• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Chilli und feucht-muffelige Wollsocken

4. Mai 2021 By Manfred Messmer

Im Moment lese ich das verblüffendste Buch seit langem.

Wenn nicht seit überhaupt.

Da war da zunächst diese Sendung auf 3sat.  Drei Wissenschaftler diskutieren eine geschlagene Stunde über – Pilze.

Und dazwischen kurze Reportagen.

Man sitzt da und denkt bei jedem zweiten Satz: F***k, das habe ich auch nicht gewusst.

Zum Beispiel, dass es ohne Pilze schlicht kein Leben auf diesem Planeten gibt. Oder dass Pilze die ökologische Sauerei, die wir hinterlassen, wegputzen.

In einem Einspieler kommt Anna Lowenhaupt Tsing zu Wort, Professorin für Anthropologie, die das Buch „Der Pilz am Ende der Welt“ geschrieben hat, das Scobel in die Kamera hält.

Ich hab’s gleich runtergeladen.

Das Buch handelt vom Matsutake-Pilz, der nach einem Gemisch aus Chilli und feucht-muffligen Wollsocken riechen soll, der in Japan wohl deshalb als Delikatesse gilt und für den entsprechend hohe Preise bezahlt werden.

Matsutake wird nicht nur als Geschenk für  besondere Anlässe benutzt, sondern auch zur Bestechung.

Und dann noch die Ökologie und der Pilz: Das neue Leben in Hiroshima begann mit dem Matsutake, der in den Atomtrümmern vortrefflich gedieh.

Doch die Anthropologin hat nicht bloss ein Buch über einen übel riechenden, sauteuren Pilz geschrieben, sondern auch ein Buch über die unwiderruflichen Veränderungen des globalen Ökosystems.

Und über das damit verbundene kapitalistische Wirtschaftssystem.

Es ist keine linke Kampfschrift, sondern ein Ausbreiten des Tatsächlichen.

Das Faszinierende, das Überraschende an diesem Pilzbuch ist, dass hier etwas von uns allen wenig Beachtetes, was ist in unserer Weltordnung schon ein Pilz, nicht im Waldboden bleibt, sondern mit unserer Zivilisation verknüpft wird.

Nicht nur viele Pflanzen leben mit dem Matsutake in einer „netzwerkartigen Notgemeinschaft“, sondern offenkundig auch wir.

Man erfährt, wie in den Wäldern Oregons, wo eine Unterart des Matsutake wächst, ein mulitikultureller Mix aus südostasiatischen Bergvölkern – Flüchtlinge des Vietnamkriegs – nach dem Pilz suchen.

Und werden an diesem und anderen Beispielen an die “Ränder des kapitalistischen Warensystems” geführt, dorthin, wo prekäre Arbeitsverhältnisse die Regel sind.

Ich habe erst knapp die Hälfte des Buches gelesen. Keine Ahnung, was noch folgen wird.

Kategorie: Einsichten Stichworte: Bücher

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. U. Haller meint

    5. Mai 2021 um 18:28

    Auch spannend sind die Mykorrhizapilze, mit denen ich es zu tun habe.

  2. Linder Karl meint

    5. Mai 2021 um 9:57

    hey, und im übrigen: Es ist grad Morchel Zeit, Augen aufhalten 😉

  3. Heinz Schwamm meint

    5. Mai 2021 um 8:20

    Willkommener Hinweis, für einmal ein etwas anderer MM…

Seitenspalte

Kommentare

  • Baresi zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
  • Manfred Messmer zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
  • Daniel Flury zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
  • Alexander Müller zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
  • Manfred Messmer zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
  • Klaus Kirchmayr zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice

Letzte Beiträge

  • IMGDie Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
    6. Oktober 2026
    Ich verstehe ja, dass es einfacher ist, ein derart hochkomplexes Thema wie die Bilateralen III mit […]
  • IMGSchweizer Stabilität ist anderswo Regierungskrise
    5. Oktober 2026
    Zug hat gewählt. Nicht, dass mich das weiter interessiert. Interessant ist die Grafik mit der […]
  • IMGDas aussenpolitische Mütchen
    2. Oktober 2026
    Wie willkürlich Donald Trump mit Ländern umspringt, die ihm gerade nicht ins innenpolitische […]
  • SnapseedGeschacher
    1. Oktober 2026
    Interessant an den Berner Debatten über die Bilateralen III und das Mercosur-Abkommen sind nicht […]
  • SnapseedDemokratie ist nichts für Nette
    30. September 2026
    Mit der Demokratie ist das so eine Sache. Sie ist manchmal ziemlich kompliziert, aber immer […]
  • IMG 2865 1079x720.jpgWer im Ständerat nichts zu sagen hat …
    29. September 2026
    Bild (c) SVP Ich verfolge die Ständeratsdebatte zu den Bilateralen III. Ich lese Meinungen vom […]
  • IMGUnd dann ist da noch Markus Eigenmann
    28. September 2026
    Wer die Ambitionen der FDP auf einen zweiten Regierungsratssitz im Keim ersticken will, reicht […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework