
Die Affäre um den 105,5-Millionen-Abschreiber bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank ist längst mehr als ein Finanzskandal. Sie droht, den Baselbieter Freisinn mitten im Wahlkampf zu zerreissen – und spielt damit der SVP in die Hände.
Zwei Lager, kein Kompass
Innerhalb der FDP stehen sich zwei Fraktionen scheinbar unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite die etablierten Verbandsvertreter wie Nathalie Jermann, Balz Stückelberger und Martin Dätwyler. Auf der anderen die Revoluzzer: Christine Frey, Stefan Degen und Christoph Buser.
Und mittendrinn Leute mit Verantwortungsgefühl für die Partei, wie die Juristen Andreas Dürr und Alain Bai. Sie wissen, dass Finanzdirektor Anton Lauber politisch kaum noch zu retten ist. Doch statt sich einzubringen, zaudern sie aus Angst vor den Folgen.
Ein Parteipräsident, der führen könnte? Fehlanzeige. Melchior Buchs wirkt abwesend, ist ohne Hausmacht, trägt alles wie ein Funktionär in die schwerfällige Parteileitung, die längst als Entscheidungsbremse funktioniert.
Und so bleibt Markus Eigenmann, der FDP-Kandidat für den Regierungsrat, im Wahlkampf isoliert – umstellt von Parteikollegen, die mehr mit sich selbst beschäftigt sind als mit seiner Wahl.
Riebli als lachender Dritter
Ganz anders die SVP. Ihr Präsident Peter Riebli ist nicht bloss Zuschauer, sondern Profiteur. Er hat mit dem 185 Fragen starken Katalog zum BLKB-Debakel bereits eine Vorlage geliefert, die Medien und Öffentlichkeit mit Geschichten aus der Kategorie sex & crime versorgt.
Eine einzige dieser Fragen – etwa die Insinuation eines möglichen Bestechungsversuchs (Nr. 6: „Wurden Mandatsträger oder Mitarbeitende der BLKB durch Drittpersonen mit geldwerten Vorteilen beeinflusst oder wurde versucht, sie zu beeinflussen?“) reicht in normalen Zeiten, um Wochen voller Schlagzeilen zu garantieren.
Für Riebli ist es ein doppelter Gewinn: Die FDP zerlegt sich selbst, während seine Kandidatin Caroline Mall den Wahlkampf fast im Schweigen bestreiten kann.
Tragödie ohne Hauptdarsteller
Die FDP steckt damit in einer klassischen Swissair-Falle: Schönreden und Aussitzen, während draussen längst klar ist, dass der Absturz unvermeidlich ist. Der Unterschied: Damals ging es um eine Airline, heute um die politische Glaubwürdigkeit einer Partei, die sich immer noch für das Rückgrat der Baselbieter Politik hält.
PS: Für Sabine Bucher (glp) ist die BLKB-Affäre ein Geschenk. Sie muss nichts tun, ausser zuzusehen, wie FDP und SVP ihre Grabenkämpfe austragen.
Popcorn inklusive.
angrymonk meint
Und wer soll diesen Fragekatalog beantworten? Oder bleiben es nur Fragen?