
Graz. Auf der Durchreise.
Habe vor der Abreise mit JA zum Klimagesetz gestimmt.
JA in Grossbuchstaben. Was nichts weiter zu bedeuten hat.
Es gibt kein betontes JA oder ein vorbehaltliches oder ein zähneknirschendes.
Oder gar ein überzeugtes Ja.
Nein, ich finde, es macht sich einfach besser auf dem grauen Abstimmungszettel, dieses JA in Grossbuchstaben in schwarzer Kugelschreibertinte.
Verworfen habe ich die chinesischen Kohlekraftwerke, den Angriffskrieg der Russen, die Co2-zwerghaftigkeit der Schweiz.
Und überhaupt den gesamten übrigen Mist.
Von Befürwortern und Gegnern.
Und auch dieses Argument, das Gesetz sei ungenügend, man schränke sich unnötig ein, man muss es zurückweisen, um etwas besseres auszuarbeiten.
Klar, wäre möglich. Oder auch nicht.
Wer weiss das schon.
Ich habe auch nicht JA geschrieben, weil ich die Welt retten möchte oder gutes für meine Enkel tun will.
Beides aus schlechtem Gewissen.
Nein, mein JA ist aus der Einsicht geschrieben worden, dass sich die Schweiz schwer tut, sich zu entscheiden.
Für irgendetwas.
Aus lauter Angst, man könnte einen Fehler machen, den man nicht mehr korrigieren kann.
Am liebsten entscheidet man sich überhaupt nicht, weil man dann sagen kann: „Zum Glück haben wir nichts entschieden.“
Und lebt angstvoll weiter.
Deshalb kommen wir zum Punkt: Mein JA zum Klimagesetz ist der Einsicht entsprungen, dass nach einer langen Diskussion jetzt einfach mal ein Punkt gemacht werden kann.
Welch eine seltene Gelegenheit im schweizerischen Politbetrieb.
Und überhaupt: Am Abstimmungssonntag gilt sowieso der Satz von Marcel Reich-Ranicki:
Und so sehen wir betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen
PS: Meine Chance, das Jahr 2050 zu erleben, ist äusserst gering. Was soll’s.
