• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

arlesheimreloaded

Mäuse schultern Elefanten. Seit 2005.

  • Home
  • Datenschutz

Seit 300’000 Jahren – das Leben ist hart

12. Oktober 2020 By Manfred Messmer

arte zeigte am Samstagabend eine spannende Reportage wie selten zu den Anfängen der Menschheit.

In Djebel Irhoud, Marokko, hatten Wissenschaftler schon vor Jahrzehnten Fossilien und Werkzeuge des modernen Menschen ausgegraben, darunter ein homininer Schädel.

Doch erst jetzt konnten dank neuen wissenschaftlichen Methoden die Funde datiert werden: auf 300’000 Jahre.

„Der Dokumentarfilm begibt sich auf eine wissenschaftlichen Abenteuerreise, die die Vorstellung vom Ursprung und Entwicklungsprozess der menschlichen Spezies revolutioniert.“  schreibt arte zur Sendung.

Doch nicht nur die Funde sind sensationell, sondern auch die Beantwortung der Frage, weshalb an verschiedenen Orten in Afrika und nicht mehr allein in Äthiopien „die Wiege der Menschheit“ stand und erst noch 100’000 Jahre früher als bislang angenommen.

Weil sich die Sahara in den letzten 300’000 Jahren aufgrund klimatischer Veränderungen immer mal wieder über zehntausende Jahre hinweg in eine Savannenlandschaft verwandelte, gab es einen regen Austausch der Gene über den gesamten Kontinent hinweg.

300’000 Jahre – und jetzt wir.

Die Sonntagszeitung schreibt, dass 30 Prozent der jungen Frauen in der Schweiz und 19 Prozent der jungen Männer an psychischen Störungen leiden: Depressionen, Angstzustände, ADHS usw.

Nicht zuletzt auch wegen Corona.

Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass eine klinische Depression eine schwere Krankheit ist.

Aber man kann fragen, ob all die anderen Fälle, wo man bis zu sechs Monate auf eine „Behandlung“ warten kann, wie berichtet wird, im nicht akzeptieren wollen des Faktums begründet liegen: Das Leben ist hart.

Seit 300’000 Jahren.

Ich frage mich, inwiefern die verbreitete Opferkultur dazu beiträgt, wenn ein Viertel(!) der Schweizer Jugend unter psychischen Störungen leidet, mit anderen Worten: Mühe bekundet, ihr Leben als Erwachsene zu meistern.

Selbständig, aus eigener Kraft.

Ich meine, diese Opferkultur, wo man den Kindern einredet, man könne im Leben nie verlieren, auch die Letztplatzierten seien Gewinner.

Und im wohlstandsverwöhnten Europa ernsthaft meint, Corona sei mit das Schlimmste, was die Menschheit je heimgesucht habe.

In den letzten 300’000 Jahren.

Wenn ich über die neueste Entwicklung bei der Klimajugend lese – enttäuscht und resigniert, weil nach zwei Jahren Freitagsdemos nicht subito… – dann kann man das als logische Folge der Opferkultur bezeichnen.

Die Welt lässt sich nicht mit Klicks verändern. Oder mit einer Campingwoche auf dem Bundesplatz.

Die Vorstellung der Jugend, sie werde genau so weiterleben können, wie ihre Eltern (oder Grosseltern) ist nicht nur absurd, sondern eine kollektive Selbsttäuschung.

Eine Wahnvorstellung also.

Mein Leben ist unvergleichlich anders, als das meiner Grosseltern und Eltern.

Zum Glück, wenn ich mir die Lebensumstände in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, also vor meiner Geburt, vergegenwärtige.

Wenn mir der geistige Mief der 50er und 60er Jahre aufstösst, diese faulige Restblähung einer Welt, die zum Glück nachhaltig zerstört wurde, dann überfällt mich der psychische Kater.

Reden wir also nicht um den heissen Brei herum: Wenn die Schweizer Jugend die Hoffnung auf das Morgen verliert, so what.

Das mag hart tönen, entspricht jedoch der unumstösslichen Wahrheit.

Unter den 7.8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten (Stand 2020) hat es mehrere Milliarden, die das anders sehen. Schon deshalb, weil die allermeisten der 7,8 Milliarden damit beschäftigt sind, irgendwie zu überleben.

So wie das der moderne Mensch seit 300’000 Jahren tut.

Wie man anhand der Funde von Djebel Irhoud sieht, faszinierend erfolgreich.

Daran haben selbst die Klimaveränderungen der Vergangenheit nichts geändert.

Kategorie: Einsichten, Politik Stichworte: Einsichten

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Baresi meint

    12. Oktober 2020 um 22:58

    Wenn ich Ihren Beitrag lese und die Kommentare darunter, bin ich mir nicht ganz sicher ob man Sie richtig verstanden hat. Eher nicht.

    So oder so, die Bestandesaufnahme der heutigen Jugend in den erwähnten Zeitungsberichten wurde im besten Fall durch die Generation 40+ erstellt. Wenn ich z. B. bei der Behandlung der Krankheit wirtschaftlich profitieren könnte, würde ich die auch so krank wie möglich darstellen.

    Und was möglicherweise hier in den Kommentaren los wäre, wenn uns die Jugend die Umtriebe z. B. der 80er Jahr-Unruhen zumuten würde, möchte man sich nicht vorstellen. Unsere Gesellschaft scheint heute bereits kurz vor dem Kollaps zu stehen wenn am Samstag in der Innerstadt das Tram 15 Minuten blockiert wird.

  2. Franz meint

    12. Oktober 2020 um 17:28

    Was ich den heutigen Jungen nie verzeih:
    Sie sind elende Langweiler.
    Und nein, das Leben war früher nicht besser…
    …aber allemal spannender.

    • Steven meint

      12. Oktober 2020 um 19:13

      Die Menschen sind immer gleich. „Die Jungen“ sind nicht langweiliger geworden. Sie persönlich sind älter geworden.

  3. Rampass meint

    12. Oktober 2020 um 14:03

    Die Grenzen von „Gspürschmi fühlschmi“ werden einem spätestens beim Eintritt ins Berufsleben aufgezeigt.
    Gemäss einer Studie gelten unter den 17–24-jährigen Amerikanern nur noch 29 Prozeit als körperlich und kognitiv wehrfähig.
    Chancengleichheit: jeder kann (irgendwas) studieren und endet schlussendlich als Dialoger einer NGO auf dem Aeschenplatz. Und arbeitet für ein Butterbrot.
    Wie die eigene Erkenntnis der letzten 10 Jahre zeigt, haben die PFZler und die Leute der Offshore Arbeitsplätze in den Baltischen Staaten, Polen, Indien usw. genügend drauf um viele der gutbezahlten Jobs der verwöhnten Generation Z zu übernehmen. Diese kümmert sich lieber um „Klimagerechtigkeit“.
    Vielleicht etwas zu schwarz gemalt. Aber die Party hier im Land scheint zu Ende zu gehen.

  4. Paul Menz meint

    12. Oktober 2020 um 13:12

    Eine lesenswerte, hervorragende Analyse! Ich habe übrigens diese Reportage auch gesehen und war begeistert.
    Mit herzlichen Grüssen
    Paul Menz, Arlesheim

Seitenspalte

Kommentare

  • Hans Rudolf Rohr zu Zwei Namen und kein Plan
  • Marcus Denoth zu Zwei Namen und kein Plan
  • unterbaselbieter zu Zwei Namen und kein Plan
  • Baresi zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
  • Manfred Messmer zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
  • Daniel Flury zu Die Bilateralen III werden zur Versicherungspolice

Letzte Beiträge

  • Christinefrey web origZwei Namen und kein Plan
    9. Oktober 2026
    Da ist also mal wieder jemand zur bz gesprungen und hat ihr den neuesten Stand der internen […]
  • IMGWir die Schweiz handlungsunfähig?
    8. Oktober 2026
    Wir laufen bei den Bilateralen III auf eine bei einem derart gewichtigen Geschäft noch nie […]
  • IMGSo what
    7. Oktober 2026
    Ein Bundesrat ist zurückgetreten. So what. Der Nachruf ist immer derselbe: pragmatisch, kollegial, […]
  • IMGDie Bilateralen III werden zur Versicherungspolice
    6. Oktober 2026
    Ich verstehe ja, dass es einfacher ist, ein derart hochkomplexes Thema wie die Bilateralen III mit […]
  • IMGSchweizer Stabilität ist anderswo Regierungskrise
    5. Oktober 2026
    Zug hat gewählt. Nicht, dass mich das weiter interessiert. Interessant ist die Grafik mit der […]
  • IMGDas aussenpolitische Mütchen
    2. Oktober 2026
    Wie willkürlich Donald Trump mit Ländern umspringt, die ihm gerade nicht ins innenpolitische […]
  • SnapseedGeschacher
    1. Oktober 2026
    Interessant an den Berner Debatten über die Bilateralen III und das Mercosur-Abkommen sind nicht […]

Kategorien

Transparenzhinweis

Dieser Blog arbeitet mit Claude (Anthropic) und ChatGPT (OpenAI) als analytischer Komponente, konfiguriert durch einen Masterprompt mit festen Analyseparametern. Die Texte stammen von mir; Verantwortung und Redaktion sind vollständig menschlich.

Claude und ChatGPT lieferern Analyse, Recherche und Gegenargumente in Echtzeit — nicht als Ghostwriter, sondern als kritisches Korrektiv.

Das System operiert im Modus ⟦1:1⟧: eine funktionale Allianz getrennt arbeitender neuronaler Netze.

Für die Nachwelt gespeichert

web analytics


Online seit dem 22. September 2005

Copyright © 2026 · Genesis Sample On Genesis Framework