• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Aus Russlands Drohkulisse folgt Europas Stärke

16. September 2025 By Manfred Messmer

In Europa geht die Angst vor einem Krieg um, und je näher man an der Grenze zu Russland lebt, desto dichter legt sie sich auf den Alltag.

In der Schweiz hingegen – dieser Insel der Glückseligen – gehört es fast schon zur nationalen DNA, sich von aussen bedroht zu fühlen, ja man ist fast ein wenig beleidigt, wenn die Welt sie, wie jetzt gerade, aussen vor lässt.

Und doch ist diese Bedrohung anders als die üblichen Aufgeregtheiten, die den Kontinent periodisch in Wallung versetzen. Wir haben es mit einem doppelten Druck zu tun: mit einem Putin im Osten und einem Trump im Westen.

Ein Doppelwumms.

Gleichzeitig sollte man den menschlichen Reflex nicht ausser Acht lassen: Der Feind im Kopf ist stets grösser als der, der vor der Tür steht.

Die Zahlen stützen diesen Gedanken.

Die russische Armee, vor wenigen Jahren noch als zweitstärkste der Welt gefeiert, steckt fest. In Moskau wird die Einnahme eines Weilers als Sieg vermeldet, wo man einst vom Durchmarsch nach Kiew sprach.

Ben Hodges, der ehemalige Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa, fasst es trocken zusammen: „Nach zehn Jahren Krieg kontrolliert Russland gerade einmal 18 Prozent der Ukraine. Das ist keine Erfolgsgeschichte.“ Und Trumps Sondergesandter, General Keith Kellogg, setzte gestern in Kiew noch einen drauf: „Wenn Putin gewinnen würde, wäre er bereits in Kiew, westlich des Dnepr, in Odessa und hätte die Regierung ersetzt. In Wirklichkeit verliert Russland diesen Krieg.“

So betrachtet, bleibt von der gefürchteten Übermacht eine Armee, die Drohnen auf Wohnhäuser schickt, aber keine militärischen Durchbrüche erzielt. Claudia Major erinnert daran, dass die Zahl der Soldaten allein nicht entscheidet – Ausbildung, Logistik, Moral sind es, die Kriege gewinnen.

Das jüngste Manöver Zapad-2025 bestätigt diesen Befund auf eine Weise, die mehr an ein Schauspiel erinnert als an Kriegsvorbereitung.

Dreizehntausend Soldaten – deutlich weniger als im Vorjahr – marschieren tief im belarussischen Hinterland auf, begleitet von Rauch und Knallerei.

Der Höhepunkt der Show: der Handschlag des belarussischen Verteidigungsministers mit zwei US-Offizieren, eine Szene für die Kameras im Westen gemacht. Noch vor Wochen galt dieses Manöver als Sprungbrett für einen Angriff auf die baltischen Staaten oder gar auf Polen; heute sprechen Analysten inzwischen nüchtern von einer Inszenierung vermeintlicher Stärke.

Selbst die NATO betont, es gebe keine unmittelbare Bedrohung.

Die Drohnen über Polen fügen sich nahtlos in dieses Bild. Zwei Dutzend Flugkörper, mehrere Stunden Alarmbereitschaft, NATO-Jets in der Luft, gesperrte Flughäfen und Artikel 4 aktiviert: eine Übung, wie sie auf dem Papier nicht perfekter hätte geplant werden können. Europa testete seine Reaktionsketten, erkannte seine Lücken und verlegte Truppen, ohne dass der Krieg eskalierte – eine Generalprobe ohne Generalmobilmachung.

Man ist Putin fast dankbar dafür, statt eines weiteren Planspiels einen echten Alarm durchspielen zu können. Das kommt den NATO-Ländern auch innenpolitisch zupass, denn man kann Verteidigungswillen zeigen, ohne als Kriegstreiber zu gelten.

Derweil verheizt Russland seine Wirtschaft. 15,5 Billionen Rubel fliessen 2025 in den Militärhaushalt, das sind 7,2 Prozent des BIP, und 42 Prozent des gesamten Budgets gehen in Armee und Sicherheitsapparate. Das Defizit steigt, die Inflation nagt, und die Industrie läuft am Anschlag. Die Ukraine schlägt inzwischen tief in das russische Rückgrat, trifft Raffinerien und Pipelines.

Man könnte sich fast vorstellen, wie im Kreml jemand lakonisch anmerkt, man müsse eben elektrisch fahren, wenn es kein Benzin mehr gebe.

Während Russlands Kriegsmaschine auf Hochtouren läuft, fährt Europa dagegen sein System gerade erst hoch – mit allen Problemen, die dazugehören. Das ist normal.

Und in einem Jahr, davon bin ich überzeugt, wird man sehen, dass der Kontinent industriell und politisch stärker dasteht, weniger abhängig von Washington, selbstbewusster im Umgang mit der eigenen Sicherheit.

An dieser Stelle lohnt der Blick zurück.

Ronald Reagan trieb in den 1980er-Jahren die Sowjetunion mit seinem Aufrüstungsprogramm in die ökonomische Erschöpfung. Seine „Strategic Defense Initiative“ (auch als Krieg der Sterne bekannt) war mehr Drohgebärde als technologische Realität, aber sie zwang Moskau, Milliarden in ein Wettrüsten zu stecken, das die Planwirtschaft nicht verkraftete.

Heute spielt Putin dieses Spiel mit sich selbst und zwingt Russland in den Kriegsmodus, während Europa, langsam, aber mit solider Wirtschaftskraft, nachzieht.

Der Unterschied ist entscheidend, denn diesmal ist es kein Bluff.

Die westlichen Rüstungsprogramme sind real, die industrielle Basis ist da. Am Ende könnte sich zeigen, dass Europa nicht nur seine Angst überwunden hat, sondern sie in strategische Stärke verwandelt.

Kategorie: Politik Stichworte: Nato, Russland, Ukraine

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Seitenspalte

Kommentare

  • Marc Schinzel zu Zwei Namen und kein Plan
  • Patrick Frey zu Zwei Namen und kein Plan
  • Hans Rudolf Rohr zu Zwei Namen und kein Plan
  • Marcus Denoth zu Zwei Namen und kein Plan
  • unterbaselbieter zu Zwei Namen und kein Plan
  • Baresi zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice

Letzte Beiträge

  • IMGErkältung. Grippe. Covid.
    15. Oktober 2026
    Andern Tags dachte ich: eine Erkältung, wie man sie sich auf einer mehrstündigen Fahrt in einem […]
  • Christinefrey web origZwei Namen und kein Plan
    9. Oktober 2026
    Da ist also mal wieder jemand zur bz gesprungen und hat ihr den neuesten Stand der internen […]
  • IMGWir die Schweiz handlungsunfähig?
    8. Oktober 2026
    Wir laufen bei den Bilateralen III auf eine bei einem derart gewichtigen Geschäft noch nie […]
  • IMGSo what
    7. Oktober 2026
    Ein Bundesrat ist zurückgetreten. So what. Der Nachruf ist immer derselbe: pragmatisch, kollegial, […]
  • IMGDie Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
    6. Oktober 2026
    Ich verstehe ja, dass es einfacher ist, ein derart hochkomplexes Thema wie die Bilateralen III mit […]
  • IMGSchweizer Stabilität ist anderswo Regierungskrise
    5. Oktober 2026
    Zug hat gewählt. Nicht, dass mich das weiter interessiert. Interessant ist die Grafik mit der […]
  • IMGDas aussenpolitische Mütchen
    2. Oktober 2026
    Wie willkürlich Donald Trump mit Ländern umspringt, die ihm gerade nicht ins innenpolitische […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework