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Coronakrise und Parteien: Stoppt Wahlkampfwerbung auf Facebook und Google

31. März 2020 By Manfred Messmer

Nehmen wir drei Informationen, um daraus glasklare Schlüsse zu ziehen:

Nr. 1: Facebook will hundert Millionen Dollar aufwerfen, um mit diesem Geld die derzeit notleitenden Medien zu unterstützen.

Ach wie schön.

Google und Facebook erzielten letztes Jahr allein im Schweizer Werbemarkt 1,6 Milliarden Franken Umsatz.

Nr. 2 Nach der Tamedia-Gruppe / u.a. BaZ, führt jetzt auch CH Media / u.a die bz, Kurzarbeit ein. Der Werbemarkt ist zusammengebrochen.

Ob und wie die werbefinanzierten Schweizer Medien die Coronakrise überleben werden, ist derzeit eine offene Frage.

Nr. 3 Irgendwann vor ein paar Jahren hat die Wahlwerbeschlaumeierei der Parteien und deren Kandidaten begonnen.

Man steckte das Geld fortan in Facebookwerbung – billig und angeblich zielgenau platzierbar – und nahm von da an die Berichterstattung in den Medien als Gratisangebot einfach so mit.

He, he, die BaZ und die bz MÜSSEN ja über uns schreiben, so die perfide Logik.

Ich halte von Parteienwerbung und Videopeinlichkeiten von Kandidaten auf Facebook gar nichts.

Niemand kann deren Wirkung tatsächlich nachweisen.

(Was spezialisierte Agenturen erzählen ist meistens ziemlicher Stuss.)

Aber sicher ist: Politische Diskussionen werden noch immer in den traditionellen Medien vorangetrieben, nicht auf Facebook.

Zumindest auf der überschaubaren lokalen Ebene.

Und zum anderen: Wenn alle das selbe machen, dann verpuffen alle miteinander im Nichts.

Warum schaltet man dann Werbung auf Facebook? Weil man Schiss hat, nicht bei den anderen zu sein und: weil’s halt so billig ist.

So. und jetzt haben wir die Coronakrise. Und in Basel schon bald wieder Wahlkampf.

Grund genug also, dass sich die Basler Parteien solidarisch mit ihren Lokalmedien zeigen und keine Werbung mehr bei Facebook und auf Google schalten.

Ein „Gentlemen’s agreement“ von links bis rechts: Für diesen Wahlherbst wird Politwerbung wird nur noch in den lokalen Medien geschaltet.

Diese bieten einen Einheitstarif für Wahl- und Abstimmungswerbung – warum nicht eine Flatrate.

Das wäre gelebte Solidarität unter den wichtigsten Demokratieplayern. Die aufeinander angewiesen sind.

Demokratie ohne Facebook ist möglich aber Demokratie ohne Lokalmedien nicht.

Das wäre ein Coup, der weltweit Aufsehen erregen wird.

Kategorie: Coronavirus, Politik Stichworte: WahlenBS20

Über Manfred Messmer

Der Autor war zwölf Jahre Journalist: Freelancer, zeichnender Redaktor, stv. Chefredaktor, New-York-Korrespondent, Chefredaktor zweier Wochenzeitungen; CEO und Mitherausgeber von bazonline. 1986 bis 2024 Gründer und Senior-Partner messmerpartner PublicRelations.
Sie erreichen mich: arles.prodigy052@passmail.net

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Karl Basel Rooms GmbH meint

    31. März 2020 um 20:41

    Flatrate klingt gut, wobei dann noch interessant wäre, was in diesem Package dann drin sein sollte.

  2. Arlesheimreloadedfan meint

    31. März 2020 um 17:24

    Ein kleiner Dank der Linken an die neuen BaZ Besitzer,dass Serkan Abrecht ,nicht mehr alles links von der SVP zur Schnecke machen darf ?

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Kommentare

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