Es ist kaum zu glauben: Während beispielsweise Grüne, SP und SVP ihre Kandidaten mit einem Assessment auf Herz und Nieren prüfen, verzichtete die FDP-Parteileitung offenbar vollständig darauf.
Waren wohl alle in der Sommerfrische.
Die drei Nominierten scheinen nach der Methode „feuchter Finger in den Wind“ ausgewählt worden zu sein.
Doch wer für den Regierungsrat antritt, braucht mehr als Parteitreue, ein Amt und einen soliden Lebenslauf.
Wahlkampf heisst: Druck aushalten, Angriffe parieren, die eigene Linie durchziehen – und das über Wochen, mit voller Kraft.
Darum hier ein Katalog für die Delegierten, den sie heute Abend abarbeiten sollten – um den Besten ins Rennen zu schicken.
Diese Versammlung ist keine Missenwahl, sondern ein Assessment für eines der wichtigsten Ämter im Kanton.
Gerade in diesen düsteren Krisenzeiten.
ChatGPT spukt einen solchen Assessment-Katalog in unter 10 Sekunden aus.
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Assessment-Fragenkatalog – Intern, Vertraulich
1. Integrität
☐ Gab es in den letzten zehn Jahren Vorstrafen, Verfahren, Betreibungen oder mediale Kontroversen?
☐ Gibt es berufliche oder private Verbindungen, die im Wahlkampf zur Hypothek werden könnten?
☐ Sind alle Interessenbindungen offengelegt – oder wartet irgendwo eine Überraschung?
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2. Politische Kompatibilität
☐ Wo weichen Sie von der Parteilinie ab – und wie gehen Sie im Amt damit um?
☐ Welche Allianzen lehnen Sie kategorisch ab?
☐ Sind Sie bereit, unpopuläre Entscheidungen öffentlich zu vertreten – auch gegen Widerstand im eigenen Lager?
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3. Persönlicher Einsatz
☐ Wieviel Zeit investieren Sie realistisch für den Wahlkampf – auch an Wochenenden und Abenden?
☐ Welche Netzwerke bringen Sie ein: politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich?
☐ Welche finanziellen Mittel können Sie selbst beisteuern – oder in Ihrem Umfeld mobilisieren?
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4. Krisenfestigkeit
☐ Wie reagieren Sie auf gezielte Angriffe in den Medien?
☐ Welche Erfahrung haben Sie mit politischem Druck und öffentlicher Kritik?
☐ Haben Sie schon einmal einen öffentlichen Shitstorm überstanden – und was haben Sie daraus gelernt?
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5. Die entscheidende Frage
☐ Warum, ganz konkret, glauben Sie, diese Wahl zu gewinnen?
☐ Welche Wählersegmente sprechen Sie an – und mit welcher Botschaft?
☐ Wo liegen Ihre Schwächen – und wie kompensieren Sie diese?
☐ Falls Sie scheitern: Woran wird es am wahrscheinlichsten gelegen haben?
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Fazit: Wer diese Fragen souverän beantwortet, ist wahlkampffähig.
Wer ausweicht oder ins Schwimmen gerät, sollte gar nicht erst antreten – denn die Öffentlichkeit stellt sie spätestens im Wahlkampf.
Henry Berger meint
Ein Kanton, dessen Raison-d‘être zu 95% aus der Abgrenzung gegenüber dem Stadtkanton besteht, kann per se keine extrem brillante Regierungsräte hervorbringen (auch in BS sind sie es nicht).
Verhältnisse BL-BS auf die Region Zürich übertragen: Oerlikon wäre bereits in einem anderen Kanton und zudem von Uster aus regiert…
Zwahlen II meint
Ich weiss, ich wiederhole mich. Einer aus dem Dreierkreis wird es werden. Die Delegierten haben ihre Entscheidung längst getroffen. Niemand wird mit kritischen Fragen gegrillt heute. Eine/r wird ausgewählt, und dann vom Volch gewählt – und wir können ihn oder sie innerlich bereits verabschieden. Denn in den kommenden Jahren wird sie/er keine Spur hinterlassen. Man betrachte nur Arlese und den stets lieben Herrn Eigenmann: ein Dorfschönheits-Wettbewerb für die Schweizer Illustrierte, ein überteuerter Kitschbau, dazu auf Jahre hinaus ungelöster Streit im Ortskern. Mehr ist nicht geblieben. Doch genau so funktioniert unser System – allen voran das der FDP, das seit Jahrzehnten erstarrt ist. Alles, wie gesagt, eine grosse Illusion, die Projektion unserer Hoffnungen.
Mathias meint
Oh la la, Herr Zwahlen II. Da liegen offensichtlich persönliche Probleme zwischen Ihnen und Herrn Eigenmann vor, die eine objektive Einschätzung erschweren. Da wird dann mal weggelassen, dass Markus Eigenmann die treibende Kraft für eine Anpassung im Finanzausgleich ist, hat massgeblich zum Straumann-Deal beigetragen, wie auch zur Birsstadt, ist Mitbegründer und OK-Mitglied des Kulturzirkus. Nur ein paar Beispiele – da gäbe es noch viel mehr aufzuzählen.
Auch wenn man politisch nicht mit Markus Eigenmann übereinstimmt – sein Engagement für die Gemeinde dürfte von dessen Nachfolger schwer erreichbar sein. Und Ihre Aussage verkennt, dass der Gemeindepräsident ein Mitglieder eines Gremiums ist und in Anhängigkeit einer Verwaltung steht…
Und nobody is perfect – wer keine Fehler machen möchte, wird auch nichts bewegen. Ein allenfalls zukünftiger fehlerloser Gemeindepräsident wird für Arlesheim genau nichts bewirken.
Das soll keine Wahlpropaganda sein. Aber eine gewisse Subjektivität wäre auch für politisch nicht Wohlgesinnte angebracht.
M.M. meint
„massgeblich zum Straumann-Deal beigetragen“, sorry wer weiss, wie‘s läuft, weiss um die Rolle, aber sicher nicht „massgeblich“.
Aber ja, er war – logisch- involviert.
Nachtrag: Was den Finanzausgleich anbelangt, so war der Kopf Lukas Stückelberger, wäre übrigens ein hervorragender Regierungsrat.
Zwahlen II meint
Genau, OK Kulturzirkus – das ist wahrlich die perfekte Qualifikation für ein Regierungsamt. Alles andere, was Sie ihm als persönliche Leistung zuschreiben, ist echt kühn. Und nein, ich habe nichts gegen ihn, wie könnte man auch? Er ist immer lieb und lässt alles durchgehen. Das ist die zweite hyperqualifizierende Fähigkeit, die perfekt zum System passt.