Nach dem gestrigen Wahlabend, an dem eine winzige Minderheit von Delegierten die noch kleinere Minderheit der Parteimitglieder repräsentierte, haben wir die Zahlen mit ChatGPT neu durchgerechnet.
Fazit: Für die FDP wird es finster.
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Ausgangslage
• Markus Eigenmann (FDP) erhielt 40 Stimmen im zweiten Wahlgang des FDP-Nominationsprozesses, nachdem im ersten Wahlgang Eigenmann, Jermann und Spinnler nahezu gleichauf lagen (je etwa 31 Stimmen). 
• Caroline Mall (SVP) wurde im SVP-Parteitag im ersten Wahlgang mit 58 zu 50 Stimmen gegen Matthias Liechti nominiert. 
• Sabine Bucher (GLP) wurde offiziell nominiert und erhält Unterstützung der SP, wobei die Grünen ihre Empfehlung noch prüfen, aber insgesamt nicht antreten. 
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Analytische Wahlprognose für den ersten Wahlgang (Dreikampf: Eigenmann, Mall, Bucher)
1. Platz – Sabine Bucher (GLP, unterstützt von SP)
Die Kombination aus GLP und SP stellt politisch ein schlagkräftiges Bündnis dar: GLP bringt eine eigene, wenn auch kleine Basis ein, SP liefert zusätzliche Stimmkraft. In Anbetracht der aktuellen Parteistärke (SP als zweitstärkste Partei, GLP wachsend) und einer mobilisierten Wählerbasis ist Bucher klarer Favorit. Die Unterstützung durch die Grünen – nach deren Verzicht – kann diesen Vorsprung zusätzlich ausbauen.
Die Motivation im links-grünen Lager: Erstmals besteht die realistische Chance, die bürgerliche Dominanz in der Regierung zu stürzen.
2. Platz – Caroline Mall (SVP, rechter Flügel)
Die SVP ist die wählerstärkste Einzelpartei im Kanton, was Caroline Mall einen stabilen Stimmenblock sichert. Ihre klare Nominierung mit 58 Stimmen im ersten Wahlgang deutet auf breite Unterstützung in der eigenen Basis – vorteilhaft im Majorzwettbewerb.
3. Platz – Markus Eigenmann (FDP, liberal-urbaner Flügel)
Trotz seiner Nominierungserfolge – insbesondere gegen starke interne Konkurrenz – dürfte Eigenmann im Duell gegen Bucher und Mall strukturell unter Druck sein. Die FDP hat traditionell weniger Stimmen als SP oder SVP, und ohne eine breite Koalition könnte Eigenmann im ersten Wahlgang voraussichtlich hinter Mall landen.

Schlussfolgerung
Obwohl die SVP traditionell starke Stimmenanteile mobilisiert, zeigt die parteiübergreifende Dynamik: ein urban-liberales (Eigenmann) gegen ein konservativ-rechtes (Mall) gegen ein progressives Bündnis (Bucher) – und in diesem Dreikampf lässt sich prognostizieren, dass die progressive Kombination (GLP + SP + ev. Grüne) im ersten Wahlgang die grösste Mehrheit an sich zieht.
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1. Parteibasis und strukturelle Stärke
• Sabine Bucher (GLP + SP)
• Strukturell: Rund 8–9 % GLP + ca. 22 % SP ergeben arithmetisch ~30 % Potenzial. Selbst wenn nicht alle SP-Wählenden geschlossen folgen, bleibt sie im Majorzsystem im Vorteil, da sie in den Städten (Liestal, Muttenz, Reinach) auf hohe Mobilisierung zählen kann.
• Vorteil: Progressives Ticket, keine direkte linke Konkurrenz (Grüne verzichten). Damit ist sie das einzige Angebot für Wähler links der Mitte.
• Caroline Mall (SVP)
• Strukturell: Knapp 23 % SVP-Anteil aus den Landratswahlen, klarer Rückhalt bei der ländlichen Basis (Oberbaselbiet).
