
Nur noch Laos, Myanmar und Syrien stehen seit heute schlechter da als die Schweiz mit ihren 39 % Zoll auf ihre Exporte in die USA – vorerst ohne Pharma.
Wir könnten es damit erklären, dass dieser Zollhammer Ausdruck einer kurzsichtigen US‑Politik ist, die Handelsbilanzen wie eine Börsentafel liest und kleine Ausreisserländer wie die Schweiz übermässig hart trifft.
Doch jenseits solcher Erklärungen ist da ein Déjà‑vu: Erneut straft der Fluch des Goldes die Schweiz ab – ein Schatten, den sie seit Jahrzehnten wirft (mehr dazu).
Denn es waren vor allem Goldimporte aus Grossbritannien, in der Schweiz umgeschmolzen und anschliessend in die USA exportiert, die einen massgeblichen Anteil am US‑Handelsdefizit mit der Schweiz hatten.
Gemäss SNB entfielen 2024 bereits 27 % des Schweizer Warenhandelsvolumens auf Gold – mehr als auf Pharma (22 %). Allein im Januar 2025 stiegen die Goldexporte in die USA auf 192,9 Tonnen, nach 64,2 Tonnen im Dezember – der höchste Monatswert seit mindestens 13 Jahren.
Das Goldgeschäft ist keine Industrieproduktion, sondern ein globaler Handels‑ und Arbitrageprozess.
Doch was nützt es, dem Irrationalen mit faktenbasierten Analysen zu begegnen – wenn am Ende nicht Vernunft, sondern Macht das letzte Wort hat.
Genau hier zeigt sich die Stellung der Schweiz in der Welt: ein politischer Zwerg, der handelsmässig weit über seine eigentliche Grösse hinausagiert – und gerade deshalb so verletzlich ist. (Zum Beispiel, weil Trump der Basler Pharmaindustrie mit einem Ultimatum die Geschäftsgrundlage zu entziehen droht.)
Die Schlussfolgerung ist schmerzhaft, aber unausweichlich: Der Versuch der Schweiz, sich mit Handelsabkommen und Vertrauen in eine regelbasierte Welt neutral durchzuwursteln, ist gescheitert.
Die Zeit des Lavierens ist vorbei. Ab heute geht es nicht mehr um neue Handelspartner, sondern um Verbündete.
Die USA sind keine Verbündeten der Schweiz. Die Staaten der Europäischen Union aber sind es – oder können es werden.
Das kostet: Geld und Souveränität.
Doch einen besseren Deal als die Bilaterale III wird es nicht mehr geben. Nachdem die USA der Schweiz die Türe mit lautem Knall zugeschlagen haben, bleibt nur noch eine Türe offen – und was heisst Türe: Es ist ein weit geöffnetes Tor. Es führt nach Europa und zur Europäische Union.
Die Diskussion über die Bilateralen III wird ab heute eine andere sein. Noch gestern galten die von Frau von der Leyen ausgehandelten 15 % als Zeichen der Schwäche – ab heute erscheinen sie als starkes Ergebnis.
Die Zuger Milliardäre und ihre Sprachrohre können ihre fehlenden Alternativen nicht länger übertünchen. Entweder sie legen einen überzeugenden Plan B vor – oder sie halten endlich die Klappe.
Der Bundesrat wäre gut beraten – eine Redewendung, die ich eigentlich verabscheue. Also ohne Floskeln: Er muss den vorgesehenen Abstimmungstermin 2027 für die Bilateralen III ernsthaft überdenken.
Und ihn auf 2026 vorziehen. Denn die Schweiz hat keine Zeit mehr zu verplempern. Das Tor nach Europa steht weit offen – doch es könnte sich schneller schliessen, als uns lieb ist.
PS I
Einige, die meinen, so schlimm werde es schon nicht werden, setzen ihre Hoffnung auf ein Verfahren vor dem U.S. Court of Appeals for the Federal Circuit. Dort geht es um die Frage, ob der Präsident eigenmächtig Zölle verhängen darf oder ob dies zwingend vom Kongress beschlossen werden muss. Ein Urteil wird im November erwartet.
PS II
Andere vertrauen auf TACO („Trump Always Chickens Out“) – die Vorstellung, Trump rudere auch im Fall der Schweiz in den nächsten Tagen zurück.
PS III
Und dann gibt es noch jene, die glauben, die Schweiz müsse Härte zeigen: den Kauf der F‑35 stornieren und die Guten Dienste für die USA im Iran einstellen.
Allen gemeinsam gilt: you dreamer, du.
Daniel Flury meint
Wird jetzt der Import von Gold in die USA auch mit 39% besteuert?
Oder ist das die eine Ausnahme, weil es IHN selbst betrifft?
M.M. meint
Gute Frage.
Nein – Gold ist explizit von diesen US-Zöllen ausgenommen. Laut Berichten betrifft der Strafzoll nicht Goldimporte aus der Schweiz.
Ironie: Gold zählt nicht zu den industriellen Waren.
Franz. X. Schneiterhahn meint
Wieso wählen wir immer wieder PolitikerInnen mit einer „Ich-hab-alles-im-Griff“-Attitüde bzw. Mimik? Frau KS, Herr Lauber und und und. Schauen Sie sich die aktuellen KandidatInnen in BL an – es geht unverdrossen weiter mit der Blendung. Was nur schon da wieder für Kapazitäten aus dem Zylinder gezaubert werden. Ihr lokaler Ortsvorsitzender gehört auch dazu: Festredner auf der FDP-Kulturwiese, Teilnahme am Dorfschönheitswettbewerb der Schweizer Illustrierte (geht’s noch peinlicher?) und im Gegenzug die Ortskernplanung für weitere lange Jahre vergeigt.
Marc Schinzel meint
Warum kandidieren Sie nicht selbst? Dann käme es sicher besser …