
Nun ja, die Idee ist ja nicht neu. Am 13. Juli 2016 schrieb ich in meiner Kolumne in der BaZ:
[….] Wenn ich also heute erneut für eine tramfreie Innenstadt plädiere, dann weiss ich aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass diese im Grunde genommen sehr vernünftige Anregung nichts bewirken wird.
Obwohl letzten Sonntag nicht nur mir, sondern auch allen anderen auf dem Marktplatz diese tramlose Ruhe aufgefallen ist und wir uns alle ausgemalt haben, wie das denn wäre, wenn dieser zentralste aller Plätze nicht mehr durch eine fahrende Mauer aus grünen und gelbenTrams durchschnitten würde.
Ich habe diese Anmassung des öffentlichen Verkehrs satt: Hier bin ich und ihr Stadtflaneure habt gefälligst zu weichen. Denn die Zeiten ändern sich: Wenn alles Individuelle, also das Auto, weg ist, dann stört das Kollektive in dieser engen Stadt. Und das ist die Strassenbahn.
Ausser dem uneinsichtigen Festhalten an der Tramschneise durchs Zentrum, was man als Unvermögen der Verantwortlichen deuten muss, mal in anderen Bahnen zu denken, spricht nur noch das Einhalten eines Fahrplans dafür, dass praktisch der gesamte Tramverkehr der Region sich durch dieses Nadelöhr Falknerstrasse zwängen muss.
Rücksichtslos.
Um danach allein mit seiner Präsenz den Markplatz zu versauen. Und weil das verkehrsmässig nicht reicht und alles, was auf Schienen fährt, unwidersprochen gut ist, soll dort unter dem noch immer scheusslich möblierten Platz auch noch eine Milliarden teure S-Bahn gelegt werden, womit mit all den Auf- und Abgängen der Marktplatz zu einem innenstädtischen Bahnhof für Oberbaselbieter und Aggloristen wird.
Obwohl ich, wie gesagt, mir bewusst bin, mit dieser und allen anderen Kolumnen an dieser Stelle nichts zu bewirken, plädiere ich trotzdem dafür, die innenstädtische Tramstrecke in den Petersgraben zu verlegen und vom Barfi bis zur Schifflände den städtischen Raum den Menschen zu überlassen.
Zum Flanieren, Kaffeetrinken, Einkaufen oder einfach nur um rumzusitzen.
Ich denke, das Sammeln der Unterschrften für die „GO Basel GO“-Initiative wird ein Spaziergang.
Die Umsetzung des Projekts wird erfahrungsgemäss allerdings Jahre dauern. Würde sagen: Optimistischer Zeithorizont 2045. Realistischer wohl eher 2050.
Merke: In Basel geht die Zukunft grundsätzlich zu Fuss.
Lesen Sie morgen: Etwas Kritik muss allerdings schon sein.
Rafaele S. meint
Jede Fassade, jedes Bänkli, jeder Kandelaber, jede Mauer, jeder Stromkasten, jedes Tor, jedes Strassenschild ist versprayt, vertagged, verklebt oder kaputt. Vom Centralbahnplatz gar nicht zu reden. Diese Stadt gibt ein widerliches Bild ab. Da kann man Milliarden in den öffentlichen Raum investieren, wenn er verschmiert, eklig, kaputt und unsicher ist, bringt alles nichts. Das Leben zieht sich wie in den USA in die privaten (gepflegten) Räume zurück. Die provinzielle miefige Basler Politik, wird es nie verstehen, auch dann nicht wenn Roche, Novartis, BIZ oder andere Büros in gepflegten Städten wie Dubai oder Singapur beziehen.
Baresi meint
Ach so. Ich bin etwas übersensibel auf Velofahrer in Fussgängerzonen. Hat man es bemerkt? 😉
Daniel Flury meint
Wo Moritz Suter drauf steht, da ist Moritz Suter drin: Heisse Luft.
Franz meint
Wahrhaft ein Elend diese Innenstadt in so einer wohlhabenden Stadt!
Noch elender, dass die Basler ernsthaft glauben ihr Zentrum sei attraktiv und all fünf Jahre 100 Meter Alpnacher Quarz neu verlegt sei völlig ausreichend.
Das wird wohl nix..
Baresi meint
Wenn die Zukunft in Basel grundsätzlich zu Fuss geht, was machen dann die vielen Velofahrer auf den Visualisierungen? Und warum stören selbstfahrende Elektrobusse weniger als ein reduzierter Tramverkehr?
M.M. meint
Das ist eine Metapher für das Tempo, mit dem in Basel projektiert wird.