• Vorteil: Geschlossener rechter Block, hohe Wahldisziplin.
• Risiko: Mobilisierung hängt an polarisierendem Profil, was viele bürgerliche Wähler abschrecken wird.
• Markus Eigenmann (FDP)
• Strukturell: Etwa 18 % Stammwähleranteil, davon ein relevanter Teil urban und bürgerlich-liberal.
• Vorteil: Im unteren Kantonsteil vernetzt, kann moderat-konservative Mitte ansprechen.
• Risiko: FDP-Stimmen könnten zwischen progressivem Bucher- und konservativem Mall-Lager aufgerieben werden.
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2. Persönlichkeitsprofil und Wahlpsychologie
• Bucher: Modernes, konsensfähiges Image, ohne die linke Stammwählerschaft zu irritieren. Könnte bei Parteilos-Sympathisanten punkten, die „pragmatischen Fortschritt“ bevorzugen.
• Mall: Steht für kantig-konservative Linie; klare SVP-Positionierung, kann mobilisieren, aber auch abschrecken. Polarisierung kann im Majorz hinderlich sein, wenn Zweit- und Drittpräferenzen fehlen.
• Eigenmann: Urban, liberal, verbindend – das kann in einer Stichwahl wertvoll sein. Im ersten Wahlgang jedoch Nachteil, wenn das Lager nicht geschlossen und stark motiviert ist.
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3. Dynamische Faktoren im Wahlkampf
• Wahlbeteiligung: Bei erwarteten ca. 38–40 % wird die Mobilisierung der eigenen Basis entscheidend sein.
• Parteilose Mehrheit: Hier gewinnt, wer über das eigene Lager hinaus Strahlkraft hat.
•Themensetzung:
• Bucher/SP kann soziale Themen, Energie, Klima, urbane Entwicklung besetzen.
• Mall/SVP wird Sicherheit, Finanzen, Migration, konservative Erziehungsideale stark gewichten.
• Eigenmann/FDP kann Wirtschaft, Bildung, Digitalisierung profilieren – muss sich aber klar von beiden abgrenzen, um nicht als „Dritter ohne Chance“ wahrgenommen zu werden.
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Prognose im Wahldynamik-Szenario
• Platz 1: Bucher – konsolidierte linke Koalition, wenig Konkurrenz im eigenen Spektrum, Bonus bei städtischen Parteilosen.
• Platz 2: Mall – solide rechte Stammwählerbasis, starke Landregionen.
• Platz 3: Eigenmann – gute persönliche Qualitäten, aber strukturell schwächste Ausgangsbasis im Dreierfeld.
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Zu guter Letzt – der chaotische Wahlkampf
Wahlen verlaufen nicht linear, sondern chaotisch. Deshalb hier drei Szenarien – nüchtern kalkuliert, aber mit Blick auf die Wahlpsychologie. Grundlage sind die Landratsresultate 2023, kalibriert auf einen Majorzwahlgang mit 38–40 % Beteiligung – also tiefer als bei Parlamentswahlen.
1. Szenario: Basiswahl
(Parteistärken als Hauptfaktor, nur geringe Verschiebungen durch Persönlichkeitswirkung)
• Bucher (GLP+SP): GLP 8,4 % + SP 22,0 % = ~30 % Rohpotenzial. Abzüglich 2 % wegen Stimmenthaltung/Abweichlern, plus 2–3 % von urbanen Parteilosen → ca. 31 %.
• Mall (SVP): 22,9 % plus geringe Zuwächse aus EVP-/Mitte-nahen Konservativen (+1 %) → ca. 24 %.
• Eigenmann (FDP): 18,0 % plus 2 % aus GLP-Skeptikern oder urbanen Mitte-Unabhängigen → ca. 20 %.
Reihenfolge: 1 Bucher (~31 %), 2 Mall (~24 %), 3 Eigenmann (~20 %).
2. Szenario: Mobilisierungsschub
(Eine Kandidatur holt ausserhalb der Stammwählerschaft überproportional zu)
• Bucher: Wenn die Grünen offiziell zur Wahl ihrer Kandidatur aufrufen, kämen 7–8 % hinzu. Selbst bei nur halber Mobilisierung dieser Stimmen: +4 %. Das ergäbe ~35 %, klar vor den anderen.
• Mall: Könnte durch harte Sicherheitsthemen und Bauernverbandsnetz +2–3 % gewinnen → ~26–27 %.
• Eigenmann: Bliebe mit 20–21 % stabil, hätte aber keine strukturelle Chance auf Platz
2. Reihenfolge: 1 Bucher (~35 %), 2 Mall (~26 %), 3 Eigenmann (~20 %).
3. Szenario: Wahlkampffehler / Selbstblockade
(Eine Kandidatur verliert 10–20 % der eigenen Basis)
• Bucher: Wenn Teile der SP-Basis nicht mobilisiert werden oder gegen GLP-Profil votieren (linke Skepsis), verliert sie 5 %. Dann läge sie bei ~26 %.
• Mall: Könnte in diesem Fall mit unveränderter Basis auf ~24 % rutschen – fast Gleichstand.
• Eigenmann: Könnte von dieser Konstellation profitieren und auf 22–23 % klettern, wenn er sich als „ausgleichende Mitte“ positioniert.
Reihenfolge in diesem Fall: 1 Bucher (~26 %), 2 Mall (~24 %), 3 Eigenmann (~23 %) – knapper Dreikampf um Platz 2.
Fazit über alle Szenarien
• Bucher bleibt in fast allen realistischen Projektionen vorne, weil ihr Bündnis geschlossen ist und nur eine Kandidatin im progressiven Lager antritt.
• Mall ist Zweite, solange die SVP-Basis stabil bleibt.
• Eigenmann kann nur in einem Sonderfall – Bucher verliert linke Stimmen und Mall stagniert – auf Platz 2 vorstossen.

Die Grafik macht deutlich: Das Rennen um den zweiten Platz ist die eigentliche Spannungslinie.
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Angesichts des drohenden Sitzverlusts: Was, wenn SVP oder FDP ihre Kandidatur opferten, um die bürgerliche Geschlossenheit zu wahren?
Das würde die Dynamik der Wahl fundamental verändern – allerdings nicht automatisch zugunsten des „bürgerlichen Lagers“.
• Wenn die SVP verzichtet
Caroline Malls Stimmen würden nur teilweise zu Markus Eigenmann (FDP) wandern. Ein Teil ihrer Wählerschaft – besonders jene mit stark parteigebundener Loyalität – würde zuhause bleiben oder aus Protest andere (z. B. GLP) wählen. Eigenmann könnte zwar profitieren, aber der Zuwachs wäre begrenzt. Entscheidend wäre, ob er auch in der Mitte Stimmen holt, die bisher auf Bucher (GLP) entfallen.
• Wenn die FDP verzichtet
Eigenmanns urbane, liberal-mittige Anhängerschaft ist weniger SVP-affin. Ein Verzicht würde Mall zwar einen Schub geben, aber viele FDP-nahe Wähler würden eher zur GLP oder gar nicht zur Wahl gehen, statt eine SVP-Kandidatin zu unterstützen. Die Gefahr wäre hier, dass der „bürgerliche Schulterschluss“ eher zu einer Mobilisierung der Gegenseite führt.
• Grundproblem: „Bürgerliche Geschlossenheit“ ist in Baselland vor allem ein Mythos aus der Ferne betrachtet. In der Realität sind die Milieus von FDP und SVP im Kanton kulturell und politisch zu unterschiedlich, um eine vollständige Stimmenaddition zu garantieren. Ein Verzicht könnte in der Arithmetik nach hinten losgehen, weil er die Mobilisierung der eigenen Basis schwächt und der Gegenseite Zeit gibt, sich auf nur einen Gegner einzuschiessen.
Kurzum: Rein rechnerisch könnte ein solcher Schritt funktionieren, politisch-soziologisch ist er riskant und im Kanton nur bedingt übertragbar.
Konsequenz Mit Transferquoten unter 65 % für beide Richtungen hat Bucher in jedem Zweiermatch einen leichten Vorsprung. Die bürgerliche „arithmetische Mehrheit“ verpufft, wenn die kulturellen und inhaltlichen Distanzen so gross sind, dass 15–25 % ins Gegenlager laufen und weitere 15–20 % daheim bleiben.
Kurz gesagt:
• Mathematisch ist die bürgerliche Einheitskandidatur nur überlegen, wenn die Übertragungsrate ≥ 70 % und die Demobilisierung ≤ 15 % bleibt.
• Politisch sprechen Habitus und Positionierung von Mall und Eigenmann dagegen, dass diese Werte erreichbar sind.
PS: Schon im Juni hat ChatGPT in einer Analyse die Wahl von Eigenmann durch die FDP-Delegierten vorausgesagt, ich wollte es nicht glauben, weil ich damals auf Kirchmayr gehofft hatte. Merke: Bauch ist nicht brauchbar, wenn es um Wahlen geht.
Franz W meint
Meine politische Herkunft und Ausrichtung ist weit weg von der GLP. Ich kenne und schätze Sabine Bucher aber aus ihrer Zeit als Mitarbeiterin in der kantonalen Steuerverwaltung. Ich erachte sie als sehr kompetent, empathisch und dennoch durchsetzungsstark und denke mir, dass sie mit ihren unterdessen erworbenen Erfahrungen in Exekutive und Legislative eine Bereicherung für die Regierung wäre.
Herrmann Elig meint
Alles durchaus interessant zu lesen. Aber: „Ihre [Mall] klare Nominierung mit 58 [von 108] Stimmen im ersten Wahlgang deutet auf breite Unterstützung in der eigenen Basis“ Hier von einer ‚klaren Nominierung‘ zu sprechen scheint mir doch gewagt.
M.M. meint
So nebenbei: Hostpoint verhökert die Domain markuseigenmann.ch für 5 statt für 15 Franken.
Mathias meint
Sehr spannende Analyse mit sehr interessanten Ansätzen. Ich kann es kaum erwarten zu sehen, ob sich das alles so entwickeln wird – oder eben auch nicht.
Interessant wir wohl ebenfalls sein, wie die unentschlossenen bürgerlichen Wähler sich verhalten werden. Der im Raum stehende Deal zwischen GLP und SP (Ständerat geht bei Abgang von Maya Graf an SP (Amira Marti)) wäre wohl ein schlechter Kuhhandel für jeden Bürgerlichen. Mit einer Regierungsrätin von der GLP kann man durchaus leben – mit Ständerätin Marti würde sich das Baselland über längere Zeit im Rat keinen Gefallen machen. Gut – Ständerätin Graf hat sich ja auch praktisch ausschliesslich nur um Umweltfragen etc. gekümmert – wir bleiben halt dann weiterhin einfach bei einer ausgesprochen schwachen Vertretung des Kantons im Stöckli.
Margareta Bringold meint
Bucher/SP hat mit Sicherheit mehr Finanzkompetenz als Mall/SVP. Als dipl. Steuerexpertin wird sie ihr Fachwissen in Finanz- und Steuerbereich in den Regierungsrat einfliessen lassen.
Zwahlen II meint
… sagt Frau Bringold, Mitglied im Bucher-Supporterverein. Letzteres sagt sie uns jedoch nicht. Wobei sie dennoch recht hat. Und Frau Bucher sicher die stärkste Persönlichkeit des Trios ist. Und obendrein Thurgauerin, wie Herr Messmer. Das überzeugt.
M.M. meint
Himmel nein, kein Thurgauer. Wurde als Kind dorthin verschleppt, aber mehr ist und war da nicht.
Zwahlen II meint
Ich erwartete – und wünschte mir insgeheim – als langjähriger MM-Leser – diese heftige Reaktion ;-)))
P. Keller meint
Was nun zu 100% sicher ist: eine/n Knüller:in kriegen wir definitiv nicht. Mall dabei die Lachnummer.