Die FDP wird ihr Communiqué zur Kandidatenwahl in Kürze veröffentlichen – wir haben es bereits letzte Nacht getan.
Gehen wir also gleich einen Schritt weiter und wagen eine Prognose für den ersten Wahlgang: Unabhängig vom Kandidaten stehen die Vorzeichen für die FDP schlecht.
Ausgangslage: Parteistärke im Landrat (Stand 2023):
SVP: 22,9 %
SP: 22,0 %
FDP: 18,0 %
Grüne: 12,5 %
Die Mitte: 10,9 %
GLP: 8,4 %
EVP: 5,2 %
Zwar gibt es keine verlässlichen Umfragen zu parteilosen Wählerinnen und Wählern. Doch der hohe Anteil von Mitte- und EVP-Sympathisanten (zusammen knapp 16 %) sowie der GLP (8 %) deutet darauf hin, dass diese Gruppe nicht geschlossen zur SVP oder FDP tendiert. Vielmehr teilt sie sich auf – mit einem spürbaren Vorteil für die GLP.
Neben Parteistärke und Mobilisierungskraft entscheidet eine weitere Zahl: die Wahlbeteiligung.
Für die Berechnung gehen wir von jenen 38 % aus, die auch 2013 erreicht wurden – im Duell Thomas Weber gegen Eric Nussbaumer.
Obwohl die SP damals einen kantonal- und auch national bekannten Politiker ins Rennen schickte, blieb die Beteiligung in der Endausscheidung unter 40 %.
Berechnungsschritte:
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Basis:
Wir nehmen die Landratsparteistärken als Orientierung für den jeweiligen „Sockel“ der Parteien unter den tatsächlichen Wählern. -
Mobilisierungsannahme:
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Stammwähler der SVP sind überdurchschnittlich mobil → Faktor 1,05
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SP/Grüne/GLP mobilisieren gut, wenn es eine gemeinsame Kandidatin gibt → Faktor 1,00–1,05
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FDP mobilisiert solide, aber ohne besondere Begeisterung → Faktor 0,95
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Mitte/EVP mobilisieren unterdurchschnittlich → Faktor 0,90
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Umrechnung auf 38 % Beteiligung:
Wir berechnen, wie viele der Stimmberechtigten (100 %) tatsächlich für wen abstimmen, und normieren das dann auf die 38 % Beteiligten.


Ergebnisprognose (1. Wahlgang, normiert auf 38 % Beteiligung):
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GLP-Kandidatin – ca. 55 % der Stimmen
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SVP-Kandidat – ca. 29 %
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FDP-Kandidat – ca. 20 %
Zwahlen II meint
Die FDP, einst bekannt dafür, vor Wahlen ihre Anzugträger zu Haustürbesuchern zu machen und Gratisfahrten zur Urne (Wahllokal, nicht Friedhof) für betagte Wählerinnen und Wähler zu organisieren, wird nach Ihrem Weckruf nun wohl alle Register ziehen. Man darf gespannt sein, ob Herr Eigenmann demnächst auf dem Postplatz goldene Schoggi-Setzwerkli (Setz-Zwergli?) oder, noch besser, Fruschd-Tabletten verteilt. Egal, keine/r der zu Wählenden haut irgendjemand um.
Zwahlen II meint
Wieso schaffen wir nicht mal ein Gefäss für so etwas – für unabhängige Regierungsratskandidaturen im Kanton Basel-Landschaft, die zwar formal möglich, aber praktisch stark benachteiligt sind? Ohne Parteiapparat fehlt es ihnen an Ressourcen, Sichtbarkeit und Zugang zu öffentlichen Plattformen. Um echte Wahlfreiheit und politische Vielfalt zu gewährleisten, braucht es kantonale Massnahmen wie Wahlkampfkostenerstattungen bei minimal erreichter Stimmenzahl, Zugang zu öffentlichen Räumen und faire mediale Präsenz. Der Kanton sollte solche parteilosen Bewerbungen aktiv fördern – finanziell, organisatorisch und kommunikativ. Klar, der Rahmen müsste definiert sein, damit Transparenz, Fairness und Missbrauchsschutz gewährleistet sind – aber genau dafür braucht es den politischen Willen und einen konkreten Vorschlag.
PS: Nein, ich bin nicht mit irgendeinem der vielen Kirchmayrs – gibt’s eigentlich noch keinen in der SVP? – verbandelt.
Henry Berger meint
…weil das Schweizer Konkordanz-System mit parteilosen Regierungs- oder Bundesräten nicht funktioniert! – so einfach ist das!
Daher wird die schwindende Bindung an Parteien für dieses System auch zunehmend zum Problem.
Mathias Treyer meint
Weil eigentlich niemand diesen Job machen will – schon gar keiner, der nicht schon aktiv in der Politik tätig ist und nicht schon jeden Abend für den Turnerabend, Jodelfest und Co. unterwegs ist. Auch wenn die Bezahlung gut ist – die Freizeit und Familie ist dann wohl den meisten doch wichtige – ausser man ist mit Leib und Seele Politiker. Und das sind mit Sicherheit alle Kandidaten, welche nun (noch) im Rennen sind – parteiübergreifend.
Ich denke aber, dass Regierungsratswahlen vielmehr Personenwahlen und nicht Parteiwahlen sind, insbesondere auch bei Ersatzwahlen. Und da spielt es doch eher eine Rolle, wie aktiv ein Kandidat in der Gesellschaft ist. In unserem Mikrokosmos Gemeinde und Kanton dürfte das wichtiger sein – nicht das Parteibuch. Das spricht für Eigenmann oder Spinnler, welche hier beide sehr aktiv unterwegs sind. Wir brauchen Macher im Regierungsrat, nicht Parteivertreter.
Ich wette also dagegen und behaupte, dass die FDP den Sitz mit Eigenmann oder Spinnler wieder besetzen kann – auch wenn Frau Bucher nun den Support der SP hat. Zumindest fachlich scheinen alle Kandidaten in der Lage zu sein, den Job aufzufüllen. Das beruhigt schon einmal – das war in Basel-Stadt nicht immer der Fall – und ich rede nicht nur von Eric Weber.
Es wird also sicher spannend. Ob das im ersten Wahlgang reicht… ich habe da auch meine Zweifel. Aber auf das Resultat Eigenmann oder Spinnler setzte ich eine gute Flasche Wein – dich ich dir gerne auch Übergebe, Manfred, wenn deine Prognosen eintreffen und Frau Bucher im ersten Wahlgang gewählt wird. Denn das kann nur das Resultat deiner Analyse sein.
M.M. meint
Niemand wird im ersten Wahlgang gewählt. Dass die GLP-Frau vorne liegen dürfte, liegt allein daran, dass sich FDP und SVP die Stimmen streitig machen.
Spannend wird es erst in der zweiten Runde, dann gibt’s eine neue Berechnung.
U. Haller meint
Ein anderer Blickwinkel: Nebst dem Argument Personenwahl darf auch die rein fachliche Optik nicht ausser Acht gelassen werden. Und hier käme für mich als Gschwind-Ersatz primär Caroline Mall in Frage, so sie denn überhaupt nominiert wird. Damit wäre die grösste Partei im Kanton nach dem Sollberger-Debakel doch wieder im RR vertreten. Damit könnte ich auch gut leben.
angrymonk meint
Was bringt denn Frau Mall fachlich mit?
P. Keller meint
KV. Reicht doch.
Walter Basler meint
ROFL