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Man kann nicht behaupten, wir hätten eine turbulente Woche hinter uns. Aber etwas Bewegung kommt ins Schneckenrennen: Sabine Bucher macht Boden gut und stabilisiert ihren zweiten Platz.
Zu verdanken hat sie das der Starken Schule beider Basel, die sie als geeignetste Kandidatin für die Erziehungsdirektion bezeichnet und offiziell zur Wahl empfiehlt – wir haben darüber berichtet.
Unter dem Titel «Die Starke Schule als Königsmacherin» greift nun auch die BaZ das Thema auf. Thomas Dähler erinnert daran, dass die SSbB schon einmal wahlentscheidend war – bei Monica Gschwind.
Zusätzlichen Schub erhält Bucher damit durch die Frühfranzösisch-Initiative der SSbB, ein hochemotionales und mehrheitsfähiges Thema, das in bildungsnahen Milieus Resonanz auslöst.
Wie man sieht, haben wir die Fliessgrafik für den Endspurt nochmals angepasst.
Sie ist kein Zufallsprodukt, sondern Teil eines Experiments: der Versuch, politische Dynamik sichtbar zu machen, ohne auf klassische Umfragen zurückzugreifen. Sie beruht auf der Annahme, dass sich Wahlbewegungen auch ohne Stichprobendaten erfassen lassen – wenn man systematisch beobachtet, wie sich Ereignisse und Stimmungen überlagern.
Das Modell arbeitet mit sogenannten Markern.
Jedes Ereignis – ein Medienbericht, ein Podium, eine Empfehlung oder ein öffentlicher Kommentar – wird nach seiner mutmasslichen Wirkung auf Wahrnehmung, Motivation und Mobilisierung bewertet.
Daraus entsteht ein Bewegungsprofil: Wer gewinnt Sichtbarkeit, wer verliert Resonanz, wer stagniert.
Wir haben dazu Dutzende Beiträge aus Online-Medien, Zeitungen, Facebook-Kommentaren, Audiobeiträgen des Regionaljournals sowie Einschätzungen erfahrener Politbeobachter und Leserkommentare ausgewertet.
Diese Methode ist bewusst interpretativ.
Sie kombiniert politische Erfahrung, mediale Mustererkennung und empirische Plausibilität. Der entscheidende Unterschied zu einer Umfrage liegt darin, dass hier nicht nach Meinung gefragt, sondern Wirkung beobachtet wird.
Die schattierte Zone – der sogenannte Flugsand – markiert die Unsicherheitsbreite, innerhalb derer jede Bewegung reversibel bleibt. Sie zeigt, wie gering der Spielraum realer Verschiebungen ist: meist weniger als drei Prozentpunkte.
In unserem Modell bezeichnet der Flugsand jene rund sieben Prozent der Stimmen, die keiner festen Wählerbindung folgen – also weder parteitreu noch stabil taktisch entscheiden. Die drei Kandidierenden decken zusammen etwa 92,7 Prozent des erwarteten Stimmenanteils ab; der Rest bleibt ungebunden, indifferent oder spontan.
Dieser kleine, schwer greifbare Anteil erklärt, warum jede Bewegung unter zwei bis drei Prozentpunkten als reversibel gilt. Das bedeutet: Die meiste Bewegung, die im Diskurs sichtbar wird, ist psychologisch – nicht numerisch.
In den letzten beiden Tagen zeigt das Modell aufgrund der Aktualitäten folgende Verschiebungen: Mall: 32.1 → 31.9 %, Bucher: 31.4 → 31.7 %, Eigenmann: 30.7 → 30.5 %.
Sollte das Endresultat am Sonntag deutlich von unserer letzten Grafik, die wir in einer Woche veröffentlichen werden, abweichen – etwa durch Ausreisser nach oben oder unten –, wäre das ein Hinweis darauf, dass die klassischen Medien ihren Einfluss auf die Wählerstimmung weitgehend verloren haben.
Die eigentliche Meinungsbildung könnte inzwischen in neuen, informellen Räumen stattfinden: in WhatsApp-Gruppen, geschlossenen Chat-Communities und Mikro-Netzwerken, die sich der öffentlichen Wahrnehmung entziehen.
Doch so viel steht bereits jetzt fest: Für Sabine Bucher ist das Rennen im Grunde gelaufen.
Es spielt keine Rolle mehr, welchen Platz sie am Sonntag belegt. Sie wird im zweiten Wahlgang antreten – weil sie gar nicht anders kann. Ein Rückzug würde bedeuten, das Feld den Bürgerlichen zu überlassen.
Und die könnten sich absprechen und den zweiten Wahlgang kurzerhand streichen.
Das Rennen läuft also nur noch zwischen Caroline Mall und Markus Eigenmann. Die entscheidende Frage lautet: Wer liegt am Sonntag vorne – und was passiert, wenn es Mall ist? Zieht sich dann die FDP zurück?
Fazit: Im Baselbieter Regierungsrennen bewegt sich alles – aber nichts verändert sich.
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Klaus Kirchmayr meint
Es ist immer noch möglich, dass Frau Bucher lediglich den 3. Platz macht. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so dürfte dies durchaus längerfristige Auswirkungen auf das politische Baselbiet haben – vor allem wenn man die Ausgangslage berücksichtigt… …aber auch kurzfristig für einen zweiten Wahlgang würde sie dann, wenn sie antritt, zur Steigbügelhalterin der SVP…. …und mit ihr die SP und die Grünen…. Für Gesprächsstoff ist in diesem Fall auf jeden Fall gesorgt.