) Ui. Den nehme ich in mein Poesiealbum auf.
Und zu deiner Bemerkung bzgl meiner Frau – hat mit mir, meinen Meinungen etc rein gar nichts zu tun. Ich würde es mir zumindest nicht anmassen, hier deine Frau in Spiel zu bringen. Ich denke nicht, dass du auf diesem Niveau argumentieren musst, oder?
M.M. meint
a) meine Frau ist keine Person des öffentlichen Lebens.
b) Deine Frau ist FDP-Gemeinderätin in Arlesheim. Ergo… siehe oben.
c) die Frage ist insofern legitim, als derzeit in der FDP diskutiert wird, wer für die Nachfolge von Eigenmann kandidieren soll. Sollte deine Frau nicht Gemeindepräsidentin werden wollen – was ich denke – ist das Gemeindepräsidium für die FDP futsch.
Was bedeutet: Nachdem sie in den letzten Wahlen bereits einen Sitz in der Exekutive an die SP verloren hat, wird sie nun auch noch das Präsidium an die SP verlieren. Oder an die Frischluft.
Zudem ist die spannende Frage – okay halbwegs spannende Frage – ob in einer Kampfwahl nächstes Jahr die absteigende FDP nicht erneut einen Sitz verlieren wird.
Also – etwas politisches Denken tut auch jenen gut, die kein Amt haben (wollen). Was mich betrifft: Ich war völlig ungeeignet, weil ich zum Teamplayer nix tauge.
Bringold Margareta meint
Ein Stimmenanteil von 58.5 % kann auch bedeuten, dass die Wählenden von Arlesheim Markus Eigenmann „wegbefördern“ wollen. Frau Bucher wohnt seit zwei Jahren in Sissach und hat kein politisches Amt in dieser Gemeinde. und kommt trotzdem auf einen Stimmenanteil von 50.8 %. Sie war vorher Gemeindepräsidentin in Läufelfingen, wo sie am Sonntag ebenfalls ein ausgezeichnetes Resultat erzielt hat.
Mathias Treyer meint
53.5 % in Läufelfingen – bei 323 Stimmenden.
Anonymus meint
Ich muss Herrn Treyer leider Recht geben. Wie Kandidatinnen oder Kandidaten hier von manchen KommentatorInnen „abqualifiziert „werden, ist teilweise mehr als unanständig. Markus Eigenmann macht in Arlesheim einen guten Job, ich kann das ein wenig beurteilen. Dass die Wählenden ihn wegbefördern wollen, halte ich für ein Gerücht. Wenn man bei den Kritikern nachfragt, was denn konkret nicht gut sei, dann kommt nicht mehr viel. Irgendwie ist es ein bisschen „en vogue“ geworden, Politikerinnen und Politiker öffentlich abzukanzeln. Markus Eigenmann wurde im Oberbaselbiet übel genommen, dass er den kantonalen Finanzausgleich aus Sicht der Gebergemeinden „fairer“ ausgestalten will, auch darum hat er dort schlechter abgeschnitten. Ihn kennt man im oberen Kantonsteil auch nicht so gut wie Sabine Bucher, die dort schon länger politisch aktiv ist.
M.M. meint
Politiker muss man nicht respektieren, es ist opportun, ihnen ziemlich misstrauisch zu begegnen.
Wer sich keiner Kritik aussetzen will, auch halt manchmal harter, soll die Finger von der Politik lassen.
Grundregel: in einer direkten Demokratie zollt man Respekt der Person, nicht unbedingt dem Amt.
P. Keller meint
Herr Treyer, der stets bemühte FDP-Lobbyist aus Arlesheim mit seinen ach so offensichtlichen eigenen familiären Interessen, scheint langsam am Ende seines Argumentariums angekommen zu sein. Vielleicht täte es gut, sich einmal unter den Entscheidungsträgern seiner Kantonalpartei umzuhören, was man dort vom politischen USP des Herrn Eigenmann hält. Doch doch – dass er ein freundlicher, sehr anpassungsfähiger Mensch ist, darin sind sich alle einig. Das bestreitet auch hier keiner.
Mathias Treyer meint
Lieber Herr Keller (ob Sie effektiv so heissen, mag ich bezweifeln – zumindest habe ich den Mut und Anstand, mit vollem Namen aufzutreten)
Falls Sie es noch nicht verstanden haben: ich lobbyiere in erster Linie für einen Menschen, nicht für eine Partei.
