
Nadine Jermann, Gemeindepräsidentin von Buus und seit Anfang Jahr Landrätin, strebt den nächsten Karriereschritt an: Sie kandidiert für die Nachfolge von Monica Gschwind in der Baselbieter Regierung.
Von 2015 bis 2023 war Jermann Mitglied des Bankrats der Basellandschaftlichen Kantonalbank – just in der Phase, in der das Aufsichtsgremium jene Entscheide durchwinkte, die zum 200 Millionen Franken-Debakel geführt haben.
Was sagt das über unser politisches System?
In einer politischen Kultur, die Verantwortung kollektiviert, verliert selbst ein gravierender Fehlentscheid seinen Charakter als Makel – und wird zur Randnotiz der Karriere.
Karriere macht, wer aussitzt.
Henry Berger meint
Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass es eigentlich überhaupt keine Rolle spielt wer Regierungsrat wird. Der Gestaltungsspielraum ist äusserst klein oder er wird nicht wahrgenommen….
M.M. meint
Stimme Ihnen zu, eigentlich. Weil wir das schon seit Jahren denken. Weil uns die Parteien Kandidaten und -innen unterjubeln, von denen sie ernsthaft behaupten, sie seien die Besten der Besten.
Dabei sehen wir es mit blossem Auge, all die Könige sind nackt.
Aber jetzt, Ladies and Gentlemen, ist Schluss. Die Politsimulation in Liestal muss zerstört werden.
Und wenn es Kirchmayr ist, dem es gelingt, die versammelte Sonntagsmesse in Aufregung zu versetzen, dann ist das schon mal ein erfrischend gutes Zeichen.
Und nein: 2025 ist es nicht mehr egal, wer im Kanton Baselland in die Regierung gewählt wird.
Henry Berger meint
…und dann steht da ja noch ein Elefant im Raum: Auch die feurigsten Höhenfeuer-BL-Patrioten wissen im Grunde, dass diese Kantonstrennung von immer weniger Menschen verstanden wird. Auch wenn aktuell die politischen Systeme BS und BL auseinandergehen, so ist es eine Tatsache, dass diese Trennung zB bei Spitalplanung, Bildungswesen etc. im Prinzip unnötige Probleme schafft…
Henry Berger meint
…und dann kommt dazu, dass das rot-grüne Basel bünzliger ist, als man in Titterten oder Bretzwil denkt. Vielleicht mal so ein „härziges“ Basler Quartiermärktli besuchen?!
unterbaselbieter meint
Als ich die Illustration sah, dachte ich mir noch, es sei KI
Ich scrollte runter und tatsächlich….
Irgendwie merke ICH den Unterschied noch. Auch bei Fotos…
Aber schon sehr gut dieser „Künstler“….
Anonymus meint
Der denkende Leser denkt: Kirchmayr gut – Jermann nicht gut. So einfach ist das!
M.M. meint
Bingo!
Oder so.
angrymonk meint
Frau Jermann war nicht irgendein Mitglied des Verwaltungsrates. Als stv. Vorsitzende des Audit and Risk Commitee war sie in der kritischen Phase der Gründung der Radicant mitverantwortlich für das Risikomanagement der BLKB. Gemäss guter Governance hätte dieses Projekt auf Geschäftsmodellrisiken, Reputationsrisiken und finanzielle Risiken sowie in Bezug auf Governance und Kontrolle der Tochtergesellschaft geprüft werden müssen. Davon ist bei einem Investment von über 100 Millionen Franken zumindest auszugehen. Ein gewisses Risiko ist bei solchen Projekten immer gegeben und im Nachhinein ist man immer schlauer. Ein Totalversagen, trotz zahlreichen mahnenden Stimmen, kann damit jedoch sicherlich nicht gerechtfertigt werden. Frau Jermann hat für ihre guten Dienste übrigens rund 600 000 Franken erhalten von der BLKB von 2015 bis 2023.
