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TV-Serie Fauda und: Isaac muss seinen Sohn opfern

15. Juni 2024 By Manfred Messmer

Bei diesem Anblick muss ich zu mir sagen: Du musst jetzt ganz stark sein!

Habe gestern nochmals drei Folgen der israelischen TV-Serie „Fauda“ angeschaut, (zwischendurch auch mal kurz bei Deu : Sco, langweilig).

Fauda erzählt die Geschichte einer Sondereinheit der israelischen Armee, die Jagd auf arabische Terroristen macht. Im Westjordanland und in Gaza.

Der Clou: Ist ein führender Kopf liquidiert, übernimmt ein nächster die Führung.

A never ending Story.

Wie im richtigen Leben.

Die Serie ist vor dem Hintergrund der aktuellen Lage sehenswert.  „Action“ beiseite gelassen, gibt die Serie einen aufschlussreicheren Einblick in den israelisch-arabischen Konflikt als irgendeine klug gemeinte Analyse eines sogenannten Nahost-Experten.

Wir lernen dreierlei: Da haben sich zwei Volksstämme in einen Konflikt verkeilt, für den uns im Grunde jegliches Verständnis fehlt.

Weil Europa unter anderem die Zeit der Volksstämme hinter sich gelassen hat. Und säkular geworden ist.

Weshalb wir den Konflikt politisch und historisch erklären, weil das für uns die einzige Möglichkeit zum Verstehen ist.

Woraus folgt, dass sich die kämpfenden Israelis der Sondereinheit und die arabischen Terroristen mental näher sind, als sagen wir, Israelis und Europäer.

Schliesslich drittens:  Die beiden Gegner bedingen einander.

Was zur Feststellung des Sohnes eines Hamas-Führers passt, wonach das einzige, was „Palästinenser“ einigt, der Kampf gegen Juden ist. Fällt der weg, zerfällt die palästinensische Gesellschaft wieder in arabische Stammgesellschaften.

Die sich untereinander bekämpfen, weil es kein Nationalbewusstsein für einen palästinensischen Staat – auch so eine westliche Interpretation des Konflikts – gibt.

Doch für die andere Seite gilt eben auch, was mir nach meiner ersten Israelreise 1969 (per Anhalter nach Athen und von dort mit dem Schiff nach Haifa) als prägender Eindruck geblieben ist: Die Israelis bestehen aus verschiedensten „Stämmen“, die sich nur deshalb einig sind (einig sein müssen), weil sie einen nicht endenden Kampf gegen Araber führen.

Ohne diesen gemeinsamen Feind, fiele auch die israelische Gesellschaft auseinander.

Ich habe gestern Abend drei Folgen hintereinander geschaut.

Und wurde zunehmend wütend.

Wütend darüber, dass wir uns nun schon seit Jahrzehnten mit einem archaischen Kampf beschäftigen müssen, der uns im Kern völlig fremd ist.

Mir kommt da die Erzählung der Tora (auch im Alten Testament) von Isaac in den Sinn, die auch im Islam, dieser Verzweigung des Judentums, ihre Bedeutung hat.

Und damit als gemeinsamer Ur-Nenner der beiden Kontrahenten gelten kann.

Danach befiehlt Gott Abraham, dem Stammvater der Juden und der Araber, seinen einzigen Sohn Isaac zu opfern, um mit diesem Opfer seine Gottesfurcht zu bestätigen.

Kurz vor dem Mord an seinem Sohn, schickt Gott einen Engel, der ihn verhindert.

Die nehmen das wörtlich.

Die naheliegenden Fragen sind jedoch: Was ist das für ein Gott, der solches fordert und was ist das für ein Vater, der sich dieser Forderung nicht widersetzt?

In Fauda ist diese mir völlig fremde, weil archaische Präsenz eines allmächtigen Gottes (in dessen Auftrag letztlich gehandelt wird) erdrückend präsent.

Sowohl bei den Juden als auch bei den Arabern.

Ein unlösbarer Konflikt in alle Ewigkeit.

Ein Bruderkrieg.

Kategorie: Politik

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Klaus Kirchmayr meint

    15. Juni 2024 um 15:18

    Auf den Punkt gebracht. Top.

  2. Isidor Weberknecht meint

    15. Juni 2024 um 14:51

    So ist es. Differenzierter dem Thema angenähert als auch schon hier auf dieser Plattform obendrein. Bis die Aufklärung hüben und drüben obsiegt (also post sapiens), geht es ewig so weiter. Alles, was religiös verbrämt ist, provoziert, spaltet, trennt und hat Anti-irgendwas zur Folge. Darf man das noch schreiben?

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Kommentare

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