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Lauber taumelt – und die FDP verschläft den Kampf um die Finanzdirektion

31. Juli 2025 By Manfred Messmer

Bild: ChatGPT

Im Baselbieter Oktober-Wahlkampf wird ein Thema den Ton setzen: das Radicant-Debakel der kantonseigenen BLKB.

Mitten drin: Finanzdirektor Anton Lauber, der bislang vergeblich versuchte, das Desaster wegzulächeln. Der Mitte-Regierungsrat hat das Vertrauen verspielt – in der Bevölkerung, im Parlament und selbst bei seinen Regierungskollegen.

Seine Suche nach einem Bankratspräsidenten ad interim ist weniger Ausdruck eigener Einsicht als vielmehr Folge des Drucks aus den eigenen Reihen.

Weil Lauber sich davon kaum mehr erholen wird, steht längst die Frage im Raum: Wie lange hält er noch an seinem Amt fest?

Wie auch immer er sich entscheidet – der Kampf um die Finanzdirektion ist eröffnet. Dass die FDP das noch nicht bemerkt hat, wirkt beinahe fahrlässig. Die Bildungsdirektion, vorbildlich geordnet, kann praktisch jeder übernehmen. Die Finanzen hingegen verlangen Sachverstand.

Vor diesem Hintergrund überrascht der Entscheid der SP, nicht selbst anzutreten, sondern eine chancenlose GLP-Kandidatin zu unterstützen – angeblich im Gegenzug für GLP-Unterstützung bei der Ständeratswahl der SP. Ein klassischer Deal, wie man ihn sonst eher von den Bürgerlichen kennt.

Adil Koller erklärte in der bz: „Es fällt mir leicht, dafür auf die mögliche Kandidatur zu verzichten.“

Er will uns für dumm verkaufen.

Doch dass Koller nicht antritt, ist ein strategischer Fehler erster Güte. Auch die Sozialdemokraten scheinen nicht begriffen zu haben, worum es in diesen Wahlen wirklich geht.

Mit ihrem Verzicht verschenken sie die Chance, sich für 2027  für die Finanzdirektion zu positionieren. Kathrin Schweizer fehlt die Durchsetzungskraft für dieses Schlüsselressort – mehr als ein Wechsel ins Bildungsdepartement liegt kaum drin.

So wird der Kampf um die Finanzen wohl ein Bisheriger für sich entscheiden: Thomi Jourdan ante portas.

Die einzige Partei, die die Ausgangslage noch völlig umstossen könnte, ist die SVP.

Würde es ihr gelingen, die weitverbreitete Meinung zu widerlegen, sie verfüge über keine valablen Kandidaten, käme es zum Paukenschlag: Mall und Liechti würden zugunsten eines Dritten zurückgezogen. Hinter den Kulissen sucht die Parteileitung bereits nach einem Überraschungskandidaten.

Für eine echte Überraschung könnte einer wie Roland Hofmann sorgen, Kantonsgerichtspräsident und Präsident der Abteilung Zivilrecht. (Die besten Köpfe der SVP findet man bekanntlich nicht im Parlament, sondern in den Gerichten.)

Hofmann geniesst weitherum Respekt, gilt als moderater SVP-Mann, ist analytisch scharf, durchsetzungsfähig und bestens vernetzt. Mit ihm hätte die SVP endlich wieder einen Kandidaten von Format – und das Potenzial, den Wahlkampf auf den Kopf zu stellen.

Im bürgerlichen Lager wäre er  eine ernsthafte Alternative zu einem FDP-Mann.

Mit Hofmann hätte die SVP zudem einen Anwärter auf die Finanzdirektion. Wenn er im entscheidenden zweiten Wahlgang obsiegt, erst recht.

Derweil lässt die FDP-Führung in der Sommerpause die Zügel schleifen. Doch spätestens nächste Woche wird sie sich der Frage stellen müssen: Wer soll der nächste Finanzdirektor werden?

Kategorie: Politik Stichworte: Baselland, Regierungsratswahlen

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Henry Berger meint

    1. August 2025 um 7:50

    Eine GLP, welche mit der SP zusammenspannt untergräbt grundsätzliche ihre Daseinsberechtigung neben den Grünen.

    Aber eigentlich habe ich die Beweggründe zur GLP zu gehen nie verstanden….

  2. Daniel Flury meint

    31. Juli 2025 um 23:48

    Warum soll die FDP ihre Topshots für einen schlecht bezahlten Verwaltungsjob abstellen?

    Die sind alle bereits im Klerus der Sekte «Marktwirtschaft» und verdienen ein Vielfaches dessen, das sich ein Lokalpolitiker in seiner Kärrnerarbeit zuschanzen kann.

    Bleibt noch die zweite und dritte Garnitur: «Ewige Talente», die es vielleicht mit viel Glück zum Dorfkönig schaffen.

    • Marc Schinzel meint

      3. August 2025 um 8:08

      Eine ziemlich überhebliche Sicht auf das föderalistische System der Schweiz, das Bund, Kantone und Gemeinden kennt. Vielleicht gibt es ja noch ein paar Leute, die einen Job oder ein politisches Amt nicht nur wegen des Geldes machen? Solche, die Freude daran haben?

  3. Stimme aus der Mitte meint

    31. Juli 2025 um 22:54

    Ein interessantes Szenario:
    Die FDP nominiert Klaus Kirchmayr als Regierungsratskandidat und das Kartenhaus der SP-GLP fällt zusammen.

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