Wir müssen zuerst einen grundlegenden Irrtum beseitigen. Am 26. Oktober wird kein neues Mitglied der Baselbieter Regierung gewählt – auch wenn Parteien und Medien diesen Eindruck erwecken.
Tatsächlich handelt es sich nur um ein Qualifying. Die Kandidatinnen und der Kandidat kämpfen ausschliesslich um die Reihenfolge, in der sie an diesem Sonntag ins Ziel kommen.
Zur Erinnerung die Ausgangslage, sprich: die nackten Zahlen der Sockelstärke jedes Bewerbers. Am 19. August, als alle Kandidaturen feststanden und die Mitte ihre Unterstützung für Eigenmann erklärte, zeigte unser damals noch rudimentäres Modell folgendes Bild:

Bucher stützt sich auf die volle Unterstützung der SP plus ihre eigene GLP. Mall erreicht mindestens das Sollberger-Ergebnis von 28,5 % und schöpft damit das SVP-Potenzial aus. Eigenmann startet mit seiner FDP-Basis und dem geschlossenen Votum der Mitte-Partei. (Frühere Darstellungen wichen ab, weil der Entscheid der Mitte damals noch nicht vorlag.)
In den folgenden Wochen änderte sich die Lage nur in einem Punkt: Es wurde offensichtlich, dass die Unterstützung der SP für Bucher eher lau ausfällt. Interviews, Meinungsbeiträge und Berichte, die wir ins Modell aufgenommen haben, verschoben das Bild.
Die Favoritin der ersten Stunde verlor an Boden.
In den Debatten trat Mall mit klaren Positionen auf und bediente damit ihre Klientel ohne Umschweife. Bucher hingegen blieb vage, während Eigenmann rhetorisch schwach blieb und im gewohnten FDP-Sprech verharrte.

Wie man sieht, lag Mall in den vergangenen Wochen mit ihren klar erkennbaren Positionen vorne.
Nun aber setzt eine Wende ein. In dieser Woche hat sich die Ausgangslage spürbar verschoben. Zwei Entwicklungen markieren diesen Einschnitt: die Vertagung der BLKB-Affäre und der Pharma-Schock aus Washington.
Im Landrat scheiterte die Dringlichkeit für eine Motion, die Finanzdirektor Anton Lauber das BLKB-Dossier entziehen wollte, mit 39 zu 38 Stimmen. Bemerkenswert daran: Die SVP-Fraktion stimmte geschlossen gegen die Dringlichkeit – im Widerspruch zur Haltung von Parteipräsident Riebli noch am Vortag.
Ein Sieg für Eigenmanns FDP. Denn damit wandert die Causa BLKB in eine PUK, deren Ergebnisse frühestens 2026 vorliegen.
Für den Wahlkampf bedeutet das: kein Skandalthema mehr, sondern Ruhe. „Stabilität statt Dauerlärm“ – diese Botschaft kann vor allem FDP-Kandidat Markus Eigenmann für sich beanspruchen.
Parallel sorgt US-Präsident Donald Trump mit den angekündigten 100-Prozent-Zöllen auf Arzneimittelimporte für Nervosität. Die Basler Pharmariesen Roche und Novartis rücken damit ins Zentrum einer globalen Standortfrage; rund die Hälfte der regionalen Exporte geht in die USA.
In der Region herrscht Schockstimmung – Tausende Beschäftigte wissen derzeit nicht, wie sie von den US-Massnahmen betroffen sind.
Das ist ein klassisches Black-Swan-Ereignis – unvorhersehbar, aber mit unmittelbarer Wucht. Politisch verschiebt es die Gewichte nun klar in Richtung Wirtschaftskompetenz.
Eigenmann erscheint nun als Symbol der ruhigen Hand, während SVP-Kandidatin Caroline Mall als Polarisiererin unter Druck gerät. GLP-Kandidatin Sabine Bucher kann zwar auf Innovationsrhetorik setzen, bleibt aber ein unbeschriebenes Blatt. Selbst eine Unterstützung der Grünen heute Abend würde ihr in unserem Modell kaum mehr als einen halben Prozentpunkt bringen; eine Ablehnung könnte sie über ein Prozent kosten – ein fatales Signal in einem engen Dreikampf.
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Das Rennen bleibt ein Schneckenrennen: alle drei Kandidierenden bewegen sich um die 30 Prozent. Doch die Koordinaten haben sich verschoben. Skandalpolitik zieht nicht mehr, gefragt ist Verlässlichkeit. Eigenmann kann daraus Kapital schlagen – wenn er die Karte „sicherer Wert“ tatsächlich spielt.
