
In dieser letzten Woche des Wahlkampfs dreht sich alles nur noch um eine Frage: Wer liegt am Sonntag bei den bürgerlichen vorne – Mall oder Eigenmann?
Aus einem Dreikampf wurde ein Zweikampf.
Sabine Bucher ist zwar noch präsent, doch welchen Platz sie am Ende belegt, wird erst wieder am Montag nach der Wahl interessieren.
Die letzten sieben Prozent – der politische Flugsand – bestimmen das Finale.
Doch was wie ein Zweikampf aussieht, ist in Wahrheit ein Stillstand. Zwei Kandidierende bewegen sich – aber aufeinander zu, nicht nach vorn. Der Wahlkampf ist kein Rennen mehr, sondern ein Kreisverkehr.
Es scheint, als taumelten die Bürgerlichen schlafwandelnd in die sonntägliche Wählerabrechnung.
Das bürgerliche Albtraum-Szenario: Mall liegt am späten Sonntagnachmittag ein paar Zehntelprozentpunkte vor Eigenmann – und SVP-Parteipräsident Peter Riebli, der sein Herz gerne auf der Zunge trägt, verkündet siegestrunken: Wir treten nochmals an.
Er könnte gar nicht anders. Ein Satz wie “Wir werden uns jetzt beraten“ käme einem Rückzug gleich.
Das Eigenmann-Lager wird zwar betonen, nur mit ihrem Mann könnten die Bürgerlichen gewinnen. Aber auf einen nochmaligen Dreikampf kann es die FDP nicht ankommen lassen.
Denn ein Sieg Buchers, gekrönt durch eine doppelte bürgerliche Niederlage, könnte den Absturz des Freisinns einläuten.
Was also tun?
Die Parteispitzen von FDP und SVP müssen diese Woche eine Krisensitzung abhalten – mit dem Ziel einer Absprache: Die SVP tritt im zweiten Wahlgang nicht mehr an, selbst wenn Mall vorne liegt.
Doch selbst wenn Eigenmann vorne läge, braucht auch die FDP eine Vereinbarung.
Denn die Erzählung, Eigenmann könne in einem Zweikampf eher gegen Bucher gewinnen als Mall, gilt nur, wenn er auf die Stimmen der (frustrierten) SVP-Wählerschaft zählen kann. Bleiben die zuhause, sieht’s für den FDP-Mann düster aus.
FDP und SVP brauchen einen Deal – nicht aus Staatsräson, sondern aus purem Eigeninteresse.
Weil ein solcher nicht das Jetzt betrifft, sondern die Zukunft – genauer: die Ständeratswahlen 2027, wenn der Sitz der Grünen Maya Graf voraussichtlich frei wird.
Dieser Sitz wird heiss umkämpft sein.
Derweil SP-Nationalrätin Samira Marti als gesetzt gilt (und die SP sich für 5’000 Franken die Unterstützung der GLP gesichert hat), üben sich Mitte- und andere bürgerliche Politiker in unsinnigen Ständerats-Phantasien.
Weil – das Baselbiet hat eine Tradition: Ernsthafte Chancen aufs Stöckli haben nur amtierende Nationalräte oder ehemalige Regierungsräte.
Unter dieser Prämisse – und da Toni Lauber nicht mehr in Frage kommt – bleibt nur einer, der Samira Marti auf Augenhöhe begegnen kann: alt Regierungsrat und aktives SVP-Mitglied Thomas Weber.
Mit durchaus intakten Siegeschancen.
Und das wäre der Deal, den die FDP auch einhalten könnte, weil Weber auch im FDP-Lager respektiert wird: Ihr verzichtet zugunsten von Eigenmann auf den Regierungssitz – und wir unterstützen euch 2027 im Kampf um den Ständeratssitz.
Die Zeit drängt.
Auf geht’s.
Daniel Flury meint
Es scheint hier, tatsächlich, um etwas zu gehen.
Man kläre mich auf.
Denn für mich ist ein öffentliches Assessment tatsächlich etwas spannendes, weil in der Regel werden Spitzenposten nur an Topshots vergeben (hört man immer aus der Wirtschaft, sorry).
Mathias Treyer meint
Dieses Bauernopfer wäre doch zu spät und nicht mehr glaubwürdig, ein Gambit am Anfang des Prozesses wäre der einzig richtige Weg gewesen.
Dass frustrierte SVP-Wähler dann Frau Bucher im zweiten Wahlgang bevorzugen, sollte kein solcher Deal vorliegen, ist doch unwahrscheinlicher wie FDP-Wähler, welche dann zum Lager der zweiten liberalen Kandidatin wechseln, sollten man hier eine gewisse Frustration verspüren. Dieser Sprung macht doch bedeutend weniger weh wie von SVP zu 1/2 Grün.
Diese Wahl wird sowieso von den Nicht-Wählern bestimmt – insbesondere den SP- und Grün-Wählern, welcher sich für keine der Kandidaten erwärmen können (aus unterschiedlichen Gründen). Oder den abspringenden SVP-Wählern, welche Frau Mall (3.9 im Primartest – Mall, très mal) nur schweren Herzens unterstützen können. Auch die werden wohl lieber nicht wählen als sich für einer der anderen Kandidaten zu entscheiden. Eigenmann dürfte hingegen die tiefste Quote der Abtrünnigen aufweisen.
Aber grundsätzlich sollte doch die demokratische Mehrheit bestimmen – und wenn es dann Frau Mall ist, dann ist es so. Sollte Frau Mall mehr stimmen als Herr Eigenmann haben, so hat das Volk gesprochen. Was würde ich als SVP-Wähler von meiner Parteileitung denken, wenn die Kandidatin im Zweikampf gewinnt und trotzdem geopfert wird? Was heisst das für zukünftige Kandidaten, die dann ebenfalls so verheizt werden könnten? Dass solche „Abmachungen“ nicht unbedingt von der Bevölkerung goutiert werden, zeigt die doch mässige Begeisterung der SP-Wähler für Frau Bucher.
h.s. meint
Sie lassen sich durch Klaus Kirchmayr zu viel erzählen. Erstens ist Toni Lauber noch immer den besten Kandidat der Bürgerlichen für den Ständerat, aber die Mitte wird ihm in 2027 nochmals als Regierungsrat antreten lassen. Ihnen fehlt die Alternative. Thomas Weber wird es nicht werden, weil ihm die Stimmen der GLP, Mitte und Linke FDP fehlen werden. Drittens laufen hinter die Kulissen schon die Suche nach einen Kompromisskandidat für die zweite Runde.