Ei, wird jetzt gejammert. Und hurti nach dem Staat gerufen.
Man bekommt fast den Eindruck: KMU sind auch nur Bauern. Solange die Sonne scheint, wird das Loblied auf den freien Markt gesungen – kaum zieht ein Zollgewitter auf, soll es plötzlich der Bundesrat richten.
Zur Lage: Der 39-Prozent-Zoll ist ein kalkulierter Schlag – präzise gesetzt, strategisch aufgeladen. Trump drischt auf die Schweiz, doch die Botschaft gilt Europa.
Selbstverständlich: Der Vorgang ist ungewohnt aggressiv, politisch brüsk, wirtschaftlich irritierend. Aber richtet er einen systemischen Schaden an?
Wohl kaum.
Das Bruttoinlandprodukt wächst laut Prognosen weiterhin – bescheiden zwar, aber stabil: 0.5 bis 1 Prozent. Das ist keine Katastrophe, sondern Konjunkturrealität.
Wer wissen will, wie eine echte Krise aussieht, erinnere sich an den Frühling 2020: Damals wurden Zehntausende Betriebe per Verordnung geschlossen – nicht vom Markt, sondern vom Staat.
Heute dagegen: Gelassenheit im Bundesrat. Kein Gegenangriff, keine Strafzölle.
Parmelin verweist achselzuckend auf das asymmetrische Kräfteverhältnis – und hat recht. Die Schweiz kann, ökonomisch wie diplomatisch, nur verlieren, wenn sie das Trump’sche Powerplay mitspielt.
Keller-Sutter wiederum hält stand. Sie habe Trump sehr wohl zugehört, wie sie sagt – aber sich nicht vorwerfen lassen, die Schweiz sei verantwortlich für 40 Milliarden US-Handelsdefizit.
Der Vorgang zeigt, was geschieht, wenn man es wagt, Trump zu widersprechen: Der Zorn ist unmittelbar, die Vergeltung maximal – das Gesprächsniveau minimal.
Fazit: Die Schweiz steht unter Druck, aber nicht am Abgrund. Dieses Spiel ist nicht verloren – es hat gerade erst begonnen.
PS: Neueste Entwicklung – Die USA belegen neu 1-kg- und 100-oz-Goldbarren mit Zöllen – ein Schlag für die Schweizer Raffinerien, die den Weltmarkt dominieren. Überraschend ist nicht die Massnahme, sondern dass Washington die von der Branche erhoffte Ausnahme einfach kassiert. FT.
Daniel Flury meint
Bin dann mal gespannt auf die 250% Strafzölle auf Medizin, die in den USA Leben rettet.
Vielleicht helfen ja die Regentänze der MAGA-Schamanen vor dem Capitol, um aus Kennedys Schlangenöl eine richtig gutgehende Marke zu machen.
Im Trailerpark glaubt man bekanntlich alles, das aus dem Fernseher (sorry, Cellphone) kommt.