Henry Berger meint
Trotz Trump-Chaos: Die Zölle auf Pharma-Produkte waren angekündigt und die beiden Basler Pharma-Riesen sind starke Investoren in den USA – genau so wie sich das Trump wünscht! Somit ein schlechtes Beispiel für ein Black Swan Ereignis.
Sorry – mittlerweile merkt man Ihren Beiträgen die zu starke Hand von KI an!
Bitte wieder mehr Messmer Original!
M.M. meint
Niemand hat 100 % Strafzölle vorausgesehen – das ist nach den 39 % nicht eine weitere, sondern DIE Kampfansage an den Standort Basel/Schweiz.
Die Zölle wie auch ihre mögliche Verhinderung hinterlassen tiefe Spuren in der lokalen Wirtschaft. Genau deshalb bewerte ich das wahlpsychologisch als Black Swan.
Und der KI-Vorwurf? Geschenkt.
unterbaselbieter meint
Sie Denken. Das ist positiv. Sie setzten sich mit der Materie auseinander. Sie machen Pläne und Visionen. Ja – BLKB – Bank – FDP – das passt – denkt der Proletarier.
Sieht man dann aber die ultra-mega-farblose-Gestalt Eigenmann ist man der Verwechslungsgefahr nahe. Keine Auszeichnung, keine Ecken und Kanten, nichts Originelles… 08/15 in Tat, Wort und Bild…
Da ist dem Proletarier die farbige, lachende, nahe, kaffeeausschenkende, debattenfreudige, manchmal kreischende, sich ins Szene setzende, plakative Mall auf jeden Fall lieber.
Meine Bauchprognose. Ganz ohne Statistik und Akademikus…. Wetten…. Weiss doch wie das Volk von BL tickt…
(Merke: Ihr Arlese ist nicht BL-Durschnitt, Alese ist BS-Entklave in Sachen Denken und Wahlen – einfach copy-paste jedoch mit mehr Zaster….)
U. Haller meint
Gut gebrüllt, Löwe. Das Domdorf, einst eine stramm bürgerlich dominierte Vorortgemeinde, hat sich politisch in den letzten Jahrzehnten tatsächlich zu einem links-grünen Aussenquartier der Stadt gewandelt, was aufgrund der Abstimmungsresultate unverblümt zu Tage kommt. Auch heute wieder: Zusammen mit Birsfelden (sogar abgelehnt), Allschwil und Pratteln gehört Arlesheim zu der Gruppe mit dem tiefsten Ja-Anteil beim Eigenmietwert. Das linke Lager wird nach dieser Schlappe jetzt erst recht alles in Bewegung setzen, um bei der RR-Wahl das „kleinere Übel“ (Zitat Juso BL) Bucher doch noch durchzuboxen.
Bringold Margareta meint
Ihre Wahlprognosen sind auch nicht mehr das, was sie nie waren. Ich erinnere Sie an Ihren Artikel im arlesheimreloaded vom 3. Februar 2023 „#WahlenBL23: Nein, Thomi Jourdan wird nicht gewählt“. Zehn Tage später durfte sich Thomi Jourdan als Regierungsrat feiern lassen. Deshalb nehme ich Ihre Prognosen gelassen zur Kenntnis. Die bürgerliche Päcklipolitik der letzten Jahre hat unseren Kanton nicht wirklich weitergebracht. Es ist deshalb Zeit, dass Persönlichkeiten gewählt werden, die sich nicht vor den Karren von der höchst fragwürdigen „Wirtschaftselite“ spannen lassen.
Mit Sabine Bucher stellt sich eine unabhängige, intelligente Juristin und ausgebildete Mediatorin zur Wahl, die Erfahrung als ehemalige Gemeindepräsidentin und aktuell Landrätin in der Bildungskommission mitbringt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sie als ehemalige Mitarbeiterin der Steuerverwaltung auch die Abläufe in der Verwaltung kennt. Wenn man in diesem Kanton etwas bewegen will, schadet es nicht, wenn man die Mechanismen des Staatsapparates kennt. Die Parteizugehörigkeit ist in einem Majorzsystem zweitrangig. Eine wichtigere Rolle wird die Frauenfrage spielen. Eine zweite Frau im Regierungsrat wird von vielen Frauen gewünscht. Daneben wird auch die Region wichtig sein. Das Oberbaselbiet wäre nach einer Wahl von Eigenmann nur noch mit Isaac Reber vertreten. Das ist zu wenig. Mit Sabine Bucher wird eine fähige Vertreterin dem ländlichen Oberbaselbiet und dem Laufental eine Stimme geben.
Margareta Bringold, Wahlen, Landrätin GLP und #teamSabine