Und nicht einmal primär aus politischer Sicht, sondern aus menschlicher, weil es immer wieder Leute wie Sie gibt, die hinter einer Fassade in unverschämter Weise über Menschen schreiben, in der Annahme, dass man online keinen Anstand haben muss.
Ich lade Sie ausserordentliche gerne ein, mir das face to face mitzuteilen – gerne bei einem Bier. Dann schauen wir, ob Sie immer noch so wagemutig Ihre Standpunkte vertreten können.
Und inwiefern ich aus familiärer Motivation das machen soll, müssen Sie mir dann auch mal erklären – die Preisgabe einer persönlichen Meinung hat kein Bezug zu meiner Frau. Schliesslich gehe ich auch nicht davon aus, dass Sie Ihre Frau vorgängig über Ihre Onlineaktivitäten informieren.
Somit: ich habe eine Vermutung, aus welcher Ecke Sie kommen. Aber lassen Sie uns doch das mal in Anstand und Würde an einem einem Tisch ausdiskutieren.
P. Keller meint
Gerne helfe ich Ihnen: Ich komme zwar aus keiner politischen Ecke, stehe Ihrer Partei aber auch nicht völlig fern – im Rückblick gesehen.
Nur, beim besten Willen kann ich nicht erkennen, was der Ratskollege Ihrer Frau substantiell zu den nicht eben kleinen Problemen unseres Kantons beitragen soll und vermag.
Der Gute wird wohl so manche schlaflose Nacht verbringen und sich fragen: Wie komme ich da bloss wieder raus – oder besser noch: gar nicht erst hinein? Und flugs externe Berater holen. Waren übrigens nicht Sie es, der einst mutig die eigenmannschen Beiträge zum FDP-Kulturzirkus als einzigartiges USP gepriesen hat – oder war es die Frau vom Goldwurster? Hei, war das drollig. Und nun mache ich auf MM – der 30. November darf kommen: ist eh wurscht.
unterbaselbieter meint
28% – mit dem rechnete ich, denn was für ein lauer, langweiliger, mutloser und in der realen Welt der Bewohnenden weit abseits abspielender Wahl“kampf“ – oder besser gesagt „Urnengang“ – denn mit Urne assoziiert man auch Sterben, Tod. Diese Wahl hatte etwas davon.
Jetzt haben wir die Wahl zwischen FDP und GLP: Seit neustem unterscheiden sich die Parteien nicht mehr. Der Links-Grün-Flügel der FDP hat übernommen (Parteileitung), beide stramm pro EU, für Grüne Investitionen und weitreichende Übereinstimmungen in Wirtschaftsfragen und Entwicklung.
Deshalb wähle ich lieber das Original – die GLP – als die billige Kopie FDP welche sich, sollte der Sinkflug dieser Partei beendet werden, wieder klar bürgerlich positionieren müsste (Somm, Feusi) – und ihren links-grün-kuschel-Kurs beenden.
Mall in BL leider auf keinen Fall – so das Volk – obwohl sie in Bildungspolitik die beste gewesen wäre – die SVP sollte in BL mal wieder gemässigte Kandidaten, z.B. KMU Unternehmer usw… bringen – hat sie heute gelernt….
Alles in allem: Die MM-Prognosen der letzen Woche lagen ziemlich schief – doch damit ist er in bester Gesellschaft: M. Somm ist auch ein heller Kopf, aber der schlechteste Prognostiker, wie ihn Schawinski immer hoch nimmt…
Franz Bloch-Bacci meint
Vielleicht müsste man für Baselbieter Regierunsratswahlen die Bestimmung, die in Italien für Referenden besteht, anwenden: Wenn nicht mehr als die Hälfte der Stimmberechtigen an die Urne gehen, kommt kein gültiges Resultat zu Stande. Nach dieser Bestimmung käme unser Halbkanton bis zum Sanktnimmerleinstag zu keiner Regierung.
Daniel Flury meint
Deswegen bin ich für Stimmrechtsalter 16!
Die Wahlbeteiligung dann: 28 Prozent (es sei denn, ein Unterhosenmodel schaltet sich als Influenzerin in letzter Sekunde doch noch ein).
gotte meint
nur so nebenbei : sind jene 71.5% wahlberechtigte , die heute zu hause blieben, dieselben, die mit helebarden gegen den EU-vertrag antreten, weil « wir » sonst nicht mehr mitbestimmen können ? was für ein himmeltrauriges desaster!