
Sagen wir es so: Giorgia Meloni ist gegenwärtig eine der interessantesten Figuren der europäischen Politik.
Zum einen, weil das Amt der italienischen Ministerpräsidentin zu den schwierigsten überhaupt zählt – und sie sich dort seit 1’041 Tagen (heute) behauptet.
Nur Mussolini und Berlusconi haben bislang länger durchgehalten.
Zum anderen, weil sie die internationale diplomatische Klaviatur souverän beherrscht: Sie wechselt Register, passt ihre Rhetorik an den Kontext an und vermeidet es, sich in Sackgassen zu manövrieren.
Gestern in Rimini beispielsweise warnte sie in einer viel beachteten Rede vor der drohenden „geopolitischen Bedeutungslosigkeit“ Europas, verurteilte die jüngsten israelischen Angriffe auf Gaza als unverhältnismässig, bekräftigte ihren Willen zu Reformen und zur Kontrolle der Migration – ungeachtet juristischer Hürden.
Stehende Ovationen.
Meloni beherrscht den Moment, liest das Spielfeld und versteht es, ihre Positionen nicht vorschnell preiszugeben. Auf Social Media genügt ihr ein gezieltes Augenrollen – und das Publikum ist entzückt.
Kurz: Meloni ist eine Meisterin des kontrollierten Taktierens. Und sie wird voraussichtlich Macron überdauern – vielleicht sogar auch Merz.
PS: Ja, ich weiss – postfaschistisch. Doch das ist längst ein rhetorisches Fossil. Angesichts der politischen Gemengelage wäre wohl heute die Bezeichnung treffender: „autoritäre Pragmatikerin“.