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Bilateralen III: Mit dem Narratron gegen Bullshit Bingo

28. Oktober 2025 By Manfred Messmer

Narraton – das Tool gegen Bullshit Bingo ist frei nutzbar

Wer einen politischen Kampf führt – und nichts anderes ist die Auseinandersetzung über die Bilateralen III – muss wissen, wo und wie sich der Gegner bewegt.

Der Kardinalfehler jeder Debatte: ins Narrativ-Gestrüpp des Gegners geraten.

Merke: Man diskutiert nie mit dem Gegner. Man spricht zu den Unentschlossenen – und zu den eigenen Leuten.

Ich habe dafür eine Matrix entwickelt: das Narratron – das Tool gegen Bullshit Bingo.

Das Narratron ordnet Aussagen nach ihren rhetorischen Mustern und Deutungsachsen und macht sichtbar, welche Geschichte jemand gerade erzählt – bewusst oder unbewusst.

Bemerkenswert ist, wie effizient die EU-Gegner operieren: Mit gerade einmal acht klaren Narrativen beherrschen sie den gesamten Diskurs zu den Bilateralen III.

Mehr braucht es nicht – wer zu viel erklärt, verliert.

Um zu zeigen, wie das Dechiffrierinstrument die typischen Rhetorik- und Deutungsmuster der Gegner sichtbar macht, zwei Beispiele:

******

Beispiel 1: Thomas Matter in der Arena (Grundlage: Blick-Zusammenfassung)

Thomas Matter agiert in der SRF-Arena nicht politisch, sondern rituell – als Priester der Empörung. Er inszeniert die Eskalation als Wahrheitsproduktion.

Und das wirkt.

Seine Provokation („Wer für diesen Vertrag ist, ist nicht ganz gebacken“) dient der Selbstlegitimation durch Feindbild: Empörung schafft Sichtbarkeit.

Die Überhöhung durch Geschichtsmythos („Rütlibrief“, „Unterwerfungsvertrag“) hebt die Debatte aus der Sachpolitik heraus.
Aus einem Vertrag wird ein Sakrileg, die EU zur Häretikerin der helvetischen Orthodoxie.

Der Papierstapel auf dem Tisch ist das perfekte Symbol: ein visueller Anker, der das Publikum nicht mehr loslässt. Ein fairer Vertrag hätte auf eine Seite gepasst – das bleibt hängen, weil es das Gefühl der Überforderung in ein greifbares Bild übersetzt.

Matters Strategie folgt dem Trump’schen „moral panic playbook“: maximale Emotion, minimale Argumentation, null Wahrheit.

Seine semantischen Trigger („Unterwerfungsvertrag“, „nicht ganz gebacken“) vergiften den Diskurs – aber sie festigen die Loyalität im eigenen Lager.

Im Narratron lässt sich der Auftritt präzise verorten: Matter bewegt sich durchgehend in den Feldern 1, 2, 3 und 5.

• „Nicht ganz gebacken“ → Kontrollverlust
• „Rütlibrief“, „Unterwerfungsvertrag“ → Mythos der Einzigartigkeit
• Papierstapel → Bürokratiemonster, Freiheit durch Einfachheit

******

Beispiel 2: Markus Somm – der Narrativ-Kurator (Grundlage: Kolumne in der SoZ und Auftritte im EU-Diskurs)

Zunächst muss man Somms Rolle verstehen –  er arbeitet nicht mehr als Journalist, sondern agiert als Mitglied des Kompass-Komitees – als Narrativ-Kurator.

Seine Methode ist die intellektuelle Tarnung des Ressentiments: Er spricht im Namen des Liberalismus, um dessen Gegenteil zu betreiben.

Seine Pose: der Aufklärer, der den Staat und Brüssel gleichermassen entlarvt.
Sein Effekt: die Vernebelung der Begriffe, bis Freiheit und Abschottung dasselbe bedeuten.

Somm führt den Liberalismus als leere Rhetorikhülle vor, die er mit nationalkonservativer Substanz füllt.

Er zitiert Hayek, aber denkt Blocher.

Damit verleiht er dem anti-europäischen Affekt eine bürgerlich-intellektuelle Legitimation.

Wie Matter arbeitet auch Somm mit Symbolen – semantisch statt theatralisch.

Er ersetzt Pathos durch ironische Distanz, um dieselbe emotionale Wirkung zu erzielen: das Gefühl, betrogen zu werden – von Eliten, von Brüssel, von „Technokraten“.

Das Muster folgt dem Prinzip des „cultivated disdain“ – wer widerspricht, beweist nur, dass er die Pointe nicht verstanden hat.

Im Narratron verortet sich Somm in den Feldern 2, 4, 6 und 7:

• „Brüssel“ → Fremdbestimmung
• „Liberaler Skeptiker“ → Scheinfreiheit
• „Technokratie“ → Macht ohne Mandat
• „Elitenversagen“ → Selbstverrat

Damit liefert er dem Anti-EU-Lager die metasprachliche Tarnung:
Er macht Ressentiment salonfähig, indem er es als Vernunft tarnt.

Kategorie: eu-europa Stichworte: Bilaterale III

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

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Kommentare

  1. Gregor Stotz meint

    29. Oktober 2025 um 10:10

    Sehr intelligent!

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