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Baselbieter Regierungsrennen geht in die Schlusswoche

19. Oktober 2025 By Manfred Messmer

Noch rund 35 bis 40 Prozent der Stimmen sind offen – das klingt nach viel, ist aber trügerisch. Denn rund zwei Drittel der Stimmberechtigten haben ihre Wahlzettel demnach bereits brieflich eingeschickt.

Der Rest entscheidet in den nächsten Tagen per Post – die briefliche Stimmabgabe ist im Baselbiet neu bis zur Öffnung der Wahllokale möglich. Die dann noch Verbleibenden gehen am Sonntag in die Wahllokale.

Was jetzt noch passiert, ist wahlkämpferische Feinarbeit: letzte Gespräche, letzte Schlagzeilen, letzte Restimpulse aussenden.

Etwa die Hälfte der verbliebenen Stimmen stammt von Wählenden, die sich längst entschieden haben, aber noch auf einen Bestätigungsimpuls warten – ein Interview, ein Podium, ein Gespräch im Freundeskreis.

Ein Telefonanruf eines Wahlkämpfers.

Die andere Hälfte gehört jenen, die überhaupt erst jetzt wählen: die klassischen Volatilitätswähler. Hochreaktiv, emotional, aber kaum berechenbar.

Für Caroline Mall ist diese Gruppe kaum erreichbar. Ihre Kampagne polarisiert zu stark, um neue Stimmen anzuziehen.

Markus Eigenmann profitiert leicht, wenn das Bedürfnis nach Ruhe und Verlässlichkeit dominiert – das «blooss keine Überraschung»-Gefühl der letzten Tage.

Sabine Bucher wiederum hat noch Luft nach oben, sofern sie sichtbar bleibt. Die Starke Schule-Initiative gegen Frühfranzösisch hat ihr ein solches Thema geliefert: mehrheitsfähig, emotional, alltagsnah.

Unser Modell, das seit Juni die Bewegungen im Wahlkampf misst, zeigt für die letzten Tage keine grossen Sprünge mehr.

Mall liegt bei 31.8 %, Eigenmann bei 31.0 %, Bucher bei 30.2 %. Schwankungsbereich – Flugsand (Schattierungen) ± 2.5 pp.

Doch diese Zahlen sind weniger Statistik als Seismogramm.

Die Fliessgrafik – ein Versuch, politische Dynamik sichtbar zu machen – beruht nicht auf Umfragen, sondern auf beobachteten Wirkungen.

Jede gestrichelte Linie steht für ein Ereignis, das den Wahlkampf spürbar verschoben hat: eine Debatte, ein Kommentar, eine Empfehlung. Die schattierte Zone, der sogenannte Flugsand-Korridor, umfasst jene rund sieben Prozent der Wählenden, die keiner festen Parteibindung folgen und bis zuletzt unentschieden bleiben.

Bewegungen innerhalb dieses Bereichs gelten als reversibel. Sie zeigen Stimmungen, keine Verschiebungen.

Oder anders gesagt: Diese letzten Stimmen können das Ranking drehen, aber keine Revolution auslösen.

Doch wie auch immer: Die meisten Baselbieterinnen und Baselbieter werden gar nicht mitmachen. In den letzten Jahren lag die Beteiligung bei Regierungsratswahlen jeweils deutlich unter 35 %.

Ob dieses Mal gar die 30 %-Marke unterschritten wird, ist nicht auszuschliessen.

Kategorie: Politik Stichworte: Baselland, Wahlen

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. U. Haller meint

    19. Oktober 2025 um 13:03

    Ob Eigenmann als Unterstützer der Bilateralen III das gestrige Verdikt der FDP zusätzlich hilft? Wie dem auch sei: Die guten Errungenschaften unseres politischen Systems hatte diese Partei um der Wirtschaft willen geopfert. Das wird ihren selbstverschuldeten Niedergang nur noch weiter beschleunigen.

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