Kaum sind die Kandidaten gesetzt, melden sich die üblichen Kommentatoren zu Wort: Die SVP solle ihre Frau zurückziehen, der FDP den Sieg gönnen – und alles wäre gut.
Da steckt mehr Verzweiflung als strategisches Kalkühl dahinter.
Schön wär’s, wenn Politik so einfach wäre. In Wahrheit wäre ein Rückzug der SVP nichts anderes als vorauseilende Kapitulation.
Des bürgerlichen Lagers.
Denn die erste Schlacht entscheidet sich nicht zwischen Eigenmann und Mall, sondern gegen Sabine Bucher.
Alle Rückzugs-Szenarien – ob als Wunschdenken der FDP oder als taktisches Kalkül der SVP – setzen stillschweigend voraus, dass Markus Eigenmann im Alleingang wählbarer ist als Caroline Mall. Das ist derzeit nicht der Fall.
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- Eigenmann ist kein Schwergewicht, sondern ein eher blasser Funktionärstyp, ohne charismatische Strahlkraft.
- Innerhalb der FDP gilt er als valabel, aber nicht als „Kandidat mit Magnetwirkung“ über die Partei hinaus.
- Sein Vorteil ist eher die Abwesenheit von Angriffspunkten als die Präsenz einer grossen Figur.
Deshalb sollen sich FDP und SVP ein realistisches Ziel setzen: Die GLP darf im ersten Wahlgang nicht durchkommen – Punkt.
Denn wer jetzt „Einheitsfront“ ruft, unterschätzt den Ernst der Lage. Zwei bürgerliche Kandidaten sind kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Nur so wird das ganze Spektrum – von rechts bis zur Mitte – mobilisiert, nur so verhindert man die grünliberale Überraschung.
Zweitens: Der erste Wahlgang ist kein Schönheitswettbewerb, sondern ein Realtest. Er zeigt, welche bürgerliche Linie trägt. Wer heute schon Kandidaten opfert, verzichtet auf diese entscheidende Standortbestimmung.
Das eigentliche Spiel beginnt ohnehin erst im zweiten Wahlgang. Dann steht das bürgerliche Sein oder Nichtsein auf dem Spiel – und dann wird man sich einigen müssen.
Dann muss ein Kandidat ins Feld geschickt werden, der das gesamte bürgerliche Spektrum bedient – auch den rechten Rand. Gut möglich, dass das Eigenmann sein kann, der bis dahin im Schnelllauf einen Lernprozess durchlaufen hat.
Wer nicht kompromissfähig ist, überlässt den Linken das Feld.
Also: Schluss mit dem Gerede vom Rückzug. Getrennt marschieren, vereint siegen – das ist die einzige bürgerliche Strategie mit Aussicht auf Erfolg. Alles andere ist politischer Selbstmord aus Angst vor dem Risiko.
Zwahlen II meint
Alternativ könnten wir uns – unabhängig von unseren politischen Neigungen – nolens volens für die Person mit dem stärksten Persönlichkeitsprofil und dem bestgeeigneten Rucksack einigen. Und das ist nun mal Frau Bucher. Mit dem privatunternehmerischen Startup-Wirken des (netten) Herrn Eigenmann wird die FDP mässig punkten können. (Auch) für ihn wird Regierungsrat viel lukrativer sein.
M.M. meint
Ich werde mich in den nächsten Wochen nicht in die Niederungen meines Bauchs begeben. Ich habe viel zu grossen Spass an der Analyse von der Seitenlinie aus.
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