Habe eigentlich keine Lust, mich auf unsinnige Debatten über die Baselbieter Regierungsratswahlen einzulassen.
Wenn Herr Treyer aber mit einer Primenews-Umfrage daherkommt, wonach sein Kandidat auf Augenhöhe mit Bucher liege, während Mall weit abgeschlagen sei – dann ist das immerhin interessant.
Und könnte für weitere Überlegungen verwendet werden.
Habe gestern Abend also nachgeschaut und – na ja. Habe Frau Mall in knapp fünf Minuten mit ein paar Klicks von 6 auf 10 % „hochgepusht“.
So viel zur Aussagekraft dieser Umfragen: Viel Fun but no relevance.
Merke demnach: In diesem frühen Stadium des Wahlkampfs sagt eine Medienkonferenz des Arlesheimer gerade mal gar nichts aus.
Meine Ausgangslage für den 1. Wahlgang bleibt deshalb unverändert: Bucher vorne, dann Mall, dann Eigenmann. Grundlage: die Parteien-und Lagerstärken aufgrund der letzten Wahlen plus die Dynamik der Kandidaten:
-
Mall verkörpert Angriff und Emotion.
-
Bucher verkörpert Aufbruch und politische Dynamik.
-
Eigenmann verkörpert Pflicht, Verwaltung, Verantwortung.
Kein Bauchgefühl also, keine Kandidatenpräferenz, sondern eine faktenbasierte Beschreibung der Ausgangslage.
Ich sammle nun weitere Daten – Medienberichte, Resonanz, Bewegungen – und veröffentliche Anfang Oktober ein aktualisiertes Bild.
Denn, selbstverständlich: Wir haben es mit einem dynamischen System zu tun, dessen Bewegung bis zum Wahltag nicht prognostizierbar ist.
Und zur Klarstellung: Mir ist der Ausgang der Wahlen egal. Was mich wirklich interessiert, ist die Frage: Wie akkurat ist ein ChatGPT-Wahlmodell?
Mathias Treyer meint
Das ist schon sehr interessant. Ich habe – just for fun – in ChatGPT5 folgende beide Fragestellungen eingegeben (man vergebe mir die laienhafte Verwendung der KI) :
1. Erstelle mir eine Analye, welcher der vier Kandidaten für die Ersatzwahl des Regierungsrates Gschwind im Kanton Baselland medial am aktivsten ist
2. Wie sieht eine mögliche Wahlprognose zu dieser Ersatzwahl aus?
Das Resultat ist erstaunlich – Eigenmann ist medial am aktivsten und er ist auch Favorit.
Aber eben: je einfacher die Fragestellung, umso ungenauer die Antwort. Und selbst ChatGPT gibt zu – eine Prognose ist eigentlich nicht möglich. Und macht dann trotzdem eine. Aha.
Was lehrt uns das? Ein unerfahrener KI -Anwender wie ich kann nicht erwarten, dass die KI dieses Manko kompensieren kann, die KI liefert immer eine Antwort, auch wenn sie nicht wirklich fundiert ist und die KI kann so wenig Wählerdynamiken voraussehen, wie wir es können. Die KI ist dumm, wenn die Informationensbasis ungenügend ist. Oder anders gesagt: der KI ist so wenig zu vertrauen wie einem Politiker.
Und was die KI aber dafür nicht macht, ist der Faktor Antipatie in die Analyse einbauen. Sie ist faktenbasiert, nicht emotional gefärbt. Die Dynamik der Kandidaten ist dann wohl kein Faktor, wenn sie emotional gefärbt ist.
Aber ja: mathematisch gesehen dürfte die Sache sehr spannend werden, die Dynamik der Kandidaten dürfte nicht matchentscheidend sein, die fachliche Kompetenz ist vergleichbar. Am Ende des Tages ist der Mensch doch sehr einfach gestrickt- wir wählen den/die sympathischste und nahbarste Person. Da sehe ich bei Frau Mall ein Problem, bei Frau Bucher fehlt die Nähe zur Wählerbasis. Wenn Eigenmann die Pace aufrecht erhält und jeden Tag 1-2 medial wirksame Termine auf sich nimmt, dann sieht die Ausgangslage doch plötzlich anders aus.
Somit : meine Prognose lautet, dass Mall wenig erreichen wird und Bucher/Eigenmann knapp um die Führung kämpfen werden aber der zweite Wahlgang zu Gunsten von Eigenmann ausgeht. Die gute Flasche Wein (die Region darfst du wählen) gebe ich dir sehr gerne, sollte ich komplett falsch liegen.
Somit beende ich definitiv meine Beiträge zum Thema. Es ist kein Chat, es ist dein Blog.
M.M. meint
Gar viele Worte um zu zeigen, wie schnell KI als Orakel missverstanden wird – und wie leicht man zugleich die eigene Intuition überschätzt.
PS: Ich wette nicht, weil mir der Ausgang der Wahl einerlei ist.