Anonymus meint
Ich weiss nicht, ob im Bankrat damals Entscheide einfach so „durchgewunken“ wurden, ich finde es aber ein bisschen speziell, das Radicant-Debakel Nadine Jermann jetzt anlasten zu wollen, aber gleichzeitig nichts von Klaus Kirchmayrs Mandaten für die BLKB (mit angeblichen Millionengewinnen) und gleichzeitiger Mitgliedschaft in der landrätlichen Finanzkommission zu schreiben. Seine Attacke im Landrat gegen die BLKB nach Auslaufen der Mandate lässt auch einen gewissen Spielraum für Interpretationen…
https://www.bazonline.ch/gruener-saubermann-wegen-mandaten-in-erklaerungsnot-547185355852
https://www.bzbasel.ch/basel/baselland/grunen-fraktionschef-gerat-in-die-bredouille-er-hatte-eine-heikle-doppelrolle-inne-ld.1376930
M.M. meint
Eben, niemand ist verantwortlich.
Was die Geschichte mit Kirchmayr anbelangt – welch ein Eintagesaufreger. Und wenn dann noch die notorische Giftschleuder Weibel aufgeregt tut, omg.
Wäre der Schluss des Beitrags (bz) der Einstieg gewesen, die Story wäre keine gewesen.
Kirchmayr: „Ich habe immer alle meine Mandate gemeldet“
Anonymus meint
Der Schluss des Baz-Artikels tönt etwas anders:
„Auf Anfrage der BaZ und «Prime News» mochte sich Kirchmayr nicht entlasten, beispielsweise Kommissionsprotokolle benennen, in denen festgehalten wäre, dass er die Mitglieder informiert hat, oder die aufzeigen, er sei bei BLKB-Geschäften in Ausstand getreten. Ebensowenig will er sich auf ein Datum festlegen, an dem er über seinen Interessenkonflikt orientiert hätte. Vielmehr hat Kirchmayr, der ansonsten jeweils blitzartig für ein Statement zur Verfügung steht, Grünen-Präsident Balint Csontos vorgeschoben. Dieser verwies zunächst auf das Kommissionsgeheimnis. Eine weitere Nachfrage liess er unbeantwortet.“
M.M. meint
ich bin nun wirklich nicht dazu da, Kirchmayr zu verteitigen.
Mich interessieren, wenn schon, die journalistische Techniken.
Gehen wir darauf ein.
Der Text vermeidet offene Schuldzuweisung, insinuiert aber systematisch Fehlverhalten durch gezielte Formulierungen: „mochte sich nicht entlasten“ (was ist das denn?) „will sich auf kein Datum festlegen“, „vorgeschoben“.
Dass Kirchmayr „Grünen-Präsident Csontos vorschiebt“, wird als politisch feige dargestellt, gerade weil der Ersatzmann sich auf das „Kommissionsgeheimnis“ zurückzieht – ein doppelter Rückzug in die Intransparenz. Und ein journalistische Dreh, eine vermeintliche „Affäre“ auszuweiten.
Es wird nicht gesagt, was Kirchmayr tatsächlich getan hat, sondern nur, was er nicht tut – das erzeugt ein Vakuum, das sich beim Leser mit Misstrauen füllt. Nennt man in der Fachsprache „Framing durch Auslassung“.
Fazit: Es handelt sich um eine gezielt zugespitzte Darstellung, die durch Auswahl, Kontrast und rhetorische Markierungen ein klares Bild erzeugt: Der sonst wortgewandte Politiker schweigt plötzlich – und das lässt tief blicken.
Kann man machen als Journi, muss man aber nicht glauben als denkender Leser.
Ich kenne übrigens einige Leute in Positionen, die lieber mit der bz reden als mit der BaZ oder dem rechten Nischenkanal „Prime News“.
Theo meint
Es war ja nicht grundlos, dass sich die BaZ von Daniel Wahl, dem Journalisten des insinuierenden Artikels, im Unguten getrennt hat.
Danke, M. M., für die Sprachanalyse