
Als wir erstmals Washington besuchten, war mein erster und bleibendster Eindruck: Das ist Rom.
Das war 1976.
In der Tat – die USA sind die würdige Nachfolgerin des untergegangenen europäischen Weltreichs – nur läuft dort alles schneller.
Die Römer brauchten fast 700 Jahre nach Gründung ihrer Republik, bis mit Commodus ein exzentrischer Narzisst den Palatin bezog.
Die Amerikaner schickten ihren bereits 249 Jahre nach Gründung ihrer Republik ins Weisse Haus.
(Für die, die es interessiert: Commodus (180–192 n. Chr.) war der Sohn des Philosophenkaisers Marc Aurel. Dieser hinterliess die „Selbstbetrachtungen“ – ein Plädoyer für Vernunft und Gemeinsinn.)
Commodus war brutal, selbstverliebt, spektakelsüchtig.
Er missachtete die Institutionen, marginalisierte den Senat, regierte mit Günstlingen und machte Politik zur Bühne seiner Launen.
Nach Commodus – er wurde ermordet – versank Rom für Jahre im Chaos.