Selenskij hat angekündigt, dass er – und mit ihm die Ukraine – einen Deal zwischen den USA und Russland nicht akzeptieren werde.
Damit wird das Treffen zwischen Trump und Putin in Alaska nächste Woche über die Aufteilung der Ukraine für Europa zum ultimativen Test: Kapitulation vor beiden – oder Widerstand mit allen Konsequenzen.
Stellt sich Europa gegen den Alaska-Deal, kann Putin abwarten. Trump dagegen müsste sofort handeln – mit seinem bewährten Repertoire: höhere Zölle auf europäische Schlüsselindustrien (Autos, Agrar, Maschinenbau), um EU-Staaten gegeneinander auszuspielen.
Weil Europa „gegen US-Interessen“ agiert, könnten amerikanische Truppen aus Europa abgezogen, die NATO infrage gestellt und die Lieferung „voll einsatztauglicher“ Rüstungsgüter überprüft werden – mit dem Hinweis, dass sie nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen die USA eingesetzt werden könnten (Stichwort: Grönland).
Die Reaktion der USA wäre in jedem Fall auf eine radikale Disruption der transatlantischen Ordnung ausgerichtet.
Die Frage ist also: Wie soll sich Europa verhalten, welche Optionen hat es?
Um Antworten zu finden, lohnt sich ein Blick in das Buch der 36 Strategeme (unbekannter Autor, vermutlich aus der Ming-Dynastie).
Sein Kern: den Gegner nicht mit brachialer Gewalt niederzuringen, sondern ihn durch List, Täuschung, Irreführung oder überraschende Wendungen aus dem Gleichgewicht zu bringen – und so zu besiegen.
Empfehlung nach dem Denken der 36 Strategeme:
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Messer unter dem Lächeln: Öffentlich die US-Rolle ergänzen wollen, heimlich auf deren sicherheitspolitischen Ausfall vorbereiten.
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Mit geliehener Klinge schlagen: US-Investoren, Bundesstaaten und Wirtschaftsverbände an EU-Interessen binden.
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Tiger in die Ebene locken: Konflikte in handfeste Interessenfelder verlagern, nicht in symbolische Showdowns.
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Pflaumenbaum opfern: In Nebenfragen nachgeben, um strategische Kernziele zu sichern.
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Krieg der Zustände gewinnen: Eigenständige europäische Strukturen aufbauen – militärisch, wirtschaftlich, politisch – um nie wieder von einem US-Präsidenten erpressbar zu sein.
Mit anderen Worten: Trump muss nicht bekämpft, sondern umspielt werden. Wer seine Impulse neutralisiert, ohne ihn öffentlich zu demütigen, behält Handlungsfreiheit. Die chinesische Lesart: „Dem starken Gegner den Weg in eine Sackgasse pflastern – und ihm den Eindruck geben, es sei sein eigener.“
Anders verhält es sich bei Putin. Dieser muss bekämpft werden. Für ihn gilt das Strategem „Weg versperren, Brücke zerstören“:
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Prinzip: Expansionsroute blockieren, sodass Rückzug Gesichtsverlust, Fortsetzung aber untragbare Kosten bedeutet.
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Taktik: Putin militärisch, wirtschaftlich und diplomatisch einrahmen, Optionen stetig verengen.
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Mechanik:
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Kosten jeder Offensive sofort erhöhen (Reichweitenfreigaben, Sekundärsanktionen).
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Propagandaraum schliessen, internationale Beweise sichtbar machen.
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Koalitionen irreversibel binden, Spaltung unattraktiv machen.
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Und schliesslich noch die eingefrorenen Milliarden als Waffe nutzen:
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„Die Keule aus dem Dachbalken schnitzen“: Blockierte Ressourcen in aktive Schlaginstrumente verwandeln.
Die Frage erneut gestellt: Ist Europa in der Lage, seine eigenen Interessen – die sich sowohl von denen Trumps als auch Putins unterscheiden – zu verteidigen?
Wobei die Schweiz, inzwischen das schwächste Glied Europas, ausdrücklich mitgemeint ist.
Daniel Flury meint
Wladimir Putin hat das Zeug ja bereits vor längerer Zeit gelesen (wie man sieht).
Und Europa?
Bis diese Thesen genderkorrekt übersetzt sind wird es seine Zeit dauern. Bis dahin vertrauen wir auf das bestehende